Ich kam also an diesem Freitag Abend nach Hause, wo meine damalige Frau schon ungeduldig auf mich gewartet hatte. Nicht vergessen, das Ganze ist knapp 20 Jahre her und es gab noch keine Handys, geschweige den dumb Phones oder Ähnliches, zumindest hatte ich keines dieser Geräte. Sie war damals 18 und erst seit ein paar Monaten in Deutschland, sprach daher dementsprechend wenig deutsch. Zudem war ihr Besuchervisum abgelaufen und sie war, wie ich, illegal in Deutschland.
Wir lebten damals in einem sehr kleinen Dorf; eigentlich war es eher ein Aussiedlerhof mit mehreren Höfen. Ca. 8 km zur nächsten Einkaufgelegenheit und 20 km weg zur nächsten Stadt. Da ich keinen Führerschein hatte, wurde das Einkaufen mit dem Bus erledigt oder wurde aus dem Einkaufen wurden Wandertage.
Ich erklärte ihr, dass ich am Montag ins Krankenhaus gehen musste und nicht weiss, wie lange ich dort bleiben werde. Für sie war die Diagnose ein Schock, denn in der Türkei war Krebs gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, versuchten wir eine Lösung für sie zu finden, denn es war klar, dass sie nicht alleine in diesem Dörfchen bleiben konnte. Letztendlich entschied sie sich bei einer Freundin zu bleiben so lange ich im Krankenhaus war.
Dann kam der Montag, es war der 2.2.1998. Ich war irgendwann gegen 10 Uhr im Krankenhaus. Ausser wegen Polypen in meiner Kindheit, woran ich mich allerdings nicht mehr erinnerte, war ich noch nie im Krankenhaus. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich jemanden im Krankenhaus besucht habe. Somit war Krankenhaus für mich absolutes Neuland.
Ich musste zur stationären Urologie um mich anzumelden und verschiedene Untersuchungen und Test mit mir machen zu lassen. Unter diesen Tests und Untersuchungen waren u.a. Ultraschall, Blutabnahme, Wiegen, usw. Mir wurde dann der Vorgang der bevorstehenden Operation erklärt. Man würde eine Probe aus meinem Hoden nehmen, diese sofort untersuchen und wenn sich der Verdacht bestätigen sollte, wird man diesen dann sofort entfernen. Zudem wird man eine Schiene in die Niere legen, welche die Stauung verhindern und somit den Schmerzen ein Ende bereiten sollte. Das Ganze sollte mit einem einzigen Schnitt im Leistenbereich durchgeführt werden.
Da ich angegeben hatte, dass ich lange Zeit Schmerzmittel genommen habe, wurde zudem ein Test gemacht, um zu sehen wie lange es dauert, bis eine Wunde verheilt. Dazu wurde mir mit einem Skalpell ein kleiner Ritz in den Unterarm gemacht und der Arzt sass mit der Stoppuhr neben mir.
Danach musste ich zum Narkoseärztin gehen, die mit mir die Narkose und die Operation durchsprach. Sie meinte, dass die Operation ein Routineeingriff sei und nicht länger als 20 Minuten dauern würde. Danach musste ich wieder zurück zur stationären Urologie, wo mir dann ein Aktenordner, Röntgenbilder und andere Akten übergeben wurden, mit welchen ich mich auf der Station bei der Oberschwester Hildegard (komisch, ich wollte gerade Oberschwester schreiben, aber beim Schreiben viel mir nach all den Jahren sofort der Name ein) melden sollte.
Als ich dort ankam und die ganzen Sache abgab wurde mir ein Zimmer zugewiesen. Mittlerweile war es auch schon früher Nachmittag.
Mir wurde gesagt, dass das Mittagessen zwar schon vorbei war, aber da ich am Abend nichts zu Essen bekommen werde, da ich nüchtern sein muss, würde man mir aus der Küche etwas zu Essen kommen lassen, was dann auch geschah.
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob und wie stark meine Schmerzen waren, doch ich kann mich erinnern, dass ich mich ziemlich gut aufgehoben fühlte, denn alle Ärzte, Schwestern und Pfleger waren sehr freundlich und zuvorkommend und ich hatte das Gefühl, dass ich in guten Händen war.
Am Abend kam dann ein Arzt und besprach nochmals mit mir die Operation am nächsten Tag, Dienstag den 3. Februar. Als er so auf meinem Bett sass und während dem Gespräch Notizen auf dem Block machte, blickte er auf und fragte: "Sie haben ja morgen Geburtstag! Sind sie sicher, dass sie sich morgen operieren lassen möchten?"
Daran hatte ich gar nicht gedacht! Der 3. Februar war der Geburtstag meines Cousins! Und dessen Versicherungskarte verwendete ich nun einmal! Aber da ich mir sowieso nie etwas aus Geburtstagen gemacht habe und es ja auch nicht mein eigener war, sondern eben der meines Cousins und ich dies alles so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte, sagte ich, dass ich die Operation morgen will.
Was dann an diesem Tag geschah und wie die Operation ausgeht, erfahrt ihr im nächsten Artikel, so Gott will.
Ich wünsche euch ein gesundes und friedliches Wochenende!