Ich erwache mitten in einer Stadt, welche weiträumig gebaut ist. Die Straßen breit und wenig befahren. Die Häuser nicht zu hoch und Luftig gebaut. Ein angenehmer Anblick. Als wäre ich in Amsterdam. Neben mir steht eine Frau, wie ich sie liebe. Bunt angezogen, einen Kopf kleiner als ich. Sie grinst mich in ihrem nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn an, als wäre das Leben ein einziges Spiel.
Sie zieht mich weg, von diesem Ort. Wir gehen und laufen durch die Stadt, welche sich als sehr komplex für den Verstand gibt und damit eine Augenweide darstellt, die das sie betrachtende Gehirn, mit immer neuen Eindrücken füttert. Wir gehen, in unserem Tempo und genießen einfach nur hier zu sein. Wenige Worte fallen. Die braucht es einfach nicht, so scheint es.
Wir erreichen den Kern der Stadt, die Straßen werden enger und belebter, als sich ein junger Mann zu uns gesellt. Er gehört einfach dazu, so scheint es. Als wäre er nie weg gewesen. Von nun an sind wir zu dritt auf unserer kleinen Reise. Die Menschen sind öfter zu sehen. An einem Gang, bei welchem man mir den Weg versperrt in der hektisch gewordenen Menge, sage ich laut: Ich hasse euch alle. Mein tiefster Wunsch, alt wie ich selbst, auf gegenseitige Rücksicht, findet damit seinen Ausdruck. Die Menge teilt sich, ich werde durch gelassen.
Meine beiden Begleiter scheinen ihr eigenes Tempo vorzulegen und sind mir voraus inzwischen. Sie sind weit schneller, als ich es für angenehm empfinde. Ich eile nicht mehr so viel, wie früher noch. Schon gar nicht in der Stadt. Ich treffe sie nach dem Betreten eines Unterbautunnels wieder. Sie lachen und freuen sich über etwas. Ab hier weis ich, bin ich nicht mehr lange bei meinen Begleitern. Ich werde weg wollen von ihnen, weil ich nie dazu gehörte.
Wir sind am Ende des Tunnels angelangt, es schein nur noch für jene weiterzugehen, welche sich bücken im Leben. Meine Hexe, kann fliegen, was auch sonst und nimmt den Weg durch eine schier unerreichbare Röhre um auf die nächste Gassenebene zu kommen. Mein junger Begleiter und ich sehen uns wunderlich an und machen uns daran, durch einen Spalt zu kriechen, kaum größer als mein Kopf, der gerade so hindurch passt. Auf der anderen Seite Schritte und viele Menschen. Es sieht aus wie eine Gasse die ich schon lange kenne. Nur anders.
Ein Spielplatz, ist der Ort an dem wir uns wiederfinden. Mitten in der Stadt in einer sehr belebten Seitenstraße, steht ein Rondell für Kinder. Sie tollen herum und jauchzen, fröhlich von ihren Eltern beobachtet. Meine Hexe fasst mich an, wie es einem Mann gefällt. Ich stoße sanft ihre Hand weg, und verweise auf die Kinder. Sie versucht es erneut, völlig die Regeln ignorierend. Ich gehe enttäuscht von ihr ein paar Schritte weg, zu einer Anreihung von Parkbänken, welche um Bäume herum errichtet wurden.
Kaum tue ich das Gegenteil, von dem wofür ich geschaffen bin, kommt auch schon die Polizei. Sie sind beide Schwarz und weiblich, was mich wundert und irgendwie auch nicht. Ich weiß das sie keine Gefahr darstellen. Sie sagen mir, ich solle meine Freundin filzen. Klar weiß ich, das sie ein bisschen Hasch einstecken hat und denke mir gerne, wenn schon, dann natürlich ich. Ich schmeiße ihr Geld, in den Gulli unter ihren Füßen, und habe keine Ahnung, warum ich das mache. Das scheint die Politessen zu beruhigen und sie fordern uns auf mit ihnen an den Parkbänken platz zu nehmen, für ein Gespräch.
Wir kommen dem paradoxerweise gerne nach. Doch wir sind nicht mehr alleine, ein Alkoholiker und ein Kiffer besetzten die Bank. Der eine säuft und der andere raucht. Der Säufer ist aggressiv und wird des Platzes verwiesen, der Kiffer aufgefordert, wenigstens nicht vor den Augen der Politessen zu rauchen und den Joint auszumachen. Sie hätten schon genug Ärger.
Ein Mann kommt auf mich zu, während wir uns gemütlich mit den Beamtinnen unterhalten. Ich kenne ihn nicht, er sagt, er hat eine Wohnung für mich, gleich ein paar Schritte weiter herunter die Straße entlang. Ich könne sie mir ansehen, wenn ich wollte. Eine Wohnung ist immer gut und mitten in der Stadt auch nicht auszuschlagen. Ich verabschiede mich und gehe mit ihm, als wäre es das normalste von der Welt.
Wir gehen einen Hauseingang hinauf, der mir auch schon lange bekannt vorkommt. Ich war kaum fertig, als er schon die Tür aufsperrte zu einer seltsamen Wohnung. Kaum über die Schwelle, dachte ich da wohnt doch noch jemand. Ich will keine Wohnung, die ein anderer bewohnt. Dem Vermieter scheint es egal zu sein und ich kann sein Stimme nur im Hintergrund wahr nehmen. Er brabbelt das Übliche. Bisschen Renovieren, natürlich alles auf seine Kosten, bisschen hü(p)sch machen und dann wäre das was für mich blablabla.
Als wir in das Wohnzimmer kommen, sehe ich warum er einen neuen Mieter sucht. Es ist nicht wirklich unordentlich, aber auch nicht sauber an diesem Ort, ein paar leere Flaschen stehen herum, statt gesammelt und versteckt, kahle und zweckmäßige Einrichtung, welche mir immer vertrauter wird, es müffelt, man sollte Lüften stelle ich fest. Ein Matratze am Boden, darauf eine Decke mit dem sich bewegendem Körper darunter. Irgendwoher rennt ein Kind auf den Schlafplatz zu und springt auf den zugedeckten Körper. Es verschwindet genauso schnell wieder, wie es da war.
Ich ziehe die Decke weg und erkenne einen zerzottelten Mann, der mich ungläubig ansieht. Jemand den ich kenne, schon lange. Ich frage: "Wolfgang, bist Du das?" Er blinzelt mich an und sagt Ja klar. "Erkennst Du mich" folgt von mir. Er setzt seine zur Hand gelegten Brille auf schaut mich einen Moment an und sein Gesicht erhellt sich in leichter Freude, trotz des offensichtlich unsanften Weckens.
Ich drehe mich zum Vermieter um, welcher sich irgendwie sehr zuhause scheinen fühlt, denn sein Weg führt ihn auf die Couch, auf welcher ich nicht sitzen möchte. Ich reiche ihm die verlangte Fernbedienung und der Flimmerkasten macht seinen Dienst, den Glotzer zu befilmen. Die Situation wird paradox für mich, und ich habe das Bedürfnis einfach nur zu gehen. Satt dem Vermieter zu sagen, das er meinen Freund gefälligst in Ruhe lassen soll und was er sich einbildet, Menschen ihre Privatsphäre zu klauen, verabschiede ich mich kurz und gehe meiner Wege.
Draußen auf der Straße angekommen, die lang ersehnte frische Luft. Ich atme und lasse mir die Sonne auf das Gesicht scheinen. Als mich eine alte Freundin findet. Ihre Kinder sind nicht bei ihr. Sie ist auf Aktion und hat Hummeln im Hintern. So kenne ich sie gar nicht. Sie zieht mich wieder tiefer in die Stadt hinein. Wir betreten ein Gebäude, das wie eine Schule aussieht und keine ist. In einem Raum mit vielen Tischen und Stühlen lassen wir uns nieder. Andere kommen hinzu und wir unterhalten uns, spielen Karten und lachen ein wenig herum. Jemand von diesem Ort kommt in den Raum und scheint offenbar ein Problem damit zu haben, den Mund aufzumachen.
Ich lasse ihn in Ruhe und er setzt sich zu uns, seine Karten nehmend und irgendwie fehl am Platz mitspielend. Keine drei Minuten später, geht er wieder. Ohne ein Wort gesagt zu haben. Meine alte Freundin fragt mich wer das war, ich hätte geschaut, als würde ich ihn kennen. Ich sage es ihr und sie blickt mich verwundert an, warum ich nichts gesagt hätte. Ich sagte ihr, er müsse selbst einen Weg finden, seinen Mund aufzumachen und das es nichts weiter zur Sache tut.
Sie möchte darauf hin wieder weiterziehen und fragt ob ich mitkomme. Natürlich folge ich ihr, wie ich immer folge. Nach wenigen Minuten stehen wir in einer Gasse, welche voll ist mit tanzenden jungen Menschen. Inmitten von ihr steht eine Holzbaracke, auf langen ebenso hölzernen Stelzen. Sie scheint der Mittelpunkt der Party zu sein. Menschen reihen sich auf der breiten Treppe welche zu ihr hinauf führt. Sie unterhalten sich, hören Musik und sind einfach am genießen ihrer Zeit. Als wäre ich ein Fremdkörper, schauen mich viele beim vorbeigehen an und tuscheln hinter meinem Rücken.
Es ist mir egal, wie so vieles. Mit meiner Freundin in der Baracke angekommen, sehe ich warum sie der Mittelpunkt ist. Menschen aller Altersklassen sitzen und liegen am Boden herum, hören den Klängen der Musik und unterhalten sich. Eine Bong geht herum. Ich setzte mich und sehe zu, wie immer. Gleichzeitig möchte ich weg, von all den Menschen. Das Gefühl wird immer stärker. Ich mache mir um Höflichkeit Gedanken, wie immer und bleibe noch ein Weilchen, das ich aushalten kann. Dann kurz bevor ich mich in Bewegung setzten wollte, fragt man mich ob ich ziehen möchte. Ich überlege und sage ja, war ich doch sonst immer nüchtern und ein Rausch beim nach Hause laufen, ist immer eine tolle Sache gewesen.
Ich setzte mich vor die Bong, betrachte den angenehm kleinen Topf und nehme ihn heraus. Ich zünde ihn an und ziehe den Topf direkt an seinem kurzem Ende. Als würden mir Flügel wachsen, fühle ich mich schlagartig einfach nur wohl in meiner Haut. Hinter mir die anderen, haben ihr Gespräch eingestellt und beobachten mich. Sie haben wohl selten jemanden erlebt, der sich selbst so genießen kann.
Für einen kleinen Augenblick.