Vorabinfo: Auch auf die Gefahr hin, bei dem ein oder anderen hier in Missgunst zu geraten, halte ich die Thematik um den Gender Pay Gap für so relevant das ich meinen Senf dazugeben muss.
Mir ist durchaus bewusst, dass wir von einer fairen Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau auch in Deutschland noch entfernt sind. Beide Geschlechter erfahren durchaus Diskriminierung.
1. Einleitung
Was ist dieser Gender Pay Gap? Der Gender Pay Gap (folgend GPG genannt) beschreibt die Differenz des durch. Brutto Stundenlohn von F. und. Männern und wird in Prozent Angegeben Beispiel: Wenn Herbert 1 Stunde Arbeitet bekommt er 100% (1 Euro) und Lisa nur 98% (98 Cent) Man unterscheidet zwischen bereinigtem und Unbereinigtem Gender Pay Gap. (Siehe 2.)
2.Bereinigter und Unbereinigter GPG
2.1 Unbereinigter Gender Pay Gap
Der Unbereinigte GPG setzt sich aus dem direkten Vergleich zwischen Mann und Frau zusammen. Das Branchen spezifische LohnniveauI wird bei der Berechnung ebenso wenig berücksichtigt, wie der Qualifikationsunterschied oder der Anteil von Teilzeitarbeit. So ist es zB. So das Frauen eher in sozialen Berufen arbeiten und diese Generell Schlechter bezahlt werden. Der Unbereinigte GPG liegt laut Analysen bei rund 22%
2.2 Der bereinigte Gender Pay Gap
Der bereinigte Gender Pay Gap bezeichnet die prozentuale Lohndifferenz zwischen Mann und Frau bei gleicher Qualifikation und vergleichbarer Tätigkeit. Bereinigt beträgt der Gender Pay Gap laut Analyse des Statistischen Bundesamtes von 2014 ca. 6% wobei hier anzumerken ist das entscheidende Lohnrelevante EinflussfaktorenII wie zB. Familiär bedingte Erwerbsunterbrechungen (Mutterschaft oder pflege von Angehörigen) nicht in die Analyse mit einbezogen wurden. Laut einer Analyse vom IWKöln welche mit Hilfe des Sozio-ökonomische PanelsIII durchgeführt wurde liegt der bereinigte GPG bei ca. 2% hier wurden auch Erwerbsunterbrechungen mit einbezogen. Die Lohndifferenz von 2-7 Prozent lässt sich nicht eindeutig klären, mögliche IndikatorenIV sind allerdings Mutterschaft der Frau, Infrastrukturelle ProblemeV (Keine Ganztags Kita) oder Sozialisations bedingte Faktoren wie etwa das schlechtere Abschneiden bei Gehaltsverhandlungen. (Siehe 4.2)
3.GPG als Kampfbegriff in der Politischen Rhetorik
3.1 Politik
Unter anderem war zu Wahlkampfzeiten ein Plakat von Martin Schulz (SPD) zu sehen auf dem folgendes zu lesen war: „Wer als Frau 100% leistet darf nicht 21% weniger verdienen“ Was per se richtig ist, faktisch allerdings falsch. Da Schulz, bzw. die SPD sich hier auf den Unbereinigten GPG beruft, welcher eben NICHT die gleiche Leistung widerspiegelt. An diesem Beispiel wird deutlich, das hinter dem Ruf nach „Gerechtigkeit“ oft auch pol. Interessen stehen.
3.2. Anekdotische EvidenzVI
Ein (zumindest von mir) oft gehörter Satz ist: „Meine bekannte xy Arbeitet bei der gleichen Firma mit der gleichen Qualifikation etc. und verdient trotzdem weniger.“ PrämisseVII: „Eine Frau die ich kenne verdient weniger als ein Mann“ Mögliche KonklusionVIII: „Viele Frauen werden Ungerecht behandelt bzw. bezahlt“ Wenn es um Ungleichheit geht bestimmt Emotionalität oft zu Ungunsten von Rationalität die Debattenkultur, was zu einigen Logischen Fehlschlüssen führen kann. Als Beispiel wäre hier die Anekdotische Evidenz zu nennen, welche simpel ausgedrückt besagt: „ich kenne jemanden, der …“, „ich weiß von einem Fall, wo ...“ Das Problem hierbei ist, das es sich um eine InduktionsproblematikIX handelt, sprich von einem wird auf alle geschlossen. Solche Thesen sind nicht nur Argumentativ schwach, sondern auch wissenschaftlich meistens nicht nachweisbar.
4. Ursachen für den Gender Pay Gap
4.1 ArbeitsmarktsegregationX
Eine Ursache für den GPG ist das „Frauentypische“ berufe wie Erzieher*in etc. tendenziell schlechter Bezahlt werden. Ebenfalls fand man 2013 bei der Datenauswertung des Sozio-oekonomischen Panels heraus das sowohl Männer als auch Frauen in weiblich konnotiertenXI Berufen eine monetäreXII Abwertung erfahren. Frauenberufe sind, so die Konklusion nicht deshalb schlechter bezahlt weil sie von Frauen ausgeübt werden sondern weil sie Arbeitsinhalte beinhalten, welche man eher Frauen zuschreibt. Hier spielt also eher das gesamtgesellschaftliche Bild der Frau und vom Arbeitswert der Frau eine Rolle, als das Geschlecht.
4.2 Kompetenzeinschätzung
Eine Amerikanische Studie belegt das Frauen bei Bewerbungsschreiben grundsätzlich als weniger Kompetenz zugeschrieben wird, sowohl von Männern als auch von Frauen. Was einen Hinweis darauf gibt, das das Rollenbild der Frau gesellschaftlich betrachtet immer noch mit mangelnder Kompetenz konnotiert wird. Weitergehend wird festgestellt das Frauen bei Gehaltsverhandlungen in der Regel „niedriger pokern“ als ihre männlichen Pendants.
4.3 Bildung und Berufswahl
Grundsätzlich ist davon auszugehen das Frauen eher zu „typisch weiblichen“ Berufen neigen. Die Ursachen hierfür liegen unter anderem sowohl in den Sozialisationserfahrungen der Frau, als auch am Soziokulturellen WertekanonXIII der Gesellschaft.
4.3. Familie und Privatleben
Ein weiter Faktor für die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau ist die Aufgabenverteilung in der Familie. Die Tatsache dass in unserer Gesellschaft Familie und Haushalt weitgehen als „Frauensache“ gesehen wird, hat zur Folge dass sich Frauen oft zu Ungunsten ihrer Karriere in Teilzeitarbeit begeben. Allerdings werden im Umkehrschluss stimmen laut dass es Männern grundsätzlich schwerer gemacht wird in Elternzeit zu gehen umso mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Auch dies lässt sich, zumindest meiner Meinung nach auf gesellschaftliche Rollenbilder zurückführen. Zusätzlich ist anzumerken, dass es Müttern welche a) Entweder Teilzeitbeschäftigt sind während ihre Kinder noch sehr jung sind oder b) aufgrund von Schwangerschaft aus dem Job ausscheiden entsprechend schwer fällt wieder in eine Vollzeitstelle zurückzukehren.
5. Abschluss
Abschließend ist zusagen, das eine gleichwertige Bezahlung von Mann und Frau bei gleicher Arbeit, gleich langem Beschäftigungsverhältnis und gleicher Qualifikation durchaus gewährleistet ist. Sozialisationsfaktoren, Rollenbilder und teils auch nachteilige Infrastrukturelle Verhältnisse immer noch zu einem geringfügigen (in diesem Fall von 2-6 % je nach Institut) Ungleichgewicht führen.
Ist der Gender Pay Gap nun eine Lüge oder nicht?
Nein, der GPG ist keine Lüge. Er ist wie bereits erläutert real existent.
Allerdings a) nicht so hoch wie er zb. in der Politik als Kampfbegriff geführt wird.
und b) grade bei uns in Deutschland im Vergleich zu anderen ländern "relativ" niedrig
Glossar:
I Branchen spezifisches Lohnniveau: Der Lohn, welcher in einer Branche durchschnittlich gezahlt wird.
II Lohnrelevante Einflussfaktoren : Ursachen die einen Einfluss auf den Lohn haben
III Sozio-ökonomisches Panel: Das Sozio-oekonomische Panel ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung von über 12.000 Privathaushalten in Deutschland. Die Befragung wird im jährlichen Rhythmus seit 1984 immer bei denselben Personen und Familien (= stets demselben Panel) durchgeführt. Die befragten Personen und Familien wurden „zufällig“ ausgewählt, so dass sie die in Deutschland lebenden Menschen repräsentieren.
IV Indikator : Eine art Hinweis auf einen Sachverhalt
V Infrastruktur: alle Elemente, die für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar sind, zum Beispiel das Verkehrsnetz.
VI Anekdotische Evidenz: Der Begriff anekdotische beinhaltet eine genaue Beschreibung eines spezifischen Beispiels oder Falls, der oftmals die Meinung bzw. Erfahrung des Beschreibenden widerspiegelt. Diese Fallbeschreibungen sind weder statistisch noch auf andere Weise wissenschaftlich nachprüfbar, oftmals unzuverlässig und gelten daher als problematisch.
VII Prämisse: Annahme
VIII Konklusion: Schlussfolgerung
IX Induktionsproblematik: bezeichnet das Problem das man nicht anhand von Einzelfällen auf ein generelles Gesetz schlussfolgern kann.
X Arbeitsmarktsegregation: Arbeitsmarktsegregation bedeutet die Wahl und Ausübung bestimmter Berufe vorwiegend von Menschen mit bestimmten Merkmalen auf dem Arbeitsmarkt.
XI Konnotiation: Bewerten oder in Verbindung bringen
XII Monetär: das Geld betreffend
XIII Soziokultureller Wertekanon: Die gemeinsamen sozialen und kulturellen Werte. (Hier einer Gesellschaft)
Quellenverzeichnis:
Claudia Finke: Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen 2006 Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2010, vgl. 10.
Wo liegen die Ursachen?. Europäische Kommission
SPD-Wahlplakat übertreibt Lohnlücke für Frauen
Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?
Drei Viertel des Gender Pay Gap lassen sich mit Strukturunterschieden erklären
OECD-Beschäftigungsausblick – Ausgabe 2008 Nur 2% Gehaltsunterschied IW Köln: und hier
Weiterführende Links:
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