Heute teile ich mit euch etwas, was mir gestern über den Weg gelaufen ist und direkt meine halbe Nacht verschlang.
Wie ihr vermutlich wisst, befasse ich mich viel damit, wer ich bin und wie ich sein will.
In diesem Zusammenhang, prüfe ich genau, was ich für meine Realität halte, welche Werte ich lebe und welche Vorstellungen mein unbewusstes Verhalten formen.
Bei dieser Übung heute, ging es mir darum, die Werte und Überzeugungen meiner Eltern in ein Verhältnis zu meinem Leben zu setzen. Ich wollte herausfinden, wie weit ich das Leben meiner Eltern wiederhole.
Natürlich tue ich das nicht, oder etwa doch?
Ich weiß aus Erfahrung, das die ersten 3-5 Jahre unser Unterbewusstsein am meisten prägen und so erstellte ich eine Liste mit den Menschen, die mir in der Lebensphase am nächsten waren.
Jetzt habe ich zu jeder Person auf meiner Liste geschrieben, was ich denke, wie sie ist und was sie glaubt. Teilweise ergab das eine ziemlich lange Liste und es tauchten immer wieder neue Fragmente auf, die mir zuvor so gar nicht bewusst waren. Ich schrieb und schrieb und schrieb, bis ich das Gefühl hatte, zu jedem meiner Bezugspersonen alles notiert zu haben was relevant ist.
Dann prüfte ich, welche der Glaubenssätze auf mich zutreffen und stellte mit Erschrecken fest, dass sich die Liste zu relativ großen Teilen deckt. Auch wenn ich manche Aspekte für mein Leben mit etwas anderen Worten ausschmücke, so ist der Grundwert dahinter, doch derselbe. Mein Bild darüber, wer ich bin und wie meine Welt funktioniert, besteht tatsächlich zu ⅔ aus dem, was ich in meinen Eltern sehe.
Ich war echt baff und zugegebenermaßen, erschüttert. Hab ich mich doch für ach so reflektiert und abgeklärt gehalten, jaja mein lieber Herr, Hochmut kommt eben doch immer vor dem Fall!
Also saß ich da und betrachtete meine Zettel, mit den Glaubenssätzen, die ich als Kind von meiner Familie übernommen habe. Ich sah sie, fühlte in sie hinein, versuchte zu sehen, wann ich sie angenommen habe. Langsam kamen die Erinnerungen und Momente die diese Bilder prägten in mein Bewusstsein und ich beschloss, die Werte, zurückzugeben.
Jetzt wirds etwas spooky ich weiß.
Ich habe mir vorgestellt, die Person säße direkt neben mir und visualisierte Mini-Ich in dem Moment, als es den Glauben annahm. In meiner Vorstellung griff ich genau da ein und gab den Glaubenssatz wieder zurück.
Schützend kniete ich mich neben mich und sagte zu mir selber in etwa:
»Das gehört nicht zu dir, du musst das nicht annehmen, um geliebt zu werden, du bist liebenswert auf deine eigene Art und Weise. Gib diese Werte zurück, sie gehören nicht zu dir.« Dann stand ich auf und schaute meinem Elternteil direkt in die Augen und sagte ungefähr folgendes:
»Danke das du mich gezeugt hast und für mich da warst. Ich habe Orientierung gesucht und du hast sie mir deine eigene gegeben. Ohne Orientierung kann man sich selber nicht definieren und für diese Erfahrung bin ich dir dankbar. Aber das sind deine Werte, deine Grenzen und nicht die Meinen. Hiermit gebe ich sie an dich zurück.«
Mir erstaunen beobachtete ich, wie mein inneres Gefühl für meine Eltern, sich etwas neutralisierte. Ich fühlte, dieser Weg ist gut, den beschreite ich weiter.
Als ich fertig war mit dem Prozess, fühlte ich mich wie ein leeres Blatt, das bereit ist, die Tinte des Autors in sich aufzusaugen.
Ich erstellte eine neue Liste und schrieb nieder, wie ich die Welt erlebe. Was meine persönlichen Werte und Gedanken sind und was meine Realität formt.
Natürlich sind das nur Bruchstücke, die ich euch hier zeige, aber so sieht ein Teil meiner Liste aus.
Mir ist klar, das ist erst der Anfang und ich werde weiter arbeiten, denn ich spüre, dieser Weg löst meine innere Anspannung im Bezug zu meinen Eltern und zu mir. Es nimmt den Druck raus, dass sie sind wie sie sind, ohne mich damit zu belasten. Denn ich empfinde keinen direkten Zusammenhang mehr. Dadurch das ich mich ihrer bewusst werde, werde ich mir meiner selbst bewusst.
Wenn wir als Säugling auf die Welt kommen, sind wir leer, wir haben keine Vorstellungen von der Welt, als wären wir in einem Vakuum. Unsere Eltern füllen dieses Gefäß mit ihrer Welt und das ist gut so. Denn nur dadurch bekommen wir die Fixsterne in unserem Leben, die uns Orientierung geben. In einem schwarzen Raum, könnten wir uns selber nicht erkennen, erst durch die bunten Farben unserer Umgebung, wird die Welt greifbar und nur damit können wir uns von Anderen unterscheiden.
Ich weiß nicht ob das etwas für dich sein kann oder nicht. Falls ja, nimm dir einfach raus, was du brauchst, falls nein, auch gut :)
Mir hat diese Arbeit wirklich gutgetan und ich werde sie definitiv wiederholen.