Hey ihr Lieben :)
Es ist unglaublich, wie die Zeit dahin rast, ich komme manchmal gar nicht hinterher.
Mir geht es ziemlich gut. Klar, bin noch voll im Genesungsprozess. Schlafen ist eine komplizierte Sache geworden. Da ich immer noch 100% Krank geschrieben bin, muss ich ja nicht aus dem Haus und kann 2-3 Mal in kurzen Etappen Schlafen anstatt ein Mal lange, dass geht nämlich einfach nicht mehr, da mein Körper streikt.
Es ist nach wie vor faszinierend, dass den Menschen meine fehlende weibliche Brust einfach nicht auffällt. Find ich richtig richtig gut und witzig.
Im Moment, treibt mich vor allem das Thema Bildung rum. Es ist extrem spannend, wie sich meine Ansicht darüber mit diesem Prozess verändert. Wenn ich erwähne, dass ich eine grössere Op hatte, sind alle ganz verblüfft und wollen wissen, um was für eine Op es sich handelt.
Berufliche Entwicklung
Vor nicht allzu langer Zeit, legte ich keinen Wert auf eine gesellschaftskonforme Bildung, die ging mir echt am Arsch vorbei. Ich passte sowieso nicht in irgend etwas hinein, gehörte eh nie zur Gesellschaft (was immer das genau sein soll) dazu und wollte es auch nicht. Es war mir auch echt wurscht, was andere Menschen über meinen Kleidungsstil denken und überhaupt. Ich war eben ein Aussenseiter und sehr stolz drauf!
Bereits vor einigen Monaten, fing dieser Aspekte meines Lebens an, den ersten Wandel zu vollziehen. Ich spürte, da bricht sich eine Entwicklung Bahn. Heute ist völlig klar, ich möchte mich definitiv beruflich weiter entwickeln, und zwar so, dass es auch gesellschaftlichen Wert hat. Zwar finde ich einige Aspekte davon immer noch genauso bescheuert wie früher, z.B die Wichtigkeit, dass irgend ein Typ auf ein Papier schreibt, was ich kann. Das nennen wir dann zertifiziertes Wissen/Können, wobei Wissen und Können tatsächlich zwei komplett unterschiedliche Dinge sind. Nur weil auf einem Zertifikat steht, dass ich in einer Prüfung etwas abrufen konnte, heisst es noch lange nicht, dass ich es in der Praxis erfolgsbringend anwenden kann. Und nur, weil ein Zertifikat fehlt, bedeutet das ja nicht, dass ich etwas nicht kann.
Seit mehreren Wochen lerne ich täglich HTML und CSS und zu meinem Erstaunen, bereitet mir das extrem viel Freude. Ich muss mich nie motivieren, anzufangen, sondern eher zwingen, wieder aufzuhören und Geld zu verdienen. Eine ganz neue Erfahrung für mich, da lernen in dieser Form bisher immer eher schwierig und mühselig für mich war.
Ich habe mir lange überlegt, beruflich etwas in Richtung Psychologie zu machen. Mich fasziniert die menschliche Seele, und das Verhalten im Zusammenhang mit dem Leben.
Um mich zu finanzieren, bis ich weiss, was ich machen will, machte ich Webseiten, Logos, Visitenkarten, Flyer etc für meine ehemaligen Kolleginnen. Inzwischen liebe ich diese Tätigkeit so sehr, dass ich gar nichts anderes mehr machen will, außer darin richtig richtig gut werden. Dazu kommt der immer stärkere Wunsch, mir die Möglichkeit zu geben, studieren zu können.
Mit dem Mann-werden,
verändert sich mein Wunsch nach Bildung und beruflichem Erfolg. Ich habe mich früher NIEMALS über meine berufliche Leistung orientiert. Ich empfand da absolut gar kein Wunsch mich zu vergleichen oder zu messen. Und da vollzieht sich jetzt ein gravierender Wandel.
Es hat sicher auch damit zu tun, dass ich keine Kinder bekommen werde. Das verschiebt die Prioritäten im Leben und eröffnet neue Zeit- und Finanzressourcen, welche sinnvoll genutzt werden wollen.
Es ist spannend zu beobachten, der Wunsch nach Integration in die Gesellschaft lauter und drängender wird. Ich muss einfach wissen, ob ich es jetzt kann.
Aktuell bewerbe ich mich für 2 verschiedene Lehrstellen im August 2019. Respektive, ich fange jetzt damit an, vorher hätte es OP-Beding keinen Sinn gemacht, da ich an kein Vorstellungsgespräch gekonnt hätte.
Beides geht in Richtung Informatik, Webdesign, Coden etc. Das tolle ist, bei beiden Varianten kann ich Ausbildungsbegleitend die sogenannte Fachmatura machen. Das ist Abitur mit einer Fachrichtung. Also wenn du Fachrichtung Informatik& Design machst, kannst du später alle Studiengänge an Unis und Fachhochschulen belegen, die in diese beiden Richtungen gehen.
Ich habe den Wunsch, sehr viel von meinem Bildungsdefizit auszugleichen, und zwar staatlich anerkannt. Verstehen kann ich die Veränderung nicht wirklich. Sie ist so gegensätzlich zu meinen vorherigen Bedürfnissen, dass mein Verstand noch nicht wirklich mitkommt, warum es so ist. Es fühlt sich aber gut an und darum geht es ja am Ende.
Ich werde immer selbstbewusster, immer ruhiger und immer klarer. Ich stehe nicht mehr wie früher, dauernd neben mir, rastlos und ohne wirkliche Richtung. Genau das spüren auch die Menschen um mich herum. Ich werde sehr oft angesprochen, wie positiv ich mich verändert hätte und wie glücklich und selbstbewusst ich wirke, wohlgemerkt von Menschen, die gar nicht wissen, auf welchem Weg ich bin. Ehemalige Schulkollegen, Lehrer, Kungfu-Bekannte, Nachbarn. Basel ist ein Dorf und man sieht sich zwangsweise immer wieder, wenn man hier lebt.
Mir geht es auf jeden Fall hervorragend mit dem Weg. Ich bin überglücklich über meinen Körper und genieße jeden Moment. Jedes Mal, wenn ich mich früher im Spiegel sah, war da dieser Schmerz, tief in mir drin. Jetzt huscht ein schelmisches Lächeln über mein Gesicht und wird zu einem breiten Grinsen.