Das von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe bewohnte und in Brand gesteckte Haus in Zwickau. Foto: André Karwath aka Aka (Own work), CC BY-SA 2.5, Wikimedia Commons
Immer klarer wird, dass der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund nicht an der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter beteiligt war. Vielmehr wurden in Tatortnähe über ein Dutzend Geheimagenten registriert – darunter auch US-Amerikaner.
von Jürgen Elsässer
Hat der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) am 25. April 2007 in Heilbronn einen Mord begangen, der sich von allen anderen ihm zugeschriebenen Tötungsdelikten unterscheidet? Hat er, nach angeblich neun Morden an Migranten, eine deutsche Polizistin umgebracht? Hat er dabei, nach neunmaliger Verwendung einer tschechischen Ceska-83, eine russischen Tokarev und eine polnische Radom Vis eingesetzt?
Die stärkste Entlastung für das NSU-Trio kommt von dem Polizisten Martin Arnold, der das Verbrechen nach Schüssen in den Kopf schwerverletzt überlebt hat. Schon 2008 wurde er im Zuge der Ermittlungen durch eine Psychologin unter Hypnose befragt. Er schilderte, wie die Geschehnisse vor der Tat waren, und wie er und seine Kollegin mitbekamen, dass sich von hinten zwei Männer ihrem Einsatzfahrzeug näherten. Zuerst sei ihm auf seiner Seite ein Mann aufgefallen. Michèle Kiesewetter sagte seiner Erinnerung nach, dass jemand wohl eine Auskunft wolle, da fiel ihm auf, dass auf ihrer Seite auch ein Mann kam, den er von der Armbehaarung her als älteren, dunklen Typ beschreiben würde. Die Person auf seiner Seite sei auch
von dunklem Typ gewesen, etwa 170 bis 180 Zentimeter groß und normal gebaut. Auch eine Täterskizze
wurde in Zusammenarbeit mit Martin Arnold erstellt, aber er «sträubte sich vehement gegen die Veröffentlichung des Phantombildes. Sollte das Bild herausgegeben werden, wolle er Deutschland ”sofort
und für immer” verlassen». Der Staatsanwalt entschied, dass das Bild gegen den Willen der Sonderkommission nicht veröffentlicht werden dürfe. Er ersparte den späteren NSU-Anklägern damit eine
Blamage, denn: «Der Mann auf der Skizze hatte keinerlei Ähnlichkeit mit den mutmaßlichen Mördern Böhnhardt und Mundlos.» (Focus 31/2012) Mittlerweile wurde das Bild freigegeben, es findet sich auf
Seite 42 als letztes in der Sammelleiste. Zu sehen ist ein eher südländischer oder orientalischer Mann.
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