Am heutigen Sonntag ist es wieder soweit - die Uhren werden in Mitteleuropa in der Nacht von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr vorgestellt. Die Sommerzeit tritt in Kraft und ändert für 7 Monate den Tag- Nacht Rhythmus der Menschen in Mitteleuropa.
Geschichte
Bereits 1784 und 1895 gab es erste Gedanken an die Sommerzeit. Konkreter wurde 1907 William Willet und schlug eine saisonale Zeitverschiebung vor. Eingeführt wurde die erste Sommerzeit jedoch erst 1916 bis 1919 um den Energiehunger der Rüstungsindustrie zu stillen. Der Gedanke war das man Energie einsparen könne wenn man das Tageslicht an Sommerabenden besser ausnutzt, das durch die folgende Umstellung eine Stunde länger vorhanden ist. Viele andere Europäische Länder führten im selben Jahr ebenfalls die Sommerzeit ein.
Nachdem die Sommerzeit in einigen Ländern wieder abgeschafft wurde, teilweise im 2. Weltkrieg wieder eingeführt wurde gab es in Europa bis 1980 viele Unterschiede bei der Nutzung der Sommerzeit. Die Schweiz schloss sich 1981 als letztes mitteleuropäische Land der Sommerzeit an. 1996 wurde die Regelung dann in allen Europäischen Mitgliedstaaten vereinheitlicht - vom letzten Sonntag im März 2:00 Uhr bis zum letzten Oktober-Sonntag 2:00 Uhr gilt die Sommerzeit. Geregelt wird diese in der EU Richtlinie 2000/84/EG zur Regelung der Sommerzeit.(1)
Vor- und Nachteile der Sommerzeit
Bestimmungsgemäß soll die Sommerzeit Energie für Beleuchtung sparen. Der Grundgedanke das das Tageslicht welches vor der Sommerzeit gegen 22:00 Uhr erlischt noch bis 23:00 Uhr nach der Zeitumstellung den Tag erhellt ist auch richtig, jedoch verschiebt sich der Sonnenaufgang ebenfalls von ca. 5:00 Uhr auf 6:00 Uhr. Somit ist der Nutzen der Sommerzeit seit Jahren kontrovers diskutiert.
Energieeinsparungen
Durch Schichtarbeit und individuell verschiedenen Gewohnheiten wird auch in den Morgenstunden Energie für Beleuchtung oder andere Gerätschaften benötigt. Somit hat die Zeitumstellung auf Sommerzeit den Effekt das zwar Energie abends eingespart wird, jedoch in den Morgenstunden zusätzlich Energie aufgebracht werden muss. Zudem finden die abendlichen Freizeitaktivitäten eine Stunde länger statt was ebenfalls ein höheren Energieverbrauch bedeutet.(2) Außerdem entscheiden eher Wetterbedingungen wie Bewölkung, Regen und Temperatur als die Zeit über unser Licht- und Heizverhalten.
Bio-Ryhtmus
Vielen Menschen macht die Zeitumstellung schwer zu schaffen und es dauert Tage, teilweise Wochen, bis sich der Mensch an die neue Uhrzeit gewöhnt hat. Studien zufolge erhöht sich in den Tagen um die Zeitumstellung das Herzinfarktrisiko (3). Auch die Leistungen der Menschen scheinen sich durch die Sommerzeit zu verschlechtern, so fand man heraus das Schüler aus US-Staaten mit Sommerzeit schlechter bei Tests abschneiden als Schüler aus Staaten ohne Sommerzeit (4). Nicht zuletzt funktioniert im Menschlichen Körper vieles durch Hormone die über die Dämmerung gesteuert werden, durch die Sommerzeit verschiebt sich der Einfluß massiv und der Mensch steht wieder im dunklen auf.
Fahrpläne
Die öffentlichen Verkehrsmittel werden vor Herausforderungen gestellt wenn auf Sommerzeit umgestellt wird. Fahrpläne müssen angepasst werden und es muss mit Fahrzeiten-Puffern gearbeitet werden. Durch Routine und das die Uhren seit 1996 Sonntags umgestellt werden hält sich der aufwand zwar in Grenzen, bedeutet aber dennoch mehr Koordination und Mehrkosten.
Computersysteme
Bei geplanten Jobs kann die Sommerzeit Probleme verursachen da diese ggf. zwei mal ausgeführt werden. Auch in Netzwerken können Daten, die durch die Sommerzeit andere Zeitstempel bekommen oder früher oder später zu Standorten mit abweichender Zeit können Probleme bereiten. Somit müssen Systeme für die Sommerzeit ausgerüstet sein oder manuell betreut werden.
Arbeitszeiten
Im Schichtdienst kann sich die Arbeit- oder Ruhezeit durch die Zeitumstellung auf Sommerzeit, bzw. zurück zur Normalzeit verändern. Unter Umständen kann dies Folgen für die Rechtmäßigkeit ergeben da nicht mehr ausreichend Ruhezeit zwischen zwei Schichten vorhanden ist oder die maximale Arbeitszeit überschritten wird. Zu Lösen ist dies nur über spezielle Dienstpläne die ein Mehraufwand bedeuten (5).
Milchkühe
Durch die Umstellung auf die Sommerzeit verändert sich bei Milchkühen der Melkrhythmus - so ist zu beobachten das Kühe ein bis zwei Wochen brauchen um sich auf die neue Melkzeit einzustellen wodurch sich im Frühjahr die Milchleistung verringert (1). Dem kann mit speziellen Melksystemen die unabhängig der Sommerzeit melken entgegen gewirkt werden (6).
Dokumentation
Bei Aufzeichnungen muss klar hervorgehen zu welcher Zeit ein Ereignis passiert ist. Durch die Zeitumstellung gibt es die Stunde 2:00 - 3:00 Uhr zweimal - aus diesem Grund muss definiert werden ob es sich um die erste oder zweite Stunde 2:00 Uhr handelt.
die Stunde, die am Ende der Sommerzeit doppelt vorhanden ist vor der Zeitumstellung wird 2:00 Uhr A, die Stunde nach der Zeitumstellung 2:00 Uhr B genannt. (1)
Fazit
Viele Probleme, wenig Nutzen umschreibt die Sommerzeitumstellung ganz gut. Die meisten Menschen werden sich im Herbst bei der Umstellung zurück zur Normalzeit freuen eine Stunde länger schlafen zu können, jedoch ist auch diese Freude seit 1996 etwas verhaltener da man Sonntags sowieso ausschlafen kann.
Viel Problematischer ist das im Frühjahr eine Stunde Schlaf fehlt an die man sich erst ein paar Tage gewöhnen muss. Russland hat übrigens seit 2014 keine Sommerzeit mehr - hier gilt ganzjährig die Normalzeit (7).
Im Februar 2018 wurde die Europäische Kommission durch das EU-Parlament aufgefordert die Richtlinie über die Regelung der Sommerzeit gründlich zu bewerten und ggf. ein Vorschlag zur Überarbeitung vorzulegen. (1)
Quellenverzeichnis:
Bildquelle : Alex Presa on Unsplash
(1) Wikipedia.org: Sommerzeit
(2) Handelblatt.de: BDEW: Energieeinsparungen ein Mythos
(3) Daylight saving time shifts and incidence of acute myocardial infarction
(4) Spektrum der Wissenschaft: Folgen der Sommerzeit
(5) Haufe.de: Folgen der Zeitumstellung für Arbeitszeit und Vergütung
(6) Agrar heute: Ohne Jetlag in die Sommerzeit
(7) Wikipedia.org: Zeitzonen in Russland