- Eine kultursoziologische Betrachtung von Sitzgelegenheiten -
Die meisten Bänke erscheinen auf den ersten Blick
ganz selbstverständlich.
Sie gelten als selbstversändliches Beiwerk im Straßenbild.
Sie beehren uns mit ihrer Anwesenseit,
ganz dezent und unscheinbar.
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Bänke sind oft Orte wo Menschen
innehalten,
pausieren,
wahrnehmen,
memorieren,
sich austauschen,
begegnen, ...
Bänke haben oft auch symbolische Bedeutung.
Sie sind mit Begegnungen und Erlebnissen verbunden.
Auf ihnen können Freude, Glücksmomente, Trauer,
Fassungslosigkeit, Besinnung, ... erlebt werden.
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Zuweilen begegnen uns unterschiedliche Arten
von Bänken im Alltag.
Zu unterschiedlichen Zeiten,
je nachdem wie wir emotional aufgelegt sind
und wie unsere Verfassung ist, nehmen wir auf
anderen Bänken unseren Platz ein.
(1) Die Bank in der Stadt
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In der Stadt platziert man sich ganz ahnungslos auf
einer Bank. Jedoch sieht man sich hier im urbanen Umfeld
ganz unverhofft einigen Extrembedingungen ausgesetzt.
- Oft wird man von netten Leuten nach Unterschriften
gefragt, die an irgendwelche Organisationen
weitergegeben werden. - Mitleiderregende Leute fragen einen nach
Geldmitteln zur allseitigen Verwendung. - Hat man zufällig einen Zeitpunkt erwischt, an dem
sich ein Demonstrationszug an der Bank vorbeibewegt,
so ist man ganz in die städtische Gemeinschaft
eingebunden.
Auf einer Bank in einer Fußgängerzone zu sitzen
bedeutet, dass man in den schnellen, effizienten Zeittakt
der Stadt eingebunden ist.
Bildlich gesprochen wäre diese Bank vergleichbar mit
eine Sitzmöbel, welches sich gerade vor den Toren
der Stadt Minas Tirith stünde.
Man hätte den erhabenen Ausblick auf
die beiden Heere von Gondor, mitsamt deren Verbündete
und die Truppen von Sauron.
Um einen herum fängt es sinnbildlich an zu brodeln,
aber man ist auf die freundliche Begegnung gespannt.
(2) Die Bank in einem Touristenort
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Wählt man in einer Hochburg des Tourismus als
vorübergehende Kurzweil, so sieht man sich
einem unverhofften Stellungskrieg ausgesetzt.
Ganz diffus nimmt man in den Augenwinkeln
einen Kampf um den besten Platz wahr.
Die touristische Flaniermeile wird zur
symbolischen Rennbahn, wenn man
einen der seltenen freien Plätze erspäht hat.
Hat man nach langem Suchen einen dieser
begehrten Plätze erwischt, so wird
man argwöhnisch beäugt, wann dieser
endlich wieder frei wird.
Würde im Hintergrund die Filmmusik vom
Weißen Hai laufen, so wäre dies keine
Überraschung.
Glücksmomente beschleichen einen dann,
wenn eine Gruppe im Rahmen einer Stadtführung
die Bank belagert und man den theatralischen
Ausführungen der Touristendompteure andächtig
lauschen kann.
(3) Die Bank auf dem Dorf
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Auf dem Dorf ist alles noch in Ordnung.
Die Bank steht unter der Linde. Viele Einheimische
treffen sich hier und tauschen sich über die
neuesten Ereignisse aus.
Man kann eine ganz eigene Gemeinschaft erleben.
Wenn die Müllers nicht ihr Laub zusammengekehrt
haben oder wenn sich die Familie Schmitz einen neuen
Rasenmäher angeschafft haben, alles wird erörtert.
Man bekommt mit, wann Sören seinen ersten
Milchzahn verloren hat.
Das ultramoderne Pflaumenkuchenrezept aus der
Molekularküche wird ausgetauscht.
Hat man den Einstieg in die Dorfgemeinschaft als
Neuling geschafft, so kann man sich beruhigt
auf der Bank unter der Dorflinde niederlassen.
(4) Die Bank an einem Aussichtspunkt
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Hat man eine Bank erwischt, die einem einen
wunderbaren Fernblick eröffnet, so kann man
seine Seele baumeln lassen.
Eine innere Einkehr ist möglich und man bekommt
neue Ideen.
Mit einem prosaischen Memorieren über die kommende
Steuererklärung wird das Herz beflügelt.
Liebliche Düft ergänzen den Panoramablick.
Die liebliche Atmosphäre kann jedoch jäh
gestört werden durch entusiastische,
voller Elan geladene Wandergruppen.
Aus ist es mit der Stille und den besinnlichen
Momenten.
Man könnte nun meinen, man befände sich
unter Sarumans Truppen.
(5) Die Bank vor dem Haus
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Eine Bank vor dem Haus an einer wenig
befahrenen Straße ist was Feines.
Man begrüßt sich und wünscht sich
eine gute Zeit.
Die Vorbeikommenden werden zum
Gespräch eingeladen.
Man kommt leicht in Kontakt zu anderen
Leuten.
Dies ist praktisch Steemit offline.
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Welche Bänke fallen Euch noch ein?
Welche Besonderheiten haben diese Ruheorte?
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(Die Bilder sind von mir. Ich habe sie selbst fotografiert.)