Wie Loben & Kritik unsere Psyche beeinflussen.
Ihr denkt jetzt bestimmt, ok, jetzt hat die gute Rachel nicht mehr alle Tassen im Schrank. Was ist das bitte für eine behinderte Aussage?
Klar, ihr werdet mir sicherlich zustimmen, dass gemeine, abwertende Kritik extrem verletzend sein kann und manchmal richtig viel Schaden anrichtet. Jeder hatte vermutlich mal einen Traum, den jemand mit bösen Worten zerstampft hat. Das kennen wir alle, leider.
Aber warum man meiner Meinung nach das Loben von Menschen hinterfragen und überdenken sollte, möchte ich euch heute erzählen.
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Warum Loben und Kritisieren wir?
Jeder Mensch beurteilt die Welt nach seinen eigenen Werten und gefärbt durch die eigene Vergangenheit.
Für den Einen ist es total toll, wenn sein Kind gut in Mathe ist, der andere findet es super, wenn es Klavier liebt und der dritte wünscht sich einen kleinen Fußballstar.
Es ist völlig normal, dass man sich selber in seinem Kind wiederfinden möchte. Und natürlich ist es auch völlig normal, dass man seine Werte an den Nachwuchs weiter gibt, keine Frage.
Wenn wir unser Kind mit Lob und Kritik erziehen, sehen wir schon an dem Wort, was wir eigentlich machen. Wir ER-ZIEHEN das Kind. Wir ziehen es also in eine Richtung, die wir für gut erachten. Diese Werte können von Kultur zu Kultur extrem variieren und sind oftmals sehr subjektiv. Von dem Grundlegenden Wert der Unversehrtheit des Menschen abgesehen.
Wenn ich mit einem Menschen zusammen lebe, will ich natürlich, dass alles in gewissen Bahnen abläuft. Ist mir Ordnung wichtig, möchte ich, dass der Mensch eine gewisse Ordnung wahrt. Dasselbe gilt für Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Fleiß, Sozialverhalten und und und. Im besten Fall habe ich einen Lebenspartner, der in diesen Bedürfnissen zu uns passt. Unser Kind, kann sich das nicht aussuchen.
Kinder versuchen immer instinktiv, uns zu gefallen.
Ein Baby ist existenziell darauf angewiesen, geliebt zu werden. Deswegen lernt es als erstes zu lächeln. Man schaut das Baby an und es lächelt, es spürt, das dieses Lächeln sein Überleben sichert, damit du es, nachts wenns schreit, nicht ausm Fenster wirfst.
Die Kinder sind nicht nur Materiell von uns abhänig, sondern auch seelisch. Sie Formen ihr Selbstbild durch uns. Was wir ihnen vorleben, wird für die ersten Jahre ihre Realität und wird sie ihr ganzes Leben lang prägen. So wie du mit dir umgehst, geht das Kind mit sich um.
Wie du mit deinem Kind sprichst, wird die Art und Weise prägen, wie das Kind mit sich selber sprechen wird
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Wir haben da eine unglaubliche Verantwortung, über die leider nie geredet wird. Es geht darum, ob das Baby schnell alleine schläft, wann das Kleinkind trocken wird. Ob man in der Schule angepasst funktioniert. Niemand wird dich als Mutter oder Vater aber fragen, wie viel Selbstliebe empfindet dein Kind?
Die wichtigen Dinge, bringen wir den Kleinen instinktiv bei, dadurch wie wir leben und mit uns selber umgehen.
Und was hat das jetzt mit Lob und Kritik zu tun?
Nehmen wir mal an, ein 4 Jähriges Kind hat ein Bild gemalt und zeigt es mir.
Instinktiv sagen wir dann etwa dass:
„Oh das ist aber ein schönes Bild, das hast du gut gemalt. Da freut die Mami sich aber über das Bild.“
Klingt nett oder ? Vielleicht rennt noch ein älteres Geschwisterkind vorbei, wirft einen Blick auf das Bild und sagt in etwa:
„Haha das ist ja voll hässlich, du kannst gar nicht malen!“
Dann könnte die Mutter sowas sagen wie. „Hör nicht darauf, dein Bild ist toll. Mami liebt es.“
Aber was ist jetzt gerade passiert?
Wir haben das Endprodukt des kleinen Kindes bewertet.
Je nachdem wie der Charakter des Kindes ist, wird es nen Scheiß darauf geben was Mutti und Geschwisterkind sagen, es wird mehr malen um Aufmerksamkeit und Lob von Mama zu bekommen, oder es glaubt den Worten des älteren Kindes und malt weniger, weil es glaubt, nicht gut genug zu sein.
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Was wir dabei aber komplett außer Acht gelassen haben, war dass, worum es eigentlich im Leben geht. Der Prozess.
Es geht nicht darum, ob ich es schön finde, wenn mein Kind gerne malt. Es geht auch nicht darum, ob das Kind gut malt oder nicht. Es geht ausschließlich und alleine um den weg des Malens.
Unser Leben besteht nicht aus fertigen Bildern, sondern aus der Zeit die wir mit dem malen verbringen und darum, ob wir in dieser Zeit glücklich sind.
Viele Menschen sind 3 Jahre in einer Ausbildung, die sie nicht glücklich macht und halten sich jeden Tag das Ziel vor Augen. Wie es sein wird, den Wisch endlich in der Tasche zu haben in der Hoffnung, dann glücklich zu sein. Anerkennung und Lob zu bekommen für das Ergebnis. Doch was folgt dann?
Niemand ist langfristig glücklich, weil er eine Ausbildung beendet hat, wenn er danach keinen Job findet, macht das nicht glücklich. Wenn man auf der Arbeit gemobbt wird, macht das nicht glücklich.
Das Problem ist, wir bekommen es von klein an so beigebracht, wir kennen kein anderes Bewertungssystem außer dass, was auf Ergebnissen beruht.
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Schön und gut, aber was wär die Alternative?
Wenn mir ein Kind sein gemaltes Bild zeigt, sage ich etwas in die Richtung:
„ Danke das du mich teilhaben lässt an dem, was dir Wichtig ist. Darüber freue ich mich sehr. Ich hoffe, du hattest viel Spaß beim malen. Ich freue mich wenn du etwas tust, was dich glücklich macht.“
Damit löse ich den Wert des Bildes zum einen von meiner privaten Meinung über das Malen an sich und ich zeige dem Kind, wie wertvoll sein Weg. Ich ermutige es, mir seine Welt zu zeigen und mit mir zu sprechen und zeitgleich signalisiere ich ihm, dass es glücklich sein soll und darf.
Dieses Bild hat den 5 Jährigen Johnatan stunden gekostet. Er hatte sehr viel Freude und Spass, den ganzen Nachmittag über, war er sehr zufrieden mit sich und der Welt.
Ein Kind das immer nur danach strebt zu gefallen, ist massiv gefährdet in ein Burnout oder eine Depression abzurutschen.
Ein Mensch der sein Glück im Alltag findet, wird es viel leichter haben, ein glückliches Leben zu führen und mit sich selber zufrieden zu sein.
Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, was ich mit diesem Artikel aussagen will. Vielleicht mag der Eine oder Andere von euch in sich gehen und darüber nachdenken, warum er seine Mitmenschen Lobt und ob es vielleicht eine Alternative gäbe, die den Menschen freier und glücklicher macht als ein einfaches Lob für etwas was dir persönlich gefällt.
Und zur Kritik ein Nachtrag.
Anstatt Kinder zu Kritisieren um sie abzuhärten für die Welt, finde ich, sollte man sie lieber in ihrer Selbstliebe stärken und sie unterstützen, wenn sie Kritik von aussen erfahren. Das Umfeld wird den Kleinen früh genug ans Bein pissen, weil Menschen nunmal so sind das sie nicht anders können.