Vor kurzem ging die Nachricht um die Welt, dass der Gründer einer kanadischen Kryptobörse verstorben sei und die Schlüssel für die Cold-Wallet seiner Börse mit ins Grab genommen habe. Es stellte sich zwar nach kurzem heraus, dass sein Tod in Indien nur vorgetäuscht sei und die Cold-Wallet-Adressen nach seinem angeblichen Ableben abgeräumt wurden.
Aber trotzdem wirft dieses Ereignis einige Fragen auf und sollte Anlass sein, sich damit zu beschäftigen, wer wie über diese Vermögenswerte verfügen können soll, aber nicht schon vor dem Ableben des ursprünglichen Eigentümers. Mangels Intermediären bzw. vertrauensvollen Intermediären muss man sich überlegen, wie nach dem eigenen Tod oder vielleicht auch beim Auftreten einer schweren Krankheit oder Behinderung Angehörige an die Vermögenswerte herankommen und darüber verfügen können (sollen).
Warum eine Krypto-Nachfolgeregelung?
Stellen Sie sich vor ...
- Sie liegen im Krankenhaus im Koma und für Ihre professionelle Behandlung wird zusätzliches Geld benötigt, welches derzeit nicht verfügbar ist. Ihre Angehörigen wissen zwar, dass Sie Kryptowährungen besitzen, aber weder wo noch wie sie darauf zugreifen können.
- Sie haben in Ihrem Testament für Ihre Erben die privaten Schlüssel hinterlegt, damit Ihr Vermögen auch wirklich bei Ihren Erben ankommt. Was ist aber, wenn Ihr Bankschließfach mit Ihrem letzten Willen nicht mehr zugänglich ist? Was ist, wenn Schriftstücke aufgrund eines Wasserschadens oder eines Einbruchs nicht mehr einsehbar sind? Was ist, wenn der Notar oder einer seiner Bediensteten den Inhalt Ihres Testaments eigenmächtig liest und die Kryptos bereits jetzt oder vor Ihren Erben abverfügt?
- Was ist, wenn Ihre Begünstigten zwar die Informationen über Ihre Schlüssel erfolgreich erhalten, aber den privaten Schlüssel in Verbindung mit einem Hilfegesuch in einem Internetforum posten? Oder Sie einem Dritten überlassen, der vorgibt zu prüfen, was damit ist? Wissen Ihre Begünstigten genau, wie sie an Ihre Krypto gelangen? Wissen Ihre Begünstigten, dass Hardware-Wallets keine normalen USB-Sticks sind oder dass Wallet-Software auf Ihrem Computer nichts für Fremde ist? Und wissen Ihre Begünstigten überhaupt, wie sie an Ihre Kryptos gelangen und wie sie mit den Wallets und Börsenzugängen umzugehen haben? Wie verhält es sich mit Zweifaktor-Authentifizierung (2FA) bei vielen Webdiensten? Gibt es das Handy und die 2FA-Schlüssel noch? Haben die Begünstigen darauf Zugriff? Häufig wird bei einer IP-Adressänderung per E-Mail nachgefragt. Haben die Begünstigten auf Ihre E-Mail-Adressen noch Zugriff? Wie verhält es sich mit den Antworten auf die Sicherheitsfragen? Haben Sie sich die Antworten notiert und an die Begünstigten übergeben?
Wie ist der Weg zum Bitcoin-Testament?
Wer soll erst nach Tod, Invalidität oder Krankheit wie Zugriff auf welche Krypto-Assets erhalten? Und was benötigt er dazu?
Es ist daher wichtig:
- Wie speichert man am besten Krypto-Assets?
- Wie dokumentiert und inventarisiert man die Kryptos? Welche steuerlichen Anforderungen sind hierbei zu beachten?
- Wie sollte man die Vererbung von Kryptos grundsätzlich regeln?
- Wie sollte der Zugriff auf Kryptos bei Krankheit und Invalidität geregelt werden?
- Wer benötigt welche Zugangsdaten und welche Kenntnisse, um Zugriff zu erhalten?
- Welche Hard- und Software ist darüber hinaus noch erforderlich?
- Wo liegen die Wallets und wo die Zugriffsdaten?
- Wie ist sichergestellt, dass die Begünstigten nicht schon früher Zugriff auf Ihre Kryptos erhalten?
Schritt EINS
Aber am Anfang der Überlegungen und der Vorbereitung auf eine spätere Übergabe steht diese Aufgabe:
- Anfertigen einer strukturierten Übersicht aller Krypto-Assets
Wie man das machen kann, darauf gehe ich in einen späteren Artikel ein.