Wie hier wohl jetzt jeder weiss, heute ist Muttertag.
Wir feiern diesen Tag nicht und ich bin mir nicht sicher, ob wir das in meiner Familie je getan haben, falls ja, erinnere ich mich nicht daran.
Wenn ich eure Berichte so lese, zum Beispiel von ,
oder
, freu ich mich über die Beziehungen, die andere Menschen zu ihren Müttern/Eltern haben.
Und doch frage ich mich, was bedeutet es, Mutter zu sein und eine Mutter zu haben?
Meine Eltern, hatten schon keine gesunden Beziehungen zu ihren Eltern und so gelang es mir und ihnen nicht, eine gute Bindung zueinander aufzubauen.
Als ich klein war, verstand ich das Wort gar nicht, Mutter.
Mir war klar, dass damit eine Frau gemeint ist, die ein Kind geboren oder adoptiert hat. So weit konnte ich der Thematik schon folgen. Aber was es wirklich bedeutet, emotional, konnte ich nicht fassen.
Bei mir herrschte da nur gähnende Leere, kein Gefühl, keine Liebe, nichts.
Meine Mama war für mich eine Person, die in meinem Haushalt lebte und Dinge tat. Klar, sie brachte mich zur Tagesmutter, in den Kindergarten, machte mir Essen, sang mir gelegentlich etwas vor aber ich fühlte keine emotionale Nähe. Da war keine Verbundenheit, keine Beziehung zwischen uns. Das begann schon, als sie mich nach der Geburt nicht stillen konnte, weil ich mich weigerte, mich irgendwie ihrer Brust zu nähern. Wollte sie mich kuscheln, begann ich zu brüllen wie am Spieß und so zog sich das durch meine Kindheit.
Ich kann mich erinnern, dass ich mich oft genervt fühlte, wenn jemand etwas von mir wollte und anfassen, ging gar nicht. Ich habe es gehasst, dieses Geküsse und Gedrücke und überhaupt, grauenhaft fand ich die Nähe, die einige sich von mir wünschten. Ich wollte einfach meine Ruhe haben und mit meinem unsichtbaren Freund spielen. Unsichtbar war Kiwit nur für die anderen, ich konnte ihn problemlos sehen, quasi Life, in Farbe und Stereo.
Meine Mutter war für mich eine Fremde im eigenen Haus.
Je älter ich wurde, umso mehr verstand ich, dass da etwas mit uns nicht stimmt. Ich beobachtete andere Kinder und ihre Eltern und sah die Nähe, die Liebe aber ich konnte sie selber nicht fühlen, geschweige denn ausleben.
Erst als ich 14 Jahre alt war, wurde mir bewusst, huch, meine Mutter ist ein Mensch.
Ich mein, das klingt jetzt logisch, aber für mich war das echt eine Erkenntnis.
Meine Mama ist ein Fühlendes, empatisches Wesen mit dem Wunsch zu lieben und geliebt zu werden. Es gelang mit dennoch nicht, eine echte enge Bindung aufzubauen, aber ich erkannte sie immerhin als Mensch und konnte auf dieser Ebene in eine Beziehung mit ihr gehen. Von Mensch zu Mensch. Wir wurden so etwas wie Freunde.
Erst Jahre später begriff ich, dass sie mich liebt.
Nochmal einige Jahre später, sass ich im Wohnzimmer einer Familie und hielt einen kleinen, 3 Wochen alten Menschen auf dem Arm. Ich sah dieses kleine Baby und auf einmal glitt ein Lächeln über das schlafende Gesicht.
Da fühlte ich es.
Ein Gefühl, wie ich es noch nie zuvor auch nur ansatzweise erlebt hatte.
Es durchflutete mich, eine tiefe, innige Zuneigung und ich wusste in der Sekunde, das ist Liebe. Ohne das ich je zuvor so etwas Tiefes empfunden hätte, erkannte ich, was ich da fühle. Ich sah das Baby an, küsste seine Stirn und schwor ihm, dass ich für immer da sein werde, es schütze, ehre und liebe, bis zu meinem letzten Atemzug. Diese Liebe füllte mich aus, drang bis in den letzten Winkel meines Herzens und ich begriff, was es bedeuten muss, Mutter zu sein.
Hatte meine Mama je diese Gefühle für mich?
Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, es gibt Menschen, die dazu nicht imstande sind. Gerade wenn sie selber diese Liebe nicht von ihren Eltern bekommen konnten scheint es oft schwer zu sein, so etwas zu erleben. Ich kann das Herz meiner Mutter nicht fühlen und wir sprechen nicht dieselbe Gefühlssprache. Ich verbalisiere Gefühle sehr stark, da es mir schwerfällt, sie mit meinem Körper auszudrücken.
Ich kann jemanden sehr lieb haben, mich nach der Person sehnen und wenn sie vor mir steht, bin ich nicht einmal im Stande, sie zu umarmen. Plötzlich blockiert mein ganzer Körper und ich kann mein Gefühl, nicht mehr ausdrücken, als wäre es eine fremde Sprache, die ich verlernt habe. Mein Herz freut sich wie irre und mein Mund kriegt nicht einmal ein Lächeln zustande.
Vielleicht geht es meiner Mama auch so?
Was bedeutet es für uns als Mensch, eine Mutter zu haben?
Reicht es aus, wenn ein Baby betreut wird, oder braucht es diese bedingungslose innige Liebe seiner Eltern. Was macht es mit uns als Mensch, wenn wir in der Kindheit diese Liebe nicht fühlen?
Heute weiß ich, ich habe 31 Jahre nur das Schattenspiel von Liebe gesehen und verstehe erst jetzt, was sie wohl bedeuten kann. Ich glaube, so ganz habe ich dass alles noch nicht durchdrungen.
Die Beziehung zwischen Eltern und Kind, formen Generationen und sind extrem bedeutend fürs spätere Leben. Wenn Eltern nicht im Stande sind, diese Bindung aufzubauen, wird der kleine Mensch diesen Mangel den Rest seines Lebens spüren.
Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich keine leiblichen Kinder will. Die Angst, mein Erbe weiter zu geben und selber für mein Kind nicht so da sein zu können, wie es das verdient hätte. Ich habe Eltern erlebt, die ihre Interessen fast immer über meine gestellt haben und weiß nicht, ob ich ein Mensch bin, der seine unter die eines anderen stellen kann. Wenn ich ehrlich bin, ist mir das bis heute nicht wirklich gelungen.
Ob das daher kommt, dass ich ohne Bindung aufgewachsen bin, ich weiß es nicht. Aber fakt ist, bis heute war es mir nie möglich, meine Bedürfnisse hinter die eines Anderen zu stellen, weil ich nicht dieses Vertrauen habe, dass im Zweifel jemand anderes das für mich tut. Dabei hat mein Ex-Mann jahrelang mir den Vortritt gelassen.
Hoffentlich darf ich da noch viel lernen im Leben.