Heute sitze ich wieder einmal auf der kalten Bank am Bahnhof und muss mir denken, das ich ein Esel bin. Jeden Tag sitze ich hier und warte auf den Zug, weil ich nicht pünktlich genug bin, um mir diese ewige Warterei zu ersparen.
Und bin ich es doch, hat der Zug Verspätung, oder war zu früh da. Jeden Tag das gleiche. Tag um Tag. Jahr um Jahr. Während ich hier sitze und mir darüber Gedanken mache, was für ein Esel ich sein muss, um mir diese kostbare Zeit durch die Hufe gehen zu lassen, könnte ich so vieles tun. Ich könnte fröhlich durch die Welt laufen und darauf pfeifen, auf einen Zug zu warten.
Ich könnte wenigstens die süße Eseldame, die auch jeden Tag auf den Zug wartet ansprechen. Aber Nein, ich traue mich nicht. Obwohl ich weis das sie richtig darauf wartet, von mir angesprochen zu werden. Ihre Blicke sagen das gleiche wie meine Gedanken. Ich bin so ein Esel.
Warum sitze ich eigentlich hier? Um den ganzen Tag und noch ein paar weitere dazu in die Arbeit zu fahren, nur um das Ticket für diese Warterei zu bezahlen. Ich bin wirklich ein Esel. Wieso bin ich nur so dumm? Kann mir niemand helfen?
Und doch weiß ich, das all die anderen Esel auch so denken. Sie sitzen und warten und warten. Als würde die Welt sich nicht weiter drehen. Als gäbe es nichts zu entdecken und etwas zu erleben, wenn ich einfach nur aufstehen und gehen würde. Warum warte ich noch hier? Während die Welt nicht auf mich wartet und sich weiter dreht, gehe ich wieder mal kein Risiko ein. Ich verlasse diesen Ort nur, um am Abend wieder hier her zurück zu kommen.
Ich glaube langsam, wir sind alle Esel. Der Herdentrieb verhindert das ich ausbreche und einfach tue, was ich möchte. Dabei weis ich gar nicht, was ich möchte. Ich könnte diese elendige Warterei wenigstens damit verbringen, mir Gedanken darum zu machen was ich tun würde, täte ich nicht hier warten. Aber nein. Der Zug kommt. Ich muss los.
Bis auf das nächste Mal. Vielleicht werfe ich mich eines Tages einfach davor. Das scheint ein Ausweg zu sein. Aber selbst das geht nicht. Weil all die anderen Esel denken würden, was für ein feiger Esel ich doch bin. Dabei ist es nur der Neid der spricht, das ich nicht mehr warten müsste.
Das waren meine Fotogedanken zu diesem Bild. Ich hoffe, ihr nehmt sie nicht zu ernst und erkennt was ich sagen möchte, wenn ich das Bild sehe.
Seid keine Esel und wartet auf etwas.
Liebe Grüße
Alucian
Quelle und Lizenz von hier:
https://steemit.com/deutsch/@kadna/fotogedanken-27-esel-allein-zuhaus