Haltet es alles fern von mir!
Berichte über den Klimawandel. Über Konflikte. Über Politik. Über Europa. Über Finanzkrisen. Über Flüchtlinge und Glaubenskriege. Über Armut. Über Ungleichheit.
Haltet es fern von mir.
Ich lebe in einer modernen Welt. Einer Welt der Technologie. Ich habe alles. Ich habe ein Dach über dem Kopf, Kleidung am Leib, Strom, warmes Wasser, ein Handy.
Ich habe Facebook und Instagram und Youtube. Meine Welt ist modern und bunt.
Die Wirtschaft in dem Land, in dem ich lebe, wächst.
Okay, ich habe das Gefühl, die Politik tut nicht genug. Irgendwie wirkt alles oberflächlich. Und ich habe Angst, zu verlieren, was ich besitze.
Außerdem habe ich noch ganz andere Probleme: das Haus muss renoviert werden, die Kinder brauchen Hilfe bei den Hausaufgaben, ich muss die Wäsche waschen, ich muss arbeiten gehen.
Wenn ich nur endlich auch in den Ferienzeiten Kinderbetreuung hätte! Damit ich mir keine Sorgen machen muss, wer auf die Kinder aufpasst, wenn ich bei meinem Teilzeitjob bin.
Es ist alles so schon schwer genug. Ich will mir nicht auch noch Sorgen um die Probleme der Welt machen müssen. Was habe ich da schon für einen Anteil dran? Ich versuche doch nur über die Runden zu kommen.
Die da oben machen doch sowieso, was sie wollen.
Ständig läuft im Fernsehen irgendeine Doku über den 2. Weltkrieg oder die DDR. Und die vermeintlichen Lehren daraus. Oder schmelzende Gletscher und ertrinkende Eisbären. Was habe ich damit zu tun?
Haltet es fern von mir. Ich kann doch nichts daran ändern.
Ich will nicht darüber nachdenken, ob alle Dinge auf der Welt zusammenhängen und wie sie das tun. Ich will nicht wissen, welchen Part ich dabei spiele.
Morgen muss ich ja auch wieder auf Arbeit. Und für meine Kinder sorgen. Damit es ihnen in Zukunft gut geht.
Der Zukunft, von der ich will, dass man sie von mir fernhält.
(Ich weise hiermit ausdrücklich auf den inneren Widerspruch der letzten beiden Sätze hin - mir scheint, der Text wurde teils falsch verstanden)