Ein verzweifelter Anruf erreichte mich - unser Hund beißt uns ständig - wir wissen nicht mehr weiter. Ok, dachte ich, sowas ist bei einem 1,5 Jahre alten Rüden oft schnell abgefrühstückt. Also her mit dem Hund. Älteres Pärchen kam - mit Hund - der Hund hatte Ponymaße - ein Riese, groß wie eine Deutsche Dogge, blond und eine Schilddrüsenunterfunktion...
Na, das kann was werden. Meine Hunde hier freuten sich - es war endlich ein Tobekumpel für den Boogie da - gleich alt - also war hier richtig highlife in der Bude.
Wetter war wurscht, Hauptsache toben und das am liebsten den ganzen lieben langen Tag:-))
Seine Menschen kamen mit einem Lastwagen voll Zubehör an -unglaublich, was der Hund alles hatte... damit machten sie wohl ihre persönlichen Defizite wieder wett... sie waren absolut nicht in der Lage, den Hund zu beherrschen. Weder körperlich noch mental.
Ich doktorte wochenlang mit denen rum, der Hund war völlig ok. Dazu muß man wissen, daß es eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion gibt, die sich in ziemlich niedrigen Blutwerten zeigt und in Verhaltensproblemen. Genau das hatte der Hund. Aber mit dem nötigen Management kann man auch mit so einem Hund gut leben. Man muß nur einen gesicherten Umgang pflegen, Streß weitestgehend vermeiden und alles andere nur wohldosiert anbieten. In der Hundeschule oder auf dem Hundeplatz sind solche Hunde völlig unauffällig.
Das versuchte ich dem Pärchen beizubiegen. Leider erfolglos. Sie holten ihren Hund nach 6 Wochen Training hier ab - haben nichts von dem, was ich ihnen gesagt hatte, umgesetzt - und wunderten sich, daß nach den üblichen 3 Wochen der Hund wieder um sich biß. Tja - dann kam der Hund wieder hierher - nachts um 1.....
Seine Leute versprachen hoch und heilig, nun alles, was ich ihnen sagte, umzusetzen - und taten es wieder nicht. Ich hatte ihn dann lange hier - hier war er wie immer unauffällig, bevor er wieder zurück ging. Das war der größte Fehler, den ich je begangen hatte, es war Finns Todesurteil. Sie hatten wieder nix umgesetzt, wußten wieder alles besser - und Finn biß wieder fröhlich seine Menschen. Man merkte auch, daß der Mann Gründe vorher schon suchte, wieso der Hund wohl "spinnt". Er hat sämtliche Verhaltensweisen, die er bei Rosalie sah, seinem Hund angedichtet... die hatte der aber nicht, nie nicht. Jedenfalls brachten sie ihren Hund um, erfanden eine wundersame Autopsiestory - die niemand je gesehen hat - und das war es. Und dann ging es los - ich wäre schuld, ich hätte ja den Hund niemals gut vorbereitet oder erzogen für sie, ich wäre unfähig, unmöglich, man müsse meine Station schließen, das wäre für die Hunde unmöglich... usw. Alles, was man sich vorstellen kann oder nicht vorstellen kann, wurde mir von denen nachgesagt, verbreiteten sie im Internet darüber... eine Rufmordkampagne ungeahnten Ausmaßes rollte auf mich zu... und ich wußte da noch von nichts.
Als ich versuchte, mich zu wehren, war dann alles noch schlimmer - aber - ich saß es dann aus und überlebte es - waren ja die meisten meiner Bemühungen von Erfolg gekrönt... Aber der Hund war durch seine Besitzer einfach durch... völlig durcheinander, keine Struktur, keine Ruhe, der Hund sollte einfach Kindersatz und sonst noch was sein - was ein Hund niemals sein kann... es wurde alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte - weil man so egoistisch war, daß man seine eigenen Bedürfnisse dem Hund übergestülpt hat. Und ein kranker Hund kann so etwas nicht wegstecken.
Armer Finn, es ist meine Schuld, daß du nicht mehr lebst - weil ich dich im Stich gelassen habe, indem ich dich deinen Besitzern wieder ausgeliefert habe.
Da dran werde ich ewig zu knabbern haben.