Alle kennen das böse kleine Männchen das, aus Östereich eingewandert, in den 30er Jahren in Deutschland Karriere machte.
Weniger geläufig ist den meisten die Story einer Frau, die genau wegen diesem bösen kleinen Männchen Östereich in den 30ern verließ. Allerdings Richtung England und dann weiter nach Amerika.
Bei dieser Frau handelte es sich um die 24 jährige Hedwig Eva Maria Kiesler aus Wien.
[Foto L.A. Times]
Hedwig wurde 1914 in Wien in die wohlhabende, jüdische Kiesler Familie geboren. Schon früh wurde ihr künstlerisches Talent gefördert, sie erhielt u.a. Sprach-, Ballet- und Klavierunterricht. Und schon als Teenager beeindruckte sie (vor allem die Männer) durch ihre außergewöhnliche Schönheit.
All das brachte sie schnell zum Film, und schon mit 17 hatte sie eine Hauptrolle an der Seite von Heinz Rühmann und Hans Moser, in "Man braucht kein Geld" von 1931. Einen Skandal verursacht sie mit dem Film "Ekstase / Synphonie der Liebe" von 1933 - in dem sie minutenlang nackt im Wald herumlief und auch noch einen Orgasmus vorspielte.
Hinzu kam noch eine unglückliche Ehe mit einem östereichischen Industriemagnat, der ein Kontrollfreak war.
Dies, sowie der zunehmende Antisemitismus im Grossdeutschen Reich veranlaßten sie nach ihrer Scheidung Österreich zu verlassen und nach London zu gehen. Dort wurde sie von Louis B. Mayer (von MGM) unter Vertrag genommen und ging nach Hollywood, wo sie unter dem Namen Hedy Lamarr einschlug wie eine Bombe. In dem Film "Algiers" von 1938 war sie eine Sensation und alle wollten von nun an aussehen wie Hedy Lamarr.
Nun könnte man denken, das all dies nicht so außergewöhnlich ist. Hollywood Diven gab es in den 1930ern zu hauf, und alle galten als die schönste, oder zumindest zweitschönste Frau der Welt. Hedi Lamarr jedoch hatte noch mehr zu bieten: sie hatte seit jeher eine technische Begabung, schon in Östereich hatte sie etwas zum Patent angemeldet.
Nach Kriegsbeginn begann sie in den USA an verschiedenen Ideen zu arbeiten, die zur Verschlüsselung von Funksignalen dienen sollten. Nicht alles war bahnbrechend, manches auch nicht praxistauglich, aber eine Idee von ihr hat dauerhaft die Funktechnik beeinflußt: das sogenannte "Frequency hopping". Hierbei wechseln Sender und Empfänger synchron die Sendefrequenz, was ein Abhören sehr schwierig macht. Sogar heute noch wird dieses Prizip verwendet, zB. auch in Bluetooth und WiFi Übertragungen.
Während des Krieges machte ihre wissenschaftlich-technische Arbeit Hedy Lamarr in den USA zur Propaganda Ikone. Die Hollywood Schönheit, aus dem Nazi Reich geflohen, verhilft der freien Welt zum Sieg durch technische Überlegenheit - das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse damals.
In den 50er Jahren wurde es zunehmend ruhiger um Hedy Lamarr, sie hatte 1958 ihre letzte Filmrolle. Sie lebte dann längere Zeit zurückgezogen in ihrem Haus in Florida, bis zu ihrem Tod im Jahr 2000.
Sicherlich eine ungewöhnliche Lebengeschichte einer ungewöhnlichen Frau in ungewöhnlichen Zeiten, und dennoch nur wenig bekannt.
Euch allen noch einen guten Start ins (hoffentlich bessere) neue Jahr,
Euer