Hier zwei "Ming-Vasen" von Pixabay, eher nicht echt, meint der Balte auf den ersten Blick. Sind das überhaupt Ming-Vasen? Es fehlt leider das Kennerwissen, die Ming-Dynastie wird heute in diesem Post auch eher geldgeschichtlich betrachtet.
Werte Mitleser,
Was bisher geschah!
Die werten Leser und der Balte haben sich bisher mit viel Geduld durch vier Teile der chinesischen Geldgeschichte gekämpft und wir haben dabei auch einige „sideways and shortcuts“ zusammen beschritten.
Heute folgt nun der die fünfte Teil der Miniserie, der eigentlich ja der letzte hätte sein sollen, so wie vom Balten zuletzt versprochen.
Aber wieder war das Gelesene so vielfältig, dass ich mich nun 2 x auf Konrad Adenauer berufen darf. Zunächst auf das ihm fälschlicherweise in den Mund gelegte Zitat: “Was kümmert mich mein (törichtes) Geschwätz von gestern?“, dann auf seine belegbaren Worte: “Aber meine Herren, es kann mich doch niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden“.
So sei heute nochmal die mehr oder weniger ehrenwerte mongolische Yuang-Dynastie ein Thema, dann die defintiv nicht ehrenwerten König Gaitachu und Ahmed Fanakati.
Weiter wird die wieder mehr ehrenwerte Ming-Dynastie besprochen und schließlich der Tael (der definitiv sehr ehrenwerte brachte den Tael bereits ins Spiel!) dargestellt, dabei immer „dem Money“ oder „der Currency“ als Wegweiser orientierend folgend.
Eine kurze Zusammenfassung des bisher Dargestellten sei vorausgeschickt, um den berühmten roten Faden, den wir als geflügeltes Wort seit Goethes Roman "Wahlverwandtschaften", im dem der gute Johann Wolfgang eben unter anderem auch den Kennfaden der Tauwerke der britischen Marine beschreibt, wiederaufzunehmen.
Wer noch alles im Kopf haben sollte, kann weiter unten einsteigen!
Nachdem wir also die Frühzeit mit dem Kaurigeld (echte und Ersatz-Kauri) „peng“, das Aufkommen von kleinen Bronze-Spaten(dao), und -Messern (bu) als Geld kennengelernt haben, stellte ich dar, wie 221 v. Chr. Kaiser Qin Shi Huangdi den Käsch einführte, eine Münze aus Messing, Bronze, Kupfer oder sehr selten Eisen bzw. Zinn mit einem quadratisches Loch in der Mitte. Sie wurde die bei weitem langlebigste Münze der Weltgeschichte.
In der Han-Dynastie (die der Balte etwas vernachlässigt hatte bisher) wurde auf den Münzen nicht mehr das Metallgewicht angegeben, sondern nur noch der Nennwert (Baotong – gültige Münze, Zhongtong – schwere Münze oder Yuantong – erste Münze) sowie der Epochenname des jeweiligen Kaisers.
Daneben spielten Naturalwährungen wie Seide oder Korn weiterhin eine große Rolle.
Für große Transaktionen verwendete man bereits Silberbarren (Sycee), das Syceesilber hatte der Balte bisher auch etwas unter den Teppich gekehrt.
Das Aufkommen des Wechsels im Übergang vom 8. zum 9. Jahrhundert und sein promptes Verbot durch die Regierung hatten wir thematisiert, in der Song-Zeit (die nördlichen Song regierten 960-1126 in Kaifeng, die die südlichen 1126-1279 in Hangzhou), die zwar bürokratisch, aber verhältnismäßig liberal war, führte Provinzgouverneur Zhang Yong den zunächst noch edelmetallgedeckten Papier-Käsch ein.
Die mongolische Yuan-Dynastie 1279 bis 1368 (Dschingis Khan hatte Peking 1264 als „Khan-balyg“, „Die Stadt des großen Khans“ zur Hauptstadt gemacht) führte ungedecktes Papier-Käschs als erste „fiat-money-currency“ weltweit ein, inklusive Gold-Silberverbot. Die folgende Inflation bewirkte dann früh eine Reform unter Kublai Khan, der mit der Silberdeckung wieder für wertstabiles Geld sorgte, über das uns Marco Polo berichtet hat.
Soweit also das bisher Beschriebene.
Die Mongolenherrscher im Westen, die Goldene Horde und die Ilchane, betrieben ab 1260 bzw. ab 1295 eine eigene Politik, man nahm den Islam an. Um 1310 festigte sich das bis dahin instabile Tschagatai-Khanat und seit dem 14. Jahrhundert unterscheidet man dann vier voneinander unabhängige Reiche.
König Gaichatu -der fünfte Herrscher der Ilchane im Iran von 1291 bis 1295 und bekannt für allerlei Ausschweifungen bis zur Sodomie- „gelang“ in dieser Zeit eine gründlich misslungene Einführung von ungedecktem Papiergeld im Iran.
Er wollte 1294 die -durch seinen Lebensstil und die Rinderpest bedingt- leeren Staatssäckel wieder füllen und führte ungedeckte Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel ein, die allerdings sehr den chinesischen Scheinchen nachgeahmt waren. Man druckte sogar die chinesischen Schriftzeichen mit und schnell musste das muslimische Glaubensbekenntnis als Beschwichtigung für die lokalen Empfindlichkeiten mitaufgedruckt werden.
Doch das nütze auch nichts, denn Gaitachus Untertanen waren offenbar nicht so blöd wie wir heute, sie akzeptierten die Scheine einfach nicht, es brachen Unruhen aus, die Wirtschaft stand still.
Der persische Historiker Raschid ad-Din sprach sogar vom Untergang Basras durch die Emission des neuen Geldes und letztlich mußte Gaichatu sein Papiergeld wieder zurückziehen, er wurde bald -seinem Leben angemessen- mit einer Bogensehne erdrosselt.
Die Mongolenherrschaft führte zu einem Aufschwung des Transithandels, der weltweite Kulturaustausch und Wissenstransfer nahmen zu, man baute auch 1279–1294 den nördlichen Abschnitt des Kaiserkanals über eine geänderte Route, denn die alte war zu lang.
Die Mission der Christen (1307 Gründung Erzbistums in Peking) begann.
Bei den Mongolen wurden Händler eher geschätzt als bei den konfuzianischen Beamten. Die Handeltreibenden, die oft Muslime und in Gilden organisiert waren, erhielt sogar „Risikokapital“ und wurden mit Fragen des Finanzwesens betraut.
Das war nicht immer positiv für den gemeinen Steuerknecht, den man zog die Daumenschrauben an, 1239 hatte Abd al-Rahman die Steuern verdoppelt. Der Finanzminister Kublai Khans Ahmed Fanakati, hatte sie in drei Jahren dann verdreifacht und war dazu noch korrupt bis unter die Haarspitzen.
1282 meuchelte man ihn und Kublai Khan -jetzt über die Details von Ahmeds Amtsführung unterrichtet- ließ im Anschluss dessen Söhne hinrichten, sein Eigentum samt dem Harem konfiszieren. Die von Fanakati ernannten Beamten (ca. 700 „Diener“ des Volkes) wurden entlassen.
Man zahlt eben für alles seinen Preis irgendwann, auch dieser Finanzminister.
Nun, das Schicksal Gaitachus und Fanakatis wird den Partei-,EU-und ZB-Schergen, die das betrügerische Geldsystem und die Steuerschraube langsam auf das damalige Niveau zu drehen beginnen, wohl eher nicht treffen.
Aber wenigstens die öffentliche „Politiker-EU-Beamten-und Bankerprügel“, das wär doch was!
Aber der Balte ist auch bloß ein Michl, er unterschreibt immer mit „peace, sisters and brothers“, und außerdem sind wir noch nicht bei der „Beamtenprügel“, die gab es erst wieder in der Ming-Dynastie.
Der Untergang der Yuan-Dynastie hatte viele Gründe: Überschwemmungen mit Brechen der Dämme des gelben Flusses 1351, diverse chinesische Aufstände, v.a. die der „Roten Turbane“, besonders aber die mangelnde Fähigkeit, das riesige Weltreich dauerhaft zu verwalten, waren wesentliche Faktoren. Weiter trug sicher auch der Pest-Ausbruch mit Störung des Fernhandelssystems zum Untergang bei, auch die Inflation mag eine Rolle gespielt haben, jedoch hatte Kublai ja die Währung wieder zu Edelmetalldeckung hin reformiert.
Jedenfalls gelangte Zhu Yuanzhang, aus einfachsten bäuerlichen Verhältnissen kommend, an die Macht. Er siegte in der Flottenschlacht auf dem Poyang-See über den „Han“-Prinzen Chen Youliang und regierte dann von 1368 bis 1398.
Als Kaiser „Hongwu“ begründete er die Ming-Dynastie und verjagte den Khan Toghan Timur aus Peking.
Damit endete die Mongolenherrschaft, sie blieben jedoch ein Machtfaktor und bürokratische Initiativen, die unter der Yuan-Dynastie begonnen hatten, wurden von den Ming-Kaisern fortgesetzt.
Die Ming-Dynastie dauerte von 1368 bis 1644, ich habe mich gerade entschieden, sie im nächsten Post ev. noch näher beleuchten, da so viel Spannendes darin steckt, so dass ich der Ming-Dynastie hier ggf. einen eigenen „sideway“ einräumen möchte.
Heute also nur eine „kurze“ Übersicht über die „Mings“:
Zur Ming-Zeit brachte der wirtschaftliche Wiederaufbau Hongwus, das Blühens des Binnenhandels, und das Bevölkerungswachstums ab 1550 eine große innere Expansion.
Kaiser Hongwu, ein "starker" Herrscher, schon rein körperlich!
Bild aus unten verlinken Artikel wpsstudents.org
Hongwu schuf ein autokratisch zentralisiertes System, gut geeignet zur unmittelbaren Machtausübung des Kaisers und für eine starken Herrscher wie Hongwu, weniger sinnvoll bei schwachen Kaisern.
1374 wurde unter Hongwu das erste Papiergeld der Ming auf den Markt gebracht, reines Fiat-money, das nicht gegen Gold, Silber oder andere Tauschmittel einzutauschen war.
Der Wert dieses Papiergelds unterlag also immer Zwangsmaßnahmen, der Regulierung und Manipulation durch den Staat und nicht volkswirtschaftlichen Prinzipien – ein Umstand, den die konfuzianisch-ausgebildete Beamtenschaft kaum begriff.
Aber das ist heute ja auch nicht anders!
Die unzureichenden Staatsfinanzen stellten später einen gewichtigen Faktor beim Untergang der Ming-Dynastie dar.
Und auch das wird heute nicht anders sein!
Inflationäre Tendenzen setzten sich so in der Ming-Zeit zwangsläufig fort, weshalb 1450 der Neudruck von Banknoten ausgesetzt wurde. Erst 1643 druckte man wieder neue Banknoten, ein Jahr vor dem Ende der Ming-Dynastie.
Ab dem 15. Jahrhundert strömte dafür verstärkt Silber aus Japan und anderen überseeischen Staaten ins Land.
Steuern konnte man schon früh so ca. ab 1423 in Silber bezahlen.
Mit den Spaniern und Portugiesen wurde Silber dann in größeren Mengen aus Südamerika importiert, die Spanier hatten ja 1564 auf den Philippinen Fuß gefasst.
Über ihren Stützpunkt Manila importierten sie das Silber aus Mexiko und den Anden in Form von 4 und 8 Reales-Münzen nach China, um dort die begehrten chinesischen Waren zu erhalten. Spanischen Münzen wurden unter der chinesischen Bezeichnung „benyang“ (= Standard-Piaster) eine häufige Erscheinung. Es gab chinesische Handbücher, in denen die fremden Münzen abgebildet und Informationen zu deren Sollgewicht und Silbergehalt niedergeschrieben waren.
Silber war auch in Form von Barren zu einem Liang in Umlauf, wenngleich das tatsächliche Gewicht wie auch die Reinheit des Metalls regional differieren konnte.
Die Europäer verwendeten anstelle von Liang den Ausdruck Tael.
So lieber , hier sind wir jetzt nach langer Reise endlich beim Tael angelangt!
Das Wort Tael leitet sich über das Portugiesische von dem malaiischen Wort tahil her, das so viel wie "Gewicht" bedeutet. Auf Thai heißt es ตำลึ [tamlɯŋ]. Ein älterer Name für das Tael als Silberbarren war auch Paes ("Brot").
Die Begriffsverwirrung über die chinesischen Währungsbegriffe war in ausländischen Büchern so groß, dass der Autor Justus Scheibert zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen der Begriffsverwirrung eine „genaue“ Definition gibt:
"Das Tael ist nichts anderes als ein ‚Begriff‘, und noch dazu ein schwankender; in jeder Provinz, ja fast in jeder Stadt berechnet man seinen Wert verschieden und überdies hängt der letztere im internationalen Verkehr auch von dem jeweiligen Preise des Silbers ab.“
Scheibert beschreibt auch, wie die chinesischen Kaufleute mit großer Geschicklichkeit mit einer großen Schere je nach Preis von den Silber-Tael-Barren abschnitten, und das Silber dann zum Wechsler zum Wiedereinschmelzen brachten.
Den Wechslern schreibt man übrigens beim Hantieren mit der Waage eine noch größere Geschicklichkeit zu, als den eh schon sehr geschickten Kaufleuten beim Abschneiden des Silbers.
Der Tael sollte 1000 Käsch entsprechen, „verschnitten“ wurden die Tael-Barren aber gelegentlich mit wertminderndem Antimon.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hatten 10 mexikanische Pesos einen Gegenwert von 7,2 Tael.
Insgesamt gab es rund 170 verschiedene Taels, mit jeweils unterschiedlichem Gewicht, z.B. Kanton-Tael (= Hongkong-Tael), den Shanghai-Tael, den Kuping-Tael, den Tientsin-Tael und eben ca.166 andere Taels.
Das Regierungs-Tael hieß auch Haikwan-Tael da mit dieser Geldeinheit alle Zölle (chinesisch: haiguan) entrichtet werden mussten.
1 Tael war:
= 10 Qian
= 100 Fen
= 1000 Li
= 37,78 g,
= 34,246 g (Shanghai),
= 33,387 g im Außenhandel auf Basis des Peso.
Auf den Wert des silber-basierten Haikwan-Tael gegenüber gegenüber anderen Währungen komme ich später noch.
Nominell wurde der HKT am 1. Februar 1930 abgeschafft.
In verschiedenen Ländern wird das Tael heute noch als Maßeinheit verwendet, so entspricht das moderne Tael beispielsweise in Festlandchina exakt 50 g, in Hongkong, Singapur, Malaysia, Vietnam, und Taiwan 37,xxxx g, die xxxx sind je nach Land unterschiedlich offenbar.
So nun soll es genug für heute sein, jetzt habe ich die Mitleser genug strapaziert, und mir dröhnt auch der Kopf.
Geld und Qing-Dynastie + die zwei Opiumkriege +Boxeraufstand + 20 Jahrhundert folgen.
Bleibt die Baltenweisheit des Tages, gerade gedichtet:
Von Tael in Silber träum ich in der Nacht,
denn Silber das Vermögen stets bewacht!
Vom Fiat-money möcht ich nicht mehr dichten,
gab dazu hier viele spannende Geschichten,
der Bürger sollte lieber schnell verstehen:
das Fiat-Geld, es wird bald untergehen!
Peace, sisters and brothers!
Bild von pixabay
Quellen:
http://muenzenwoche.de/de/Chinesische-Geldgeschichte-1--Vom-Tauschhandel-zur-Geldwirtschaft/8?&id=315&type=a
http://muenzenwoche.de/de/Chinesische-Geldgeschichte-2--Der-Kaesch/8?&id=317&type=a
http://muenzenwoche.de/de/Chinesische-Geldgeschichte-3--China-erfindet-das-Papiergeld/8?&id=319&type=a
https://www.welt.de/geschichte/article153651720/Schon-mit-dem-ersten-Papiergeld-kam-die-Inflation.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Cash
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4sch
https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_W%C3%A4hrung
http://sammler.com/mz/china_muenzen.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Greshamsches_Gesetz
https://de.wikipedia.org/wiki/Goldverbot
https://de.wikipedia.org/wiki/Song_Zhenzong
https://www.nbbmuseum.be/de/2007/09/chinese-invention.htm
http://www.businessandmore.de/wirtschaft-und-finanzen/item/112-geschichte-des-geldes-woher-stammt-das-papiergeld?.html
http://der-chinese.com/erfindungen-aus-china/
http://www.ekritik.de/html/wie_entstand_das_papiergeld_.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie
http://www.wissen.de/bildwb/fruehkapitalismus-die-entstehung-eines-neuen-wirtschaftssystems
https://www.weltbild.de/artikel/buch/der-reichste-mann-der-weltgeschichte_21210075-1?origin=pla&wea=8064235&gclid=EAIaIQobChMI9bCI_v232QIVDSjTCh1KYQAlEAQYAiABEgJYqvD_BwE
https://de.wikipedia.org/wiki/Tael
https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie
https://de.wikipedia.org/wiki/Ming-Dynastie
https://sites.google.com/a/wpsstudents.org/civilisations-project-2014-ming-dynasty/government-and-politics
https://de.wikipedia.org/wiki/Gaichatu
https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Fanakati
https://de.wikipedia.org/wiki/Hongwu