Nun ist die Deutschlandtour vorbei und was kommt jetzt?
Ich habe euch ja immer wieder unter die Nase gerieben, dass sich bei mir viel verändert.
Bereits vor vielen Monaten habe ich einen Post darüber geschrieben, welche schwierige Beziehung ich zu meinem Körper habe. Doch es sind so viele neu dazu gekommen, dass die meisten es vermutlich nicht wissen.
Seit meiner frühen Kindheit lebe ich mit dem Gefühl, im falschen Geschlecht geboren worden zu sein. Als Kind konnte ich mich selber frei ausleben und sein, wer immer ich sein wollte.
Der herbe Schlag in die Fresse kam mit der Pubertät als mein Körper sich veränderte und eindeutig weiblich wurde. Ich fing an meinen Körper dafür zu hassen und tat alles, um mich selber nicht mehr fühlen zu müssen. Ich wollte diese Rundungen nicht, die Brüste, gar nichts von meiner Weiblichkeit. Für mich war das alles falsch und widerte mich an. Manchmal war der Schmerz so groß, dass ich mich selber verletzen wollte, und einige male dachte ich sogar darüber nach, mir das Leben zu nehmen. Der Schmerz darüber, den Rest meines Lebens in diesem Körper gefangen zu sein, was so stark das ich so nicht leben wollte. Aber ich konnte nicht, ich war zu feige um mich umzubringen und ein Funke in mir hoffte, dass irgendwann alles gut wird.
Damals sah ich keine Lösung, keinen Funken, kein Licht am Horizont und glaubte, damit den Rest meines Lebens gestraft zu sein.
Ich bemühte mich, die weibliche Rolle auszufüllen. Verstärkte mein Leben in der Mutterrolle, die mir recht leicht viel da ich gut mit Kids auskomme und die Kleinen lieben mich, wie ich bin. Ich arrangierte mich und verlegte mein männliches Leben auf die Onlinewelt.
Mehr als nur ein mal sah ich mich genötigt, Menschen die ich real treffen wollte darüber aufzuklären, dass ich gar kein Junge bin, sondern ein Mädchen.
Anfang 20. lernte ich meinen Mann kennen und mir war klar, solang dieser Mensch mein Partner ist, will ich nichts an meinem Geschlecht verändern. Diese Beziehung war mir wichtiger, als mein emotionaler Schmerz groß war. So fraß ich mein Leid Jahr für Jahr in mich hinein und unterdrückte meine Gefühle für mich selber. So war ich insgesamt zufrieden mit meinem Leben.
Doch irgendwann erwachte ich und wollte mehr. Zufrieden reichte mir nicht mehr und wir veränderten alles. Ich fing an, mich damit auseinanderzusetzen, warum ich so viel wiege. Wieso ich meinen Körper so ablehne und wie ich das verändern kann. Ich schaute nicht mehr weg, sondern hin und beschloss, zu mir zu stehen, 100%.
Dadurch wurde ich immer offener, fühlte mich sicherer in der Welt und legte mehr und mehr die Maske ab die ich seit dem Beginn der Pubertät aufgesetzt hatte.
Ich wollte keine Rolle mehr spielen, ich wollte leben. Leider veränderte das auch die Situation in meiner Partnerschaft. Weniger die Thematik der Transidentität, sondern meine charakterlichen Veränderungen. So gehe ich meinen Weg jetzt ohne meinen Lebenspartner weiter. Und das ändert für mich einfach alles.
Die Frage, wer bin ich und wer will ich sein, ist eine Andere geworden und ich kann die Prioritäten in meinem Leben neu setzen.
Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich euch das erzähle? Weil es indirekt auch euch betrifft.
Ich war auf diversen Meetups, kenne viele deutsche Steemians persönlich und habe nicht vor, mich wieder zurückzuziehen. Ich werde mich nie wieder verstecken!
Im Gegenteil. Ich will noch mehr von euch treffen und viele von euch wieder sehen. In Zukunft werde ich weiterhin viele Meetups besuchen.
Ich werde nicht mehr vor meinem Gefühl davon laufen, sondern mich ihnen stellen. Ich bin ein Mensch, der unter einer transsexuellen Identitätsstörung leidet. Ich fühle mich innerlich nicht als Frau und es fällt mir schwer, damit zu leben. Ich kann mich so nicht richtig ausdrücken, fühle mich falsch wahrgenommen und das will ich nicht mehr. Ich möchte endlich, nach nun 20 Jahren wieder in den Spiegel schauen und mich selber erkennen, mich wie ich mich in meinem Innersten fühle und nicht diese weibliche süße Maske, die ich tragen muss.
Ich werde mich 2018 damit auseinandersetzen. Dazu melde ich mich gerade in der Schweiz an, um hier den ganzen Therapieprozess anzuschieben.
Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass die meisten von euch keine Ahnung haben, wie man da vor geht und was man tun kann.
Der erste Schritt ist es, eine Psychotherapie zu machen in der festgestellt werden muss, ob man transsexuell ist oder nicht. Der Therapeut wird versuchen, andere Ursachen herauszufiltern und wenn möglich helfen, sie zu bewältigen so das keine Angleichung an das andere Geschlecht mehr nötig ist. Stellt sich heraus das die einzige Möglichkeit, dem Leiden des Betroffenen ein Ende zu setzen eine Veränderung des Geschlechtes ist, stellt der Therapeut die entsprechende Diagnose.
Nun muss überlegt werden, was man tun möchte.
Für mich als geboren Frau würde das bedeuten, Testosteron zu bekommen und meine Brüste zu entfernen. Man könnte auch über einen sogenannten Penoidaufbau nachdenken, was quasi eine Art zusammengebastelter Penis ergibt. Ich sage hier bewusst, man könnte, da ich diesen Weg für mich selber nicht in Betracht ziehe.Wenn der Betroffene weiß, welche Veränderung er will, werden 2 weitere Gutachter hinzugezogen. Einmal ein Psychiater der die Diagnose und die damit indizierte OP bestätigt und ein Endokrinologe. Diese Typen befassen sich mit Hormonen und müssen feststellen, ob du überhaupt für die Eingriffe und das benötigte Hormon in Frage kommst und gesund genug bist, dass zu nehmen. Wenn nun alle drei Fachpersonen ihr Ok geben, reicht man das Anliegen bei der Krankenkasse ein. Diese genehmigt dann die Hormontherapie und die Operation. Damit steht der geschlechtlichen Angleichung nun nichts mehr im Wege.
Für mich ist klar, ich möchte so schnell wie möglich mit der Therapie anfangen und Stand heute, möchte ich auch eine äußere Angleichung machen. Natürlich könnte sich diese Meinung während der Therapie verändern, aber auf jeden Fall ist diese der 1. Schritt.
Wenn ich also den Weg gehe und später im Jahr meinen Körper verändere, werdet ihr das mitbekommen. Ich müsste mich isolieren, um das zu verhindern, und das will ich nicht. Also stehe ich zu mir und dem Weg, den ich gehen will.
Natürlich weiß ich nicht, wie ihr darüber denkt und habe darauf auch keinen Einfluss. Ich kann nur hoffen, dass ihr damit umgehen könnt und das ich ggf. mit der dadurch entstehenden Ablehnung umgehen können werde.
Übrigens bedeutet die Anmeldung in der Schweiz nicht, dass ich mit dem Reisen aufhöre. Ich werde weiterhin unterwegs sein, sofern ich einen Therapeuten finde, der das mitmacht und auch online Sitzungen zulässt. Die werden heute nämlich ebenfalls von der Kasse bezahlt.
Ich habe mich 20 Jahre lang versteckt, weil ich mich so unwohl fühlte in meinem Körper und meinem erzwungenen Frau-Sein, doch damit ist es jetzt vorbei. Das werde ich nie wieder tun!
Was mich jetzt interessieren würde, wollt ihr, dass ich diesen Prozess hier dokumentiere?
Interessiert euch wie die Termine ablaufen, welche Gedanken und Gefühle ich dazu habe, was ggf. während der Veränderung mit mir passiert oder ob und warum ich mich am Ende dagegen entscheide?
Ihr müsst mir nicht schreiben, wie ihr darüber denkt, dürft ihr natürlich gerne, wenn ihr wollt, aber die meisten fühlen sich damit doch eher überfordert. Zumindest ist das bisher mein Eindruck. Aber ob ihr eine Dokumentation dieser speziellen Reise wollt oder nicht, interessiert mich sehr wohl. Ich werde für mich selber alles festhalten, sowohl schriftlich als auch mit Videos, wenns dann so weit ist das mein Äußeres sich verändert. Aber ob ich das mit euch teile oder nicht, liegt bei euch.
Ich freu mich auf euer Feedback und bin gespannt, was ihr dazu so zu sagen habt.