In meinem letzten Artikel schrieb ich über den Minimalismus und wie ich ihn erlebe. Einige von euch schrieben mir, sie hätten nie so die Brücken hinter ich abbrechen oder einen kompletten Neustart beginnen wollen und können.
Da spürte ich, dazu möchte ich euch noch etwas mitgeben.
Ja es stimmt, ich habe viel verändert mit der Entscheidung, meine Wohnung aufzulösen. Ich habe auch meinen Job als Nanny aufgehört und ebenfalls meinen Beruf als Künstlerin in der Form beendet.
Aber habe ich alle Brücken abgebrochen?
Ein Aufbruch kann sehr viele Facetten haben und die Reise hat mich selber am meisten überrascht. Ich bin viele tausende Kilometer weggeflogen und zu fühlen, was mir wirklich wichtig ist im Leben.
Schon früher war ich ein Mensch, dem es sehr leicht fiel, Beziehungen zu beenden und neue aufzubauen. Ich war auch nie ein wirklich guter Freund für meine Freunde, glänzte öfters mit Abwesenheit. In den letzten Jahren stand ich den Menschen, die mir wichtig sind, nicht besonders nahe. Es war mir nicht möglich, sie an mich heran zu lassen, und ich hatte immer den Wunsch nach einer gewissen Distanz, um mich selber vor Verletzungen zu schützen und weil ich immer damit beschäftigt war, ihnen nicht meine Fehler zu zeigen, sie nicht sehen zu lassen, wie zerrissen ich innerlich war.
Ein Stück weit wollte ich damals ausbrechen, nicht nur aus der Routine. Ich spürte, ich muss mich verändern und wusste, ich kann das nicht, wenn ich in diesem Alltag und so in den Beziehungen bleibe, die ich gerade lebe. Aber irgendwie ging es auch um die Distanz zu den Kindern, ich brauchte eine gewisse Loslösung von ihnen, weil einige der Kleinen, mir zu nahe gekommen sind in den Jahren, in denen ich sie begleiten durfte.
Ich brachte also wieder einmal einige Kilometer zwischen mich und mein leben. Dieses Mal nicht von einem Land ins Nachbarland, sondern über Kontinente hinweg.
Doch in den Monaten fand ich mehr zu mir selber und zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich, diese Bindungen sind keine Bedrohung für mich, sie sind ein Geschenk.
Mit jedem Schritt, den ich wegging, fühlte ich, wie wichtig die Nähe für mich ist.
Ich ging zwar, aber die Menschen gewannen an Bedeutung für mich. Ich arbeite heute nicht mehr als Nanny, aber meine Kiddies sind immer noch ein Teil meiner Familie. Wir stehen uns zwischenmenschlich näher als vorher, weil ich sie eben nicht verlassen habe als Mensch.
Als ich zurück kam im Herbst, wusste ich, ich möchte meine Freundschaften vertiefen und Menschen näher an mich heran lassen. Ich möchte echter sein und nicht die Hälfte von mir verstecken, immer darauf bedacht, dass niemand hinter meine Fassade schauen kann. Heute sind mir meine Freunde näher als zuvor. Ich genieße jeden Moment mit ihnen und ich kann mich so zeigen, wie ich bin.