Die klassischen Elemente sind Feuer, Luft, Erde und Wasser. Ihre Leben spendenden,aber auch zerstörerischen Eigenschaften sind seit alters her Gegenstand spiritueller Betrachtung und Inhalt von Meditationen und Ritualen. Sich innerlich mit den Elementen verbinden zu können kann gerade in unserer technisch geprägten Welt starke Kräfte verleihen, indem es den Menschen der Natur und ihren Geheimnissen näher bringt.
Das Feuer
Das Feuer - der griechischen Sage nach durch Prometheus den Göttern geraubt - kennzeichnet die Sonderstellung des Menschen innerhalb der Schöpfung: Nur der Mensch kann mit dem Feuer umgehen, während die Tiere sich zwar in den übrigen Elementen bewegen können, vor dem Feuer aber fliehen. Das Feuer - auf der einen Seite verzehrendes, verheerendes Element - ist im "gezähmten" Zustand williger Diener des Menschen: Es spendet Licht und Wärme und macht auch seine Nahrung vielseitiger und bekömmlicher: indem sie gekocht,gedünstet,gedörrt und gebacken wird.
Wegen der grossen Bedeutung des Feuers ist bei den meisten Völkern - nicht nur im europäischem Raum, sondern zum Beispiel auch in Afrika - der Beruf des Schmiedes ein heiliger Stand gewesen. Indem er das feurige Element beherrscht, ist der Schmied imstande, Umwandlungsprozesse bei den Metallen in Gang zu setzen. Diese Tatsache beschäftigte die Alchemisten noch weit über das Mittelalter hinaus,die für ihre verschiedenen Verfahren immer Hitze benötigten und zu diesem Zweck eine viel zahl von Öfen entwickelten.Auch in der christlichen Vorstellung vom Fegefeuer, in dem die Seelen gereinigt und veredelt, gleichsam ausgeglüht werden, lebt diese Anschauung weiter. Ähnliches gilt für den Mythos vom Phönix, der aus der Asche immer wieder neu geboren wird. Die Feuerfeste, die in ganz Europa als Oster-, Frühlings - und Johannisfeste gefeiert wurden ( und noch heute werden ), sind ebenfalls aus der Idee der Wandlungsmacht des Feuers entstanden. Dass das Herdfeuer heilig ist, ist ebenfalls für viele Völker und Kulturen bezeugt.
Bei vielen Völkern wird Hitze eingesetzt, um zu heilen und die Gesundheit zu kräftigen. Die Schwitzhütte der nordamerikanischen Indianer, das feuchte russische und das trockene römische Bad laufen genau wie die finnische Sauna darauf hinaus, dass der menschliche Körper zum Schwitzen kommt und dadurch Gift - und Schlackenstoffe ausscheidet.
Meditative Betrachtung
Wer einen Kamin oder ein offenes Herdfeuer besitzt, wird wahrscheinlich ohnehin gerne in die Lebendigen Flammen schauen. Diese können uns mitunter beinahe in Trance versetzen, wie sehen Gestalten und Gesichter.Hinzu kommt die wohlige Wärme, der Duft des brennenden Holzes, den man noch durch darüber gestreute Kräuter intensivieren kann. Auch Kerzenlicht verändert die Atmosphäre durch seinen weichen Schein, durch die Bewegungen der Flamme, durch die Sorgfalt, mit der wir diese Flamme hüten. Sehr stark wirkt es auf unser Seelenleben, wenn wir ein feuer malen. Deshalb ist Vorsicht geboten, denn der physische Prozess, der durch die intensive Beschäftigung mit den dem Feuer entsprechenden Farben in Gang gesetzt wird, kann sehr intensiv und erregend sein! Aus diesem Grund sollte wenn wir über Feuer meditieren - etwa bei einer Visualisierung- vorsichtig und behutsam vorgegangen werden, damit keine unkontrollierten Erregungszustände ausgelöst werden.
Die Luft
Die Luft ist das Element, das die Menschen am wenigsten zur Mythenbildung veranlasst hat. Zwar existieren in der Vorstellung vieler Völker auch Luftgeister, aber diese haben eine zweitrangige Bedeutung. Das ist wohl darauf zurückzuführen, das Luft für die Sinne nicht so klar wahrnehmbar ist wie die anderen Elemente: Man kann Luft ja gewönhlich nicht sehen noch hören, riechen oder schmecken. Deshalb kann man die Luft auch als geistiges Element bezeichnen.
Ein Lufthauch - nämlich der göttliche Atem - ist es, der den aus erde geformten Menschenleib erst beseelt und es ihm möglich macht, die Erdenschwere hinter sich zu lassen, um nach Höherem zu streben. Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen ist ja nicht alleine dadurch erfüllt, das der Mensch heute fähig ist, den Luftraum technisch zu beherrschen! Man nimmt in ein Flugzeug schliesslich seine ganze Erdenschwere mit. Erst wenn sich der Mensch immer mehr als geistiges Wesen zu betrachten lernt, wird ihm nach und nach die viel tiefere Bedeutung dieses Traums vom Fliegen aufgehen...
Es ist zwar allgemein anerkannt, das Luft die wichtigste Rolle für den menschlichen Körper spielt. Doch da wir genügend Luft zum atmen haben, halten wir das meistens als selbstverständlich. Ohne Luft aber können wir nur wenige Minuten überleben.
Man macht sich selten klar, dass die meisten Menschen die Fähigkeit verloren haben, richtig zu atmen. Sie atmen nur noch flach, und diese unselige Gewohnheit verurteilt sie dazu, unter ständigem Sauerstoffmangel, mangelnder Vitalität und einem hohen Anteil giftiger Stoffe zu leiden.
Meditative Betrachtung
Wenn wir uns ganz bewusst Wind und Wetter - möglicherweise sogar unbekleidet - aussetzen, können wir die Luft wieder spüren. Er gibt weiche und rauhe Luft, feuchte und trockene, angenehme und unangenehme. Diese können wir mit unserem grössten Sinnesorgan, der Haut erfühlen.Betrachten wir den Himmel bewusst, so sagt uns das nicht nur, ob es evt. Regen geben wird, es kann uns sogar in einen meditativen Prozess führen - vor allem wenn wir die verschiedenen Wolkenbilder beobachten. Auf einer Sommerwiese liegen und das " Wolkentheater" betrachten - wo immer neue Gestalten und Gebilde an uns vorbeiziehen - das führt uns näher zu uns selbst, verbindet uns tiefer mit der uns umgebender Natur.
Und wenn wir tief und voller Dankbarkeit für dieses köstliche Geschenk atmen, entstehen positive Schwingungen in uns selbst, die uns nicht nur gesünder werden lassen, sondern auch entspannen, beruhigen und klarere Gedanken schenken.
Die Erde
Die Erde ist das Element, aus dem in der religiösen Vorstellungen wohl aller Völker und Kulturen, der Menschenleib erschaffen wurde. Mit seinem Körper ist der Mensch desshalb dem Element Erde verhaftet, während sein Geist ( der göttliche Atem, also das luftige Element)über das irdisch- Sinnliche, nur das Materie Verhaftete, hinaus strebt. Erde ist aber nicht allein der Stoff, aus dem der Mensch geformt wurde - Erde ist das hervorbringende, fruchtbare Prinzip an sich. Die älteste Gottheit - erst in späterer, oft erst in historischer Zeit von männlichen Gottwesen verdrängt - ist deshalb auch immer eine Muttergöttin, die als das erhaltene, gebärende Prinzip verehrt wird. Diese Tatsache wird durch die moderne Mythenforschung eindeutig belegt. Die ältesten sakralen Handlungen der Ackerbauer bestanden denn auch in Zeremonien, mit denen die Erde beziehungsweise die durch sie symbolisierte Muttergottheit dafür um Verzeihung gebeten wurde, dass man sie beim Pflügen verletzen musste. Diese Vorstellungen reichen noch weit in die römische Zeit hinein, in der gesellschaftlich schon längst ein patriarchalisches System etabliert war. Es ist sicherlich höchste Zeit - die Erde die uns alle trägt und erhält, nicht mit immer rabiateren Methoden ausbeuten und zerstören, sondern ihr mit Ehrfurcht und Dankbarkeit begegnen. Der biologisch - dynamische Garten- und Ackerbau, der immer weitere Verbreitung findet , trägt dieser Idee in praktischer weise Rechnung und leistet dadurch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Schutz und zur Erhaltung der Umwelt. Für Heilzwecke wird die Erde in Form von Lehm schon seit Tausenden von Jahren verwendet. Es gibt Berichte darüber, dass etwa Hippokrates, Dioskurdies, Avicenna (ca. 980 -1037) und Galen ( ca.129 - ca. 199) mit Lehmbehandlungen wahre Wunder bewirkten. Die grossen Heilkräfte des Lehms sind nur ein Teil durch seine chemische Zusammensetzung zu erklären. Die negativen Ionen des Lehms sind fähig, positiv ionisierte Toxine anzuziehen und zu absorbieren - selbst Radioaktivität kann durch Lehm absorbiert werden. Lehm kann verunreinigtes und chloriertes Wasser entgiften und sogar entchloren. Lehm hat sowohl antiseptische als auch antibiotische Eigenschaften und fördert die Wundheilung - eiternde Wunden können erfolgreich damit behandelt werden. Zur Medikation sollte aber nur " jungfräulicher Lehm" - der zuvor noch nicht benutzt wurde - verwendet werden. In Form von Heilerde ist Erde übrigens auch ein preiswertes und wirksames Kosmetikum.
Meditative Betrachtung
Mit unserem Tastsinn können wir die verschiedenen Qualitäten der Erde erfühlen: Sand, Lehm, krümelige Erde, Walderde und so weiter. Auch Farbe, Struktur und Geruch ist unterschiedlich.Wer einen Garten besitzt - oder auch nur einen Balkonkasten oder Blumentopf - kann, wenn er sich bewusst mit Erde und Pflanzen, mit ihrer Lebensweise und ihren Bedingungen und Bedürfnissen beschäftigt, tiefe spirituelle Einsichten und Glückserlebnisse gewinnen, die stärkend und kräftigend auf den ganzen Menschen wirken und ihn mit der ihn umgebenden und nährenden Natur verbinden.
Die Dankbarkeit, die wir empfinden, wenn wir das tun, sollten wir auch mal beim bewussten Gehen und Stehen ( möglichst oft barfuss) üben. Die Erde trägt uns bei jedem Schritt, den wir auf ihr gehen.
(Sandskulpturenfestival in Rorschach 2018)
Das Wasser
Nach einer der wohl beliebtesten entwicklungsgeschichtlichen Theorien kommt alles Leben aus dem Wasser, haben die Säugetiere und letztlich auch die Menschen sich aus Fischen entwickelt, die vor Jahrmillionen ihr angestammtes Element verliessen, um fortan auf dem Lande ihr Dasein zu fristen. Es mag dahingestellt bleiben, dass es sich hierbei um eine naturwissenschaftlichen Vereinfachung sehr viel komplexerer Zusammenhänge handelt. Tatsache ist, dass der Mensch seine Herkunft aus dem feuchten Element - nämlich dem Fruchtwasser des Mutterschosses - gleichsam als Urerrinnerung in sich trägt und dass dadurch sein Verhältnis zu diesem Element geprägt ist.
Dem Wasser wohnt eine reinigende, heilende Kraft inne - die rituellen Bäder der Inder im Ganges, die Waschungen der Mohamedaner vor jedem Gebet, die Taufe der christlichen Religionen bezeugen neben vielen anderen Beispielen dieser Art, dass dieses Wissen rund um die Welt tief im Menschen verwurzelt ist. Das heilige ist aber -jedenfalls für den Menschen im Frühstadium seiner kulturellen Entwicklung - immer auch das erschreckende, Furcht erregende, und so sind für den "primitiven" Menschen die Flüsse, Seen und Quellen mit Geisterwesen aller Art bevölkert, die es zu besänftigen gilt und denen man überhaupt am besten aus dem Weg geht. In zahlreichen Märchen von Wassermännern und Nixen, die nur darauf warten, eines menschlichen Wesens habhaft zu werden und es für immer in ihr nasses, kaltes Reicht zu ziehen.
Weiss man um die Bedeutung des Elementes Wasser für die geistig-seelische Entwicklung des Menschen, so ist es nicht weiter erstaunlich, dass gerade dieses Element in der Heilkunde besonders ausgiebige Verwendung findet. Von Sebastian Kneipp (1821 - 1897) dem Reformator der Wasserheilkunde, ist der Ausspruch bekannt, dass die Römer durch übermässigen Gebrauch des warmen Wassers sich verweichlicht und - in Verbindung mit einer üppigen Ernährung - ihren Untergang herbeigeführt hätten. Kneipp hat deshalb in erster Linie die Anwendung des kalten Wassers ausgebaut.Ernst Schweninger (1850 - 1924), der Leibarzt Bismarcks, dagegen gab dem heissen Wasser den Vorzug und entdeckte in ansteigenden, das heisst langsam heisser werdenden, Teilbädern ein vorzügliches Kräftigungsmittel wieder. In Form von Bädern und wenn wir Heil- und Mineralwasser trinken, können zahlreiche, auch chronische Leiden nachhaltig gelindert und sogar kuriert werden.
Hufelands Lebensregeln
Der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762 -1836), der auch Goethe und Schiller behandelte, dichtete 1836 auf dem Sterbelager seine berühmten "Lebensregeln", in denen es nach der Abhandlung des luftigen Elements heisst:
"Das zweite ist das Wasserreich,
es reinigt dich und stärkt zugleich.
Drum wasche täglich deinen Leib,
und bade oft im Zeitvertreib.
...
Das Wasser ist der beste Trank,
es macht fürwahr dein Leben lang,
es kühlt und reinigt dein Blut
und gibt dir frischen Lebensmut."
Meditative Betrachtung
Wer am Meer, an einem See oder Fluss wohnt, wird während des Tages und während der Jahreszeiten die immer wieder wechselnde Stimmung beobachten können. Auch die Bewegung des Wassers - oder seine Stille - laden zur Meditation ein. Deshalb kann man Wasser auch sehr gut visualisieren. Stellen wir uns einen stillen See, einen fliessenden Bach, ein stürmisches Meer vor, wird dies unterschiedliche Empfindungen und Kräfte in uns hervorrufen. Noch stärker wirkt es, wenn wir Wasser malen. Durch die Farben, die wir dabei verwenden, hat es einen besänftigenden, beruhigenden Einfluss.
Besonders wirksam ist der direkte Kontakt mit diesem Element, wenn wir etwa Wellenbaden oder ruhigen einem einsamen Natursee schwimmen. Aber auch in einem Hallenbad kann man entdecken, dass Wasser uns trägt, wenn wir ihm furchtlos vertrauen. Selbst die heimische Badewanne oder Dusche ist geeignet, uns die nicht nur körperlich reinigende Kraft des Wassers bewusst zu machen.
Ein moderner , bewusster Mensch wird - wie seine Ahnen in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden- in allem die tiefe Eingebundenheit in die Natur spüren und daraus neue Kräfte schöpfen. Deshalb wird er ihr stets mit Ehrfurcht und Dankbarkeit begegnen, denn sie schenkt ihm nicht nur alles, was er für sein alltägliches Leben braucht, sondern schenkt ihm auch die magischen Kräfte, die dahinter verborgen liegen. Den Elementen, den Pflanzen, den Flüssen,und Felsen wohnten für unsere Vorfahren lebende Wesen inne, die allerdings nicht menschlicher Natur waren.Jedes Volk der Welt hat Märchen und Sagen darüber, in denen diese Wesen oft sehr detailliert beschrieben werden: Böse Gnomen,listige Zwerge,hilfreiche Elfen - sie alle finden wir in unseren Volks- und Kunstmärchen. Diese zeugen davon, dass es früher ein anderes Naturbild gab, in dem der Mensch sich nicht als Alleinherrscher oder sogar Ausbeuter betrachtete.Der moderne, bewusste Mensch wird sicher im Einklang mit der Natur leben; denn er spürt sein Leben und Weben wieder ganz bewusst, wenn er sich mit diesen Märchen intensiv beschäftigt. Die bildhafte Sprache, die tiefe Ehrfurcht vor der Schöpfung und das Bewusstsein, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als die Schulweisheit ahnt ( Shakespeare), werden ihm Einsichten und Kräfte zufliessen lassen, die ihm im Alltag zugute kommen.