Gestern war der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Unter anderem hat sich auch in unserem Ort eine Bäckerei beteiligt und für diesen Tag Bäckertüten mit der Aufschrift "Gewalt kommt nicht in die Tüte" verteilt.
Als eine Nutzerin der Facebookgruppe unseres Ortes freudig auf die Aktion aufmerksam machte, kommentierte ein Nutzer (männl. Profilbild) "Nein zu Gewalt gegen egal wen auch immer?"
Ich war drauf und dran ebenfalls zu kommentieren, möchte aber keine hitzige Facebook-Diskussion anstrengen... Ich versuche stattdessen hier mal etwas Grundsätzliches klarzustellen.
Es ärgert mich nämlich sehr bzw. macht mich sehr traurig, dass Feminismus und Patriarchatskritik so oft falsch verstanden werden. So als würde uns nur das Wohl der Frauen interessieren und als würden wir immer "Frauen sind Opfer der Männer" denken.
Ich beschäftige mich seit Jahren mit Patriarchatskritik und habe auch schon etwas dazu veröffentlicht und mich immer wieder für ein nondualistisches Denken à la Arno Gruen ausgesprochen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es, wenn es schon so schwierig ist, eine objektive Moral einzuführen, der beste Weg ist, einander als Menschen zu begegnen.
Im Dualismus Mann vs. Frau sehe ich ein großes Problem. Er verschleiert das eigentliche Problem, nämlich z. B. strukturelle Gewalt, die sowohl Männer als auch Frauen betrifft.
Mir fällt immer wieder auf, dass viele Menschen, die sich für Politik interessieren oder sich politisch engagieren, zwar unterschiedliche Positionen einnehmen (das reicht von libertär bis links), aber im Grunde sehr Ähnliches möchten. Manchmal denke ich, sie wissen nur noch nicht, dass sie sich im Grunde alle dasselbe wünschen: Freiheit, Respekt, oder eben grundsätzlich die Einhaltung der Menschenrechte. Mir scheint es manchmal, dass sie sich nur in den Strategien, mit denen sie diese Ziele erreichen möchten, unterscheiden.
Deswegen plädiere ich für ein nondualistisches Denken. Das impliziert die normative Gleichwertigkeit aller Menschen. Es impliziert vor allem, dass wir uns, wenn wir konstruktiv zusammenleben und -arbeiten möchten, nur selbst schaden, wenn wir Menschen wegen was auch immer grundsätzlich, von Vorneherein, ausschließen. Ich glaube, wenn wir in die Geschichte zurückblicken, weltweit, zeigt sich, dass das immer zum Nachteil für die Nationen war. Spanien war zum Beispiel mal eine kulturell und wirtschaftlich blühende Nation, der Vorreiter in Europa. Bis es angefangen hat, sich abzuspalten. Mit den USA ist es nicht anders. Carola Meier-Seethaler hat in ihrem Buch "Ursprünge und Befreiungen" sehr schön gezeigt, was es bedeutete, in die USA zu siedeln. Dort wurde prinzipiell jeder akzeptiert, ja, aber eben nur, wenn er sich sozusagen "unterwarf", was vor allem die örtliche Religion betraf.
Es ist so wichtig, das eigene Menschenbild hin und wieder zu hinterfragen. Ich nehme mich da auch selbst nicht aus. Bevor wir einen Menschen beurteilen, sollten wir versuchen, ihn genauer kennenzulernen und zu verstehen. Das ist nicht immer leicht, aber wichtig.