Können Worte strafbare Handlungen sein?
In unserer heutigen Zeit selbstverständlich ja. Beleidigungen, Volksverhetzung etc. sind verboten. Viele Leute kritisieren diese Gesetze als illegitim, da jemand bzw. eine Gruppe (Vertreter des Staates) über andere entscheiden dürfen, was diese zu denken oder sagen zu haben. Eine solche Regel ist natürlich unfair, da die Staatsvertreter mehr Rechte haben als der Rest. In diesem Beitrag soll es aber gar nicht um die Frage der Redefreiheit gehen, sondern darum, ob eine rein verbale Äußerung eine Mittäterschaft bei einem Verbrechen verursachen kann.
Als Beispiel hierfür soll die Frage gelten, ob Hitler für Verbrechen der SS schuldig gesprochen werden kann oder nicht. Einige Leute sagen nein, denn die SS-Leute hätten den Befehl verweigern können. Hitler hingegen habe nur von seinem Recht auf Redefreiheit Gebrauch gemacht [siehe hierzu im PS-Teil am Ende des Beitrags]. In den nächsten Zeilen möchte ich aufzeigen, warum diese Argumentation falsch ist.
Zuerst einmal ist zu bedenken, dass wenn ein Oberbefehlshaber "Feuer" ruft, während seine Leute mit gezückten Waffen anderen Menschen gegenüberstehen, er mit dieser Handlung erst den tatsächlichen Mord verursacht. Seine Stellung sorgt dafür, dass geschossen wird. Er selbst wiederum handelt, denn er gibt den Schießbefehl mit dem Ziel, dass seine Untertanen andere Menschen erschießen.
Warum ist das mehr, als "nur" eine verbale Äußerung? Ganz einfach, denn er ist Bestandteil der Mordaktion. Seine Stellung in der Organisation gibt ihm Macht über das Geschehen und er nutzt diese um sein Ziel zu erreichen.
Nun gibt es noch immer das Problem, dass andere Menschen schießen. Aber hierfür ist es nur wichtig zu verstehen, dass auch Menschen, ebenso wie Waffen, ein Mittel zur Erreichung des Ziels sein können. Sehr anschaulich lässt sich das nachvollziehen, wenn man sich vorstellt, dass jemand eine Briefbombe baut, diese per Post verschickt und der Adressat dann den Brief öffnet. Daraufhin detoniert die Bombe und der Adressat stirbt. Hier bestreitet vermutlich niemand, dass der Bombenbauer der Mörder ist, während der Postbote, vorausgesetzt er weiß nicht was in dem Umschlag ist, nur das Mittel ist um die Bombe zum Adressaten zu bringen und somit unschuldig ist.
Ein allerletzter Punkt noch, die Ausrede der SS-Männer "Wir haben nur Befehle ausgeführt" zählt natürlich nicht, da immer die Möglichkeit bestand nicht zu schießen. Wer unschuldige Menschen angreift ist kriminell, egal unter welchen Umständen.
Fazit: Die SS-Leute aus obigem Beispiel sind kriminell, deren Befehlsgeber, in einigen Fällen wohl Hitler selbst, aber auch.
PS: Angeregt zu dem Thema wurde ich durch diese Diskussion, in der Charles und Miró sagten, Worte wären nie strafbar. Auszüge aus diesem Post habe ich auch dort schon kommentiert, wollte das Thema aber noch einmal genauer analysieren.