Hi Steemies,
ich möchte euch heute mit nach Indien mitnehmen und hoffe euch gefällt meine Reisegeschichte.
Es passiert mir nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal ist es echt heftig, was mich an Gegenwind vor meinem Trip erwartet. Gerade als ich ausgeplaudert hatte, dass ich in den Norden Indiens reisen würde, wurde ich wieder überflutet mit Hinweisen aus dem Freundeskreis: „Das kannst du alleine nicht machen, du weißt doch was dort mit Frauen gemacht wird.“, „Ist dir eigentlich klar wie dreckig Indien ist? Nimm bloß einen Backpack mit, sonst rollst du mit dem Koffer durch Müll und Kuhkacke." "Du mußt dich da nacht sogar im Hotel verbarrikadieren." "Ich würde nie nach Indien reisen, da liegen doch die Toten auf der Straße."
Und das obwohl ich als Frau alleine nach Südafrika ausgewandert bin, backpack in Latainamerika unterwegs war und selbst als ich in Honduras gereist bin, was als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt, hatte ich nicht mit so heftigen Reaktionen zu kämpfen. Ja sogar meine Mum, die sich auf keiner meiner bisherigen Reisen irgendwie Gedanken gemacht hat, bestand auf einen Notfallkontakt und regelmäßige Standortnachrichten.
Ich weiß, dass Warnungen vom Auswärtigen Amt ernst zu nehmen sind, oft meiner Erfahrung nach aber nicht die Situation als Reisender im Land abbilden und man diese sehr differenziert betrachten muss. So denke ich auch über Inden, denn warum sollte es da anders sein?
Als Frau ist es mir natürlich wichtig, sicher zu reisen und Vorkehrungen zu treffen. Das führte dann auch dazu, dass ich die Suchmaschine anwarf und „Reisesicherheit Indien“ eintippte. Ich las dann die offiziellen Seiten des Auswärtigen Amtes, jede Menge Newsmagazine und Erfahrungsberichte auf Blogs.
Und anstatt mich das beruhigte fühle ich mich durch die ganzen Horromeldungen sogar noch in den Kommentaren meiner Freunde bestätigt. Ich bekam richtig Angst, aber absagen wollte ich meine Reise dennoch nicht. Also beschloss ich Vorkehrungen zu treffen, die es mir möglich machen sollten, sicher zu reisen.
Erstmal ließ ich eine Menge Geld in der Apotheke, um mich mit der für Indien wohl nötigen Medizin einzudecken. Dazu gehörten Notfallsets, jede Menge Tabletten und sogar Einwegspritzen. Das alles kostete mich ein Vermögen! Noch nie hatte ich für eigendeine Reise so viel Gesundheitsmittel angeschafft.
Aber das war noch nicht alles. Angestiftet durch verschiedenen Ratgeber orderte ich online Alles was mir zu meiner Sicherheit dienen sollte: Türstopper mit Sirene, Trillerpfeife, Schloss und sogar eines dieser Survivalarmbänder. Auch alles Utensilien, die ich noch nie zuvor irgendwohin mitgenommen hatte.
Weil mir dramatisch beschrieben wurde, das Unmengen an Kuhkacke auf Indiens Straßen liegen und man quasi immer durch Müll steigt, war es mir auch zu eklig meine Reisetasche mit Rollen mitzunehmen. Ich packte also um in meinen ungeliebten Backpack!
Mit all diesen Einkäufen und Rucksack bepackt machte ich mich also auf nach Neu Delhi. Meine Mutter war mit dem gewünschten Notfallkontakt gewappnet und für Freunde hatte das Positionstracking auf Google freigegeben.
Wohl gefühlt habe ich mich dennoch nicht. Immer wieder grübelte ich über Vorsorgemaßnahmen, Sicherheit als Frau und vermeintliche Hinweise während ich im Flieger nach Indien saß.
In Delhi angekommen und auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel hatte ich mir ein Taxi genommen und zweifelte, ob ich langsam hysterisch geworden war oder meine Freunde mir von einem anderen Indien berichtet hatten.
Auf der fast einstündigen Fahrt vom Airport in die Stadt sah ich keinen Müll und schon gar keine Kühe und ihre Exkremente! Hier war es sauberer als in meinem Wohnort Pforzheim, wo man ständig Gefahr läuft in Hundekot auszurutschen. Auch als ich am nächsten Tag zum Flughafen zurück fuhr - bei Tagesglicht - sah ich nichts von dem gewaltigen Müllproblem, was mich hier angeblich erwartete.
Und mein Empfinden blieb auch in Guwahati, meinem ersten Etappenziel so. Wieder fiel mir nichts Negativ auf, was es nicht auch in anderen Teilen der Welt oder sogar in Deutschland gibt. Zu meiner Erleichterung sah ich zumindest mal eine freilaufende Kuh auf der Straße, die das Klischee erfüllte. Aber ganz sicher war es Schwachsinn, was über die Kuhkacke auf Blogs geschrieben wurde. Natürich hätte ich die Flip Flops anziehen können und wäre sauberen Fußes durch die Stadt gekommen. In Guwahati war für zwei Tage.
Natürlich fiel mir auf, dass der Kleidungsstil der Frauen in Indien dezent geschlossen ist. Aber so ist es auch vergleichbar mit Brasilien und Peru. Während Brasilianerinnen quasi alles präsentieren, ist man in Peru sehr verhalten im "Busenzeigen". Hier habe ich mich also bestätigt gefühlt, mich zurückhaltend zu kleiden. Aber das mache ich in den verschiedenen Kulturkreisen dieser Welt sowieso. Mir war es wichtig nicht zu viel Haut zu zeigen, die Schultern zu bedecken, unter dem Kleid Leggins zu tragen und keinen aufreizenden Ausschnitt zu präsentieren. Damit bin ich dann auch gut gefahren.
Die Unterkünfte meiner Reise waren alle auf einem sehr guten Niveau und so war es auch kein Wunder, das die Türen ganz normal abschließbar waren. Verbarrikadieren mußte sich da Niemand. Auch nicht in den Homestays! Ich kam mir ziemlich bescheuert vor, den unsäglichen Türstopper überhaupt mitgenommen zu haben. Das galt gleichermaßen für meine restliche „Bewaffnung“. Den ganzen extra gekauften Kram hätte ich mir sparen können.
Auch bin ich davon ausgegangen, dass ich von Indischen Männern nicht gerade wertschätzend aufgenommen werde. Aber das ganze Gegenteil war der Fall. In Indien hat es noch einen Stellenwert ein Gentleman zu sein und so wurde ich auffällig achtsam und zuvorkommend behandelt. Es wurden Türen aufgehalten, mir der Vortritt gelassen oder der Stuhl zurecht gerückt. Da können sich die Männer in unserem Kulturkreis eine Scheibe von abschneiden! Wieder kam ich mir reichlich bescheuert vor, wegen meiner Vorurteile.
Der zweiten Ziel meiner Reise in Indien führte mich in die Region Sikkim im Nordosten. Und wieder bin ich fast vom Glauben abgefallen, denn der Bundesstaat ist ein Paradebeispiel für ein „Clean Environment“. Die Region hat es sich auf die Fahnen geschrieben Vorbildcharakter für das ganze Land zu haben. Übergroße Schilder erinnern daran die Umwelt zu achten, Müll in die Eimer zu werfen und die Natur sauber zu halten. Vorbildlich werden die Gehwege gefegt, der Müll in Behälter entsorgt und auch in den Flüssen schwimmt keine Plastik, wie zum Beispiel in Mostar oder Sao Paulo.
So langsam war ich sauer mich über mich selbst. Ich hab eine zeitlang in Brasilien gelebt und kann es aus eigener Erfahrung sagen, dass das Land an manchen Stellen ein echtes Drecksloch ist. In Sao Paulo sind manche Flüsse nur noch eine einzige Müllkippe, aber habt ihr schon mal Jemanden abfällig über Brasilien sprechen hören im Zusammenhang mit deren enormem Umweltproblem? Gegen Brasilien ist Sikkim das grüne Paradies!
In der Region legt man zudem großen Wert auf ökologischen Ackerbau. So ganz anders als bei uns, sind es dann eben frische und gesunde Lebensmittel, anstatt pestizidverseuchte. Ich hab mich also sogar noch gesünder ernährt als daheim und dabei wurde ich auch eindringlich vor Lebensmitteln gewarnt.
Als mein persönliches Fazit kann ich festhalten, dass ich alle Vorbehalte mit denen ich vor Abflug konfrontiert wurde, absolut haltlos waren. Ich mußte nicht durch Müllberge oder Kuhkacke laufen, ich habe nicht einen einzigen Toten gesehen, ich hatte zu keiner Zeit Angst als Frau oder mußte mit schlechten Lebensmitteln umgehen, durch die ich meine Gesundheit riskieren würde. Das ganze Gegenteil erlebte ich in Indien! Ich wurde sehr zuvorkommend und achtsam behandelt und fand gerade in der Region Sikkim ein Vorzeigebeispiel an Sauberkeit und Ökologie.
Ich kann nur Allen anraten, die planen nach Indien zu reisen, sich nicht kirre machen zu lassen. Fällt kein pauschales Urteil über dieses riesige Land, sondern informiert euch gezielt bei Leuten, die auch schon in der Zielregion umher gereist sind.
Geht mit mit offenem Herzen nach Indien und ihr werdet ein großartiges und spannendes Reiseland finden. Indien hat mich gerade durch seine Vielfältigkeit an Kulturen, dem Miteinander der Religionen und seinen großartigen Landschaften absolut begeistert hat.
Du hast immer noch Bedenken, nach Indien zu reisen und zweifelst an meiner Darstellung? Dann schau dir gerne das komplette Fotoarchiv meiner Reise an und mach dir selbst ein Bild. Siehe hier: https://www.flickr.com/gp/couchabenteurer/9TBHKv
Ich hoffe das macht Mut, seine Bedenken über Bord zu werfen und nach Indien zu reisen.
In diesem Sinne: