Bhuuu, wo fang ich heute an?
Im Moment bin ich ziemlich unsicher, innerlich. Gut, äußerlich bin ich sicher, wo es hingehen soll, aber ich fühle mich gerade maximal unwohl in meinem Körper und das bringt viel Verunsicherung mit sich. Ich fühle mich so falsch in meinem Äußeren und dieses Gefühl, nicht richtig zu sein, überträgt sich auf mein Inneres. Dadurch stelle ich automatisch meinen seelischen Wert in Frage und fühle mich irgendwie wertlos und als Belastung für die Menschen, die mir zur Seite stehen. Dabei weiß ich verstandesmäßig natürlich, das ist Bullshit, oder doch nicht? Bin ich nicht doch eine Zumutung mit all meinen Problemen, darf ich das Anderen überhaupt anhängen oder sollte ich es doch nicht besser wie früher, nur mit mir alleine klären und niemandem damit auf die Nerven gehen?
Ich kenne diese Ängste, Gedanken und Gefühle seit ich klein bin und versuche, dieses mal bewusster damit umzugehen und meine alten Verhaltensmuster zu durchbrechen. Wie es mir gelingt, kann ich euch erst hinterher sagen, so etwas erkennt man je meist erst im Rückspiegel des Lebens.
Am 05. März habe ich in Basel meinen ersten Termin bei einem Psychiater, der auf Transsexualität spezialisiert ist.
Mit der Krankenkasse ist soweit alles geklärt, sprich, es kann dann relativ schnell losgehen mit der praktischen Angleichung. Zumindest hypothetisch.
Ich freue mich unglaublich drauf und zeitgleich verunsichert mich das Ganze.
Wenn ich mir vorstelle, dass ich das wirklich tun darf und kann, dann ... dann fängt mein Herz an zu rasen und ich kriege das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
Eine unglaubliche Freude erfüllt mich und ich spüre mein 12 jähriges Ich in mir Luftsprünge machen vor Begeisterung. Ich darf wachsen ... mein Leben wirklich ausfüllen, ich darf endlich richtig Leben .... Wenn ich meine Augen schließe, dann sehe ich diesen Traum den ich mein ganzes Leben lang in mir trage, endlich Realität werden.
Und doch spüre ich auch einen gewissen Schmerz in mir. Denn das Neue, was auch immer ich da gewinnen werde, ist ungewiss. Mit dem Prozess werde ich mich verändern und verliere zeitgleich meine Identität der letzten 20 Jahre.
Jemand macht mich immer wieder darauf aufmerksam, dass ich erst mal Boden unter die Füße bekommen und meine Mitte finden muss.
Aber ehrlich, wo ist meine Mitte, wer bin ich überhaupt?
Gewisse Eckdaten von mir weiß ich natürlich, keine Frage. Manche Eigenschaften, Charakterzüge und Fähigkeiten gehören zu meinem Kern, dem Teil in mir der gar kein Geschlecht braucht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wer ich bin, wenn ich endlich diese äußere Hülle ablegen darf. Wie wird es sich anfühlen, wie werde ich sein. Wie wird es meine Wirkung nach Außen verändern und mein Gefühl für mich selber?
Wer bin ich, wenn ich mich selber im Spiegel erkennen kann, wer bin ich wenn ich meinen Körper liebe und nicht diese tiefe Ablehnung meinem Äußeren gegenüber empfinde? Woher sollte ich das jetzt wisse, diese Antworten kann ich erst dann finden, wen ich den Weg Schritt für Schritt gegangen bin.
Ich kann noch gar nicht wissen, wer ich bin, weil ich noch gar nicht richtig existiere ... es existiert nur eine Art Raupe von mir, der Schmetterling der steckt gerade noch im Kokon fest. Ich sehe eine Zukunft vor mir, aber sie besitzt noch alle möglichen Optionen und Farben, sie ist nicht festgelegt sondern frei. Und ich freue mich unglaublich darauf, dass ich mich endlich wirklich kennen lernen darf und so langsam merk ich, dass ich mein Leben als Rachel loslassen muss, um den neuen Weg wirklich gehen zu können.
Dieser Termin beim Psychiater ist ein großer Schritt für mich.
Natürlich zwingt er mich zu nichts aber er eröffnet das Spiel.
Klingt blöd, aber dann ist es irgendwie ... Realität. Wie wird es sich anfühlen, mit dem Onkel Doktor über meine Gefühle zu sprechen, so viel offenlegen zu müssen und das immer wieder. Ich werde für den Prozess ja nicht nur ein Gutachten brauchen, sondern mehrere und ich muss mir eine Krankheit Diagnostizieren lassen, obwohl ich mich gar nicht als krank empfinde. Ich komme mir eher vor wie ein Fehler in der Matrix, ein kleines Codschnippselchen, das aus Versehen falsch zusammengeknüpft wurde, mehr nicht.
Wie es mir gerade damit geht?
Keine Ahnung, ehrlich nicht. Ich freue mich, bin verwirrt, fühle mich aufgelöst. Eben weil sich meine Identität ja de facto eben wirklich gerade auflöst. Da kommt mir das Lied in den Sinn, welches mal für den #openmic gespielt hat.
Avicii - Wake Me Up. Irgendwie trifft das meinen Zustand ziemlich gut und ja... .ich warte darauf, dass ich irgendwann aufwache und mich selbst gefunden habe.