"there ain’t no such thing as a free lunch", dazu heute ein kleine Baltengeschichte!
Werte Mitleser,
aus einer TANSTAAFL-Diskusison mit dem werten und der einer heutigen Diskussion mit der werten
habe ich heute mal was anderes gemacht und eine kleine Baltengeschichte geschrieben, um ein paar Gedanken von mir zusammenzufassen, alles vereinfachend natürlich, aber es ist ja bloß eine Geschichte.
Also, kleine Insel, 100 Bewohner/-innen:), den Wert von Arbeitsteilung hat man erkannt, einige fischen, einíge bauen Gemüse an , einer hegt die 5 Kokospalmen, einige halten ein paar Nutztiere, einer ist pflanzen-und heilkundig, einer kann besonders gut Lehm-und Holzhütten bauen und instandhalten, eine nützliche Einrichtungsgegenstände herstellen, eine schreibt das Wissen der Leute auf und führt die Inselchronik, eine meißelt schöne Figuren aus Stein , einer stellt Speere und Pfeil und Bogen her und hält sie in Schuss, zur Jagd und Verteidigung gegen die Kannibalen einer Nachbarinsel, die regelmäßig die schönen Produkte dieser Insel stehlen wollen und einem überhaupt an Leder wollen, 5 patroullieren mit den Speeren und halten die 5 Herumtreiber auf der Insel in Schach, eine baut Trommeln und singt abends beim Zusammentreffen auf dem Inselzentralplatz nach Texten der Schreiberin für die anderen, einer überwacht und pflegt die Süßwasserquelle in der Mitte der Insel, einer hat auch entdeckt, wie man ein berauschendes Getränk herstellt, auch andere Inselbewohner leben so mit Berufen und Fähigkeiten, die die anderen benötigen.
Dabei ist klar, das man auch etwas aufgeben muss wenn man arbeitsteilig arbeitet, und "dass für eine Person oder Gesellschaft etwas nie wirklich kostenlos sein kann. Selbst wenn es den Anschein hat, dass etwas kostenlos ist, gibt es immer Kosten für die Person oder die Gesellschaft als Ganzes, auch wenn diese Kosten versteckt oder verteilt sein können".
Die Versehrten und und Alten der Insel versorgt man zumindest grundsätzlich solidarisch, v.a in den Familien, es gibt ein gewähltes Inseloberhaupt, der selbst einen Beruf erlernt hat, aber nun die Inselregeln verwaltet mit Verwaltungsinsulanern, und einen der im Streitfall nach dem Inselkodex Recht spricht.
Wählen dürfen alle, die die niedrigen Abgabenlasten für die Verwaltung und die Patroullien bezahlen,die Abgabenlast ist etwas gestaffelt, 10-20-30%, die Stimme zählt einfach.
Das Recht auf Eigentum wird geachtet.
Man hat auch erkannt, das es einfacher geht, die gegenseitigen Waren und Dienstleistungen zu tauschen, wenn man die schönen Kaurischneckengehäuse als Geld benutzt, die alle als Tauschmittel akzeptiert haben und aus freier Entscheidung als Tauschmittel verwenden. Die Fischer holen davon auch nur jedes Jahr eine sehr begrenzte Zahl aus dem Meer, da die Kaurischnecken ziemlich selten sind, so hat man über die Jahre immer ungefähr die gleiche Menge an Waren oder Dienstleistung für seine Kaurischnecken bekommen.
Zwei verlässliche Mitinsulaner gründen je eine sichere Hütte, in der die Insulaner überzählige Schnecken hinterlegen können, man weis ja nie bei den 5 Herumtreibern.
Klar ist, dass hier eben jeder seinen Aufgaben nachkommen muss, damit er und auch die anderen überleben können, da es ja arbeitsteiliges Wirtschaften ist, die 5 Herumtreiber zieht man durch, aber die sind nicht "umsonst", sie erzeugen Kosten für die Inselgemeinschaft, man trägt sie zähneknirschend.
Der Hersteller der berauschenden Getränke arbeitet nun sehr viel und verbessert den Geschmack seines Getränks etwas, und die anderen kaufen und konsumieren sein Produkt gern, da es keinen Kater mehr macht, mit der Produktion kommt er nicht hinterher, hat einen zweiten Braukessel und mehr Fässer erworben, dafür musste er aber auch die Verwalter der sicheren Hütten um ein paar Kaurischnecken bitten.
Der Sohn eines der Viehbauern hat keine Lust mehr auf das blöde Nutzvieh, sucht nach Alternativen und so stellt der Brauer ihn an, um Getränke mitherzustellen, auch die Preise hat er etwas erhöht, was die Mitinsulaner murrend kommentieren, aber die Nachfrage ist ja da, natürlich erhält der Sohn des Viehbauern Kaurischnecken als Lohn, aber viel weniger als der Erfinder des Brauverfahrens und Besitzer der Braukessel.
Der Gebräuhersteller hat damit irgendwann mehr Kaurischnecken als andere gesammelt und läßt sich nun die größte Lehmhütte mit viel Holz bauen, ärgert einige andere Inselbewohner natürlich, den einen mehr, den anderen weniger, aber es ist ja nicht unerlaubt nach dem Inselregeln, er schadet den anderen nicht, der Hüttenbauer hat ja auch gut Kaurischnecken dafür bekommen, und sein Getränk haben ja alle freiwillig gekauft und Kater macht es auch keinen.
Der Hüttenbauer zählt nun seine Kaurischnecken, die er vom Getränkehersteller bekommen hat, schaut in sein Spiegelbild und denkt sich, mann, erstens seh ich super aus und zweitens bin ich hier ein echter Macker auf unserer Insel, das muss ich der Nachwelt doch erhalten.
So trägt er einen Teil der Kaurischnecken zum Steinbruch der Bildhauerin, und beauftragt sie, einen Stein nach seinem Ebenbild herzustellen, für seinen Garten, soll jeder sehen, war er für ein toller Hecht ist.
Sie findet ihn zwar eher nicht so toll wie er sich selbst, aber Ihre Hütte bedarf bestimmter Verbesserungen, also macht sie sich ans Werk, dabei fällt ihr leider ein herausgemeisselter Stein auf den re Fuss, so muss sie, da es spätabends passiert, den Pflanzenheilkundigen aufsuchen, der ihr genervt-er wollte gerade das berauschende Getränk konsumieren- einen mit abschwellenden Pflanzensud versehen Verband um den den re Fuss wickelt und dafür ein paar Kaurischnecken extra haben will wegen der Uhrzeit.
Die Bildhauerin hat grad keine dabei, aber am nä Tag bringe sie sie dann vorbei, tut sie dann letztlich auch.
Nun sagt der Sohn des Viehbauern, Mann, das mit dem berauschenden Getränk herstellen ist mir auch echt zu anstrengend, habe Rückenschmerzen, macht mich kaputt, die Fässer sind zu schwer, der Chef ist ein Ausbeuter, aber auf das blöde Nutzvieh hab ich auch keinen Bock mehr, bei dem Pflanzenpfuscher war ich ja schon 10 x, gefunden hat der nix und der Scharlatan sagt, ich sei gesund, sein Sud taugt nix, aber eigentlich geht es mir immer gut, wenn ich mit einem berauschenden Getränk mich im Schatten der Kokospalmen ausruhe.
Er kündigt dem Gebräuhersteller-ein paar Kaurischnecken hat er ja noch und wohnt beim Vater- der ist sauer, da er nun wieder mit der Herstellung des Gebräus nicht hinterherkommt, und er einen neuen Angestellten suchen muss.
Allerdings beginnt er über die Arbeitsbedingungen bei sich nachzudenken, denn er merkt, dass die Kündigung für ihn erstmal weniger Kaurischnecken bedeuten, Ersatz ist nicht so leicht zu finden, vielleicht solle er seinen Arbeiter echt nicht so schwere Fässer schleppen lassen, damit der nicht wegen Rückenschmerzen ausfällt, auch über Moral und Verantwortung gegenüber seinem Arbeiter beginnt er nachzudenken, ev. hätte ich doch zwei Arbeiter bezahlen können?
Ausserdem hat gerade ein zweiter Inselbewohner mit einer kleinen Brauerei angefangen, das Getränk soll genauso berauschend sein, macht ebenfalls keinen Kater und schmecke besser als seines und der verwendet kleinere Fässer und sei auch billiger und die zwei Arbeiter dort seien zufrieden, da auch der Lohn höher sei, ein dritter wird dort schon gesucht.
Aber bei dem neuen Gebräuhersteller möchte der Sohn des Viehbauern auch nicht anfangen, die sind doch letztlich alle gleich, alles Ausbeuter, er denkt über vieles nach und sagt schliesslich:
Liebe Inselbewohner, wir sind doch alle irgendwie gleich, ich hätte gern 250 Kaurischnecken pro Jahr, ich muss ja von irgendwas leben , und das reicht mir, ich will das bedingungslose Kaurischneckeneinkommen, das was ihr macht, ist mir echt zu anstrengend alles, das kann ich nicht!
Die Inselbewohner stimmen zu, 250 Kaurischnecken pro Jahr, weil man auf Besserung und Einsicht hofft beim Sohn des Viehbauern und neulich war auch ein Prediger von einer größeren Insel da, der was von Gleichheit erzählt hat und dass es ungerecht ist, wenn jemand eine große Lehm-Holz-Hütte hat und sich an der Arbeit anderer bereichert und man schwere Fässer schleppen muss. Das hat bei einigen schon Eindruck hinterlassen, es muss gerechter werden.
Die Gebräuhersteller wollten den Prediger zwar verprügeln, man hat sie aber davon abgehalten, den einige ärgern sich schon über die große Hütte, und die Fässer waren ja auch wirklich zu schwer, das ist bekannt.
Das auch der Gebräuhersteller mit den zwei zufriedenen Arbeitern den Prediger verprügeln wollte versteht man nicht, die zufriedenen Arbeiter hatten sich die Predigt gar nicht erst angehört, das versteht man auch nicht, die wurden sicher unter Druck gesetzt.
Der Sohn des Viehbauern fand den Prediger super, vor allem aber auch noch ein paar Junge aus der Inselschule, denn sozial und gerecht, ja, so muss es sein.
Gut, einen Sohn des Viehbauern kann die Gemeinschaft ja vertragen, auch damit er nicht nachts in die Lehmhütten und die sicheren Hütten eindringen muss, um die Kaurischnecken zu stehlen.
Aber nun sehen die anderen Söhne und Töchter der Insel, dass der Viehbauersohn recht entspannt vor sich hin lebt, -dieser hat inzwischen auch vor ev selbst zu predigen, von Gleichheit und Gerechtigkeit- während sie selbst für nur etwas mehr Kaurischnecken beim Gemüsebauer lernen, wie man die Aussaat macht und die Ernte einfährt oder beim Pflanzenheilkundigen, dem alten Kaurisack, die Pflanzen einsammeln und Ihre Wirkung lernen müssen, oder für den Hüttenbauer das Holz und den Lehm zu Hütten zu schleppen haben.
Da kommen 30-40% auf die Idee, dass es ihnen reicht mit 250 Kaurischnecken versehen unter der Palme zusammen mit dem Sohn des Viehbauern dem Sinn des Lebens nachzuspüren oder Pläne für eine gerechtere Gesellschaft zu entwickeln, die haben doch echt genug Kaurischnecken, diese ganzen Bürgerlichen, das ist ungerecht, dass muss man umverteilen.
Der Viehbauersohn hat das Predigen inzwischen gelernt, und sagt zu den jungen und auch zu seinem Nachfolger beim Gebräuhersteller: hört mal, wenn ihr mich zum Inseloberhaupt bestimmt, dann gibts bald 350 Kaurischnecken pro Jahr.
Nun wird es mit der Versorgung der Insel leider irgendwann schwierig werden, denn der arbeitende Viehbauer, der jeden morgen früh aufstehen muss, um das Vieh zu melken, damit die Versorgung der Mitbewohner klappt und er dadurch seiner kranken Frau, die den immer zu teuren Pflanzensud des Pfuschers schlucken muss, kaufen kann.
Und er muss auch das Loch im Dach seiner Lehmhütte vom Hüttenbauer, der ja auch ein Kaurisack ist, reparieren lassen.
So sieht er es sicher irgendwann nicht mehr ein, dem nun predigenden, weil faulen Sohn, der noch mehr Kaurischnecken seinen Jüngern verspricht, und den anderen Tagträumern und Arbeitsunwilligen und den den Sinn des Lebens Suchenden unter der Palme, viele seiner Kaurischnecken abzudrücken und bald sollen es ja bald noch mehr sein, wenn es nach denen geht.
Die sind ja noch nicht mal bereit, sein Dach auszubesssern, sie könnten es auch gar nicht, da keiner von Ihnen wird wegen den bedingungslosen Kaurischnecken jemals die notwendigen Fähigkeiten dazu überhaupt erlernen, aber sie fordern Gerechtigkeit und Umverteilung.
Der predigende Viehbauersohn wird nun tatsächlich Inseloberhaupt, er erhöht sofort die Abgabenlast an Kaurischnecken für sein Klientel, 50% zahlt man nun, er erweitert die Verwaltung der Eintreibung und Umverteilung der Kaurischnecken, legt ein Sozialprogramm für kommende Kaurischneckenempfänger auf, baut kostenlose Hütten, legt dem teuren Pflanzenpfuscher das Handwerk, will eine staatliche Brauerei bauen und vieles mehr und außerdem kommt er auf die glorreiche Idee, die Kaurischnecken selbst aus Holz herzustellen und "die Bürgerlichen" zu zwingen, diese als Geld zu akzeptieren.
Dazu richtet er eine zentrale Kaurischneckenherstellungsstelle ein, die die Schnecken an die beiden bisherigen Banken verteilt.
So ist seine Macht auf Dauer gesichert, auch wenn man bald viel weniger für seine Kaurischnecken bekommt, da es zuviel davon gibt und es immer mehr abhängige Kaurischneckenempfänger werden. Egal! sagt das neue Oberhaupt, dann stellen wir halt noch mehr davon her, "whatever it takes"!
Ich habe hier ja für soziale Gerechtigkeit gesorgt!
Die Klugen erkennen die Folgen dessen, was das neue Oberhaupt hier anrichten wird bzw schon angerichtet hat, denn die einst blühende Insel wird nun langsam zugrunde gehen, geschuldet dem mangelndem Leistungswillen, der zu hohen Kaurischneckenabgabelast für die noch Arbeitenden, die immer unwilliger werden, etwas zu tun, und der Umverteilung, dem erweiterten Verteilungsapparat, der immer mehr Kaurischnecken einzieht, insgesamt dem "Moral Hazard" also, und den neuen Kaurischnecken aus Holz, die unbegrenzt hergestellt werden, die alten echten Kaurischnecken werden von den wenigen weitsichtigen Insulanern inzwischen vergraben.
Auf der Nachbarinsel in 10 km Entfernung, so hört man, gibt es die Regel für 350 freie Kaurischnecken nicht, es gibt zwar auch schon freie Schnecken dort, aber nur 150, also, nehmen wir doch unsere Kaurischnecken und Fähigkeiten mit und machen dort weiter, oder??
Der Besitzer der besseren Brauerei hat sich schon mit Amtsantritt des neuen Inseloberhaupts dorthin verzogen, seine Kaurischneckenabgabe hat man dort erstmal heruntergesetzt.
Allerdings zeigen sich auch auf der Nachbarinsel schon ähnliche Tendenzen, denn der Prediger war auch schon dort, und das Oberhaupt unserer Insel hatte gerade eine Delegation von jungen Intellektuellen zu Gast, frisch von der Inselschule, die gekommen waren, um von den Errungenschaften der sozialen Gerechtigkeit auf unserer Insel zu lernen, einer will nun dort Oberhaupt werden und fordert das bedingungslose Kaurischneckeneinkommen und mehr Umverteilung!
Und auf einigen anderen Nachbarinseln ist es noch schlimmer als auf unserer, da geht schon gar nix mehr, überall ist der Prediger der sozialen Gerechtigkeit vorher gewesen!
Wie wird es mit der Insel nun weitergehen?
Der Balte weis es defintiv nicht!
Naja man kann sicher viel kritisieren an meiner Geschichte, man kann sie erweiteren und verbessern oder komplett ablehnen, und es ist sehr vereinfachend, klar.
Dinge wie die Verwertung der vorhandenen natürlichen Ressourcen der Insel finden hier noch keinen Eingang, ich habe es auch jetzt nur mal so "heruntergeschrieben".
Es ist aber auch nur die heutige "Baltengeschichte".
Sie drückt ev. ein wenig aus, wie ich über die Themen Bedingungsloses Grundeinkommen, Wohlfahrtstaat, Leistungswillen, Verantwortungsethik, Sozialismus, Umverteilung, Bürgerlichkeit, Unternehmertum, Geldsystem und mehr denke.
War heute mal was anderes, ein kleiner Ausflug!
Bezogen habe ich mich vor allem auf: "there ain’t no such thing as a free lunch" und "moral hazard"!
https://de.wikipedia.org/wiki/TANSTAAFL
https://de.wikipedia.org/wiki/Moral_Hazard
Peace, sisters and brothers
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