Einen Sternenhimmel ohne Luft- und Lichtverschmutzung habe ich euch im ersten Artikel my cottage is my castle über mein kanadisches Refugium versprochen. Here we go!
Im Artikel sind viele Infos für Fotografen enthalten. Wer damit nichts anfangen kann, möge einfach die Show genießen! :)
Alle Fotos sind mit meiner Canon EOS M50 vom Stativ aufgenommen. Als Fernauslöser nutze ich die Canon Camera Connect App vom Smartphone via Bluetooth.
Es sind 4 verschiedene Objektive mit unterschiedlichen Charakteristika zum Einsatz gekommen, um ein Gespür dafür zu kriegen, was mit welchem Objektiv geht. Zusätzlich zu den üblichen Angaben habe ich noch den horizontalen Blickwinkel des jeweiligen Objektivs in Grad in die Bildbeschreibung gepackt, damit ihr eine Ahnung habt, "wieviel" vom Horizon man da eigentlich sieht. Für knapp 180° muss man sonst schon den Kopf drehen. :)
Reminder: die M50 hat einen APS-C Sensor mit dem Cropfaktor 1,6 (zur Berechnung der Kleinbild-Brennweite).
Die Bilder sind an vier unterschiedlichen Tagen innerhalb von 2 Wochen entstanden; das gibt einen kleinen Hinweis darauf, dass ich recht oft diese "Aussicht" genießen darf. Lucky me! :)
Einen Bildstabilisator im Body hat die Kamera nicht und alle 4 Objektive sind fully manual, somit war hier nichts zu beachten. Ein Automatik-Modus ist hier eh nicht die richtige Wahl. Ansonsten gilt bei solchen Aufnahmen immer
Bildstabilisator ausschalten!
Alle Fotos kannst du durch einen Klick ins Bild in einem eigenen Fenster vergrößern!
Samyang 12mm f/2.0 NCS CS | 98,9° | 25s | f2.0 | ISO3200
Mit 12mm ist hier ein lichtstarkes Standard-Weitwinkel zum Einsatz gekommen.
Bei der Komposition habe ich das beleuchtete Verandadach bewusst als Kontrast mit ins Bild genommen. Man beachte den Lichtpfad des Fliegers (=25s Flugzeit) links unten und die gut erkennbare Galaxie Mitte rechts neben der Milchstraße.
Reinzoomen und dann könnt ihr sie mit diesem Hilfsbildchen finden!
Samyang 8mm/f2.8 Fisheye II | 167° | 30s | f2.8 | ISO1250
Das 8mm Fisheye ist immer noch recht lichtstark und zeigt die fast identische Szene ein paar Tage später. Der erfasste Himmelsausschnitt von 167° ist mit 8mm Brennweite das Maximum, was ich mit meiner Kamera erreichen kann. Mit 3 oder 4 solcher Aufnahmen könnte man den gesamten sichtbaren Himmel erfassen.
LAOWA 9mm/2.8 ZERO-D | 113° | 20s | f2.8 | ISO3200
Mit dem 9mm Ultra-Weitwinkel kommt ein ebenfalls sehr weiter Ausschnitt von 113° auf den Sensor, aber ohne die Fisheye-typische Verzerrung. Die Ausrichtung ist anders gewählt, um den Lichtkegel von 2 kleinen Orten am Horizont mit einzufangen; zur Geltung kommen die erst bei einer so langen Belichtungszeit.
Samyang 300mm f/6.3 ED UMC CS | 5,1° | 1/500s | f6.3 | ISO400
Nun gibt es als Kontrastprogramm eine extreme Teleaufnahme tagsüber gemacht.
Mir gefallen die Äste im Vordergrund, und das für ein Spiegelobjektiv typische Donut-Bokeh fällt bei dem Objektabstand nicht auf.
Als Bonustrack bekommt ihr aus Sicht der Wildkamera einen Eindruck, wie die Sterne mich im Cottage sehen. :)
Die Aufnahmen sind als RAW Dateien nachbearbeitet, aber nur geringfügig bei Belichtung, Vignettierung und der Farbe korrigiert. Stacking-Techniken zur Überlagerung mehrerer Reihenbilder ist nicht zur Anwendung gekommen; also sind die Fotos im Wesentlichen "wie aus der Kamera".
Mit dem Effekt, den Vordergrund unterhalb des Horizonts stärker nachzubelichten, bin ich mittlerweile gar nicht mehr so glücklich. Das sieht ein wenig "künstlich" aus, finde ich.
Im Nachhinein ist mir eingefallen, dass der Aufbau des Stativs auf einer Holzveranda keine besonders gute Idee war. Ich bin während der langen Belichtungszeiten natürlich nicht herumgelaufen, aber schon kleinste Vibrationen führen bei solch langen Belichtungszeiten zu Verwackelungsunschärfen.
Da besteht also Verbesserungspotenzial!