Seit dem 19. Jahrhundert war der Wolf weltweit fast ausgerottet. In vielen Ländern steht er seit Ende des 20. Jahrhunderts unter Artenschutz und der Wolfsbestand erholt sich allmählich. Doch was waren die Gründe für seine Verfolgung und welche Vor- und Nachteile hat die, sich immer weiter verbreitende, neue Wolfspopulation für den Menschen? Ist eine friedliche Koexistenz überhaupt möglich?
Der Wolf in der Mythologie
In unzähligen Legenden spielt der Wolf eine tragende Rolle. Es wäre durchaus möglich, über dieses Thema einen eigenen Artikel zu verfassen. Doch da es hier nicht darum gehen soll, findet ihr nachfolgend einen kleinen Auszug.
In der bildenden Kunst wurde, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, griechische Göttin Hekate, häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Zeus verwandelte den griechischen König Lykaon in einen Wolf und die Zwillinge Romulus und Remus, die Gründer der Stadt Rom, sollen von einer Wölfin aufgezogen und gesäugt worden sein.
In der nordischen Mythologie wurde der Kriegsgott (oder auch Totengott, Siegesgott usw.) Odin (oder auch Wodan bzw. Wotan), neben zwei Raben mit den Wölfen Freki und Geri dargestellt. Die Wolfsbrüder Skoll und Hati, jagen die Sonne und den Mond und ihr Bruder Managarm, ernährt sich vom Fleisch der Toten.
Die Wölfin galt als Urmutter der alten Türken. Die Hunnen und Usbeken, glauben sie stammen vom Wolf ab und der Indianerstamm der Schoschonen (Nordamerika) glaubte, dass die Welt von Wölfen und Kojoten geschaffen wurde. (1;2)
Konflikt zwischen Mensch und Wolf
Der immer größer werdende Bedarf an Lebensraum und Nahrung für den Menschen, machte den Wolf zum unmittelbaren Nahrungskonkurrenten. Wo immer der Mensch begann Wildtiere zu domestizieren, versuchte er den Wolf systematisch loszuwerden. Bereits im 5. Jahrhundert wurden in Burgund die ersten Jagdgesetze gegen Wölfe erlassen. Kaiser Karl der Große, schuf im Jahre 813 die erste Institution für die Wolfsjagd. Daraus entwickelte sich dann die paramilitärische „Louveterie“. Diese Institution besaß einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert mit vielen Privilegien, da sie direkt dem Kaiser unterstellt war. Wurde ein Wolf gefangen, hat man ihn lebendig am Galgen aufgehengt. Heute dient das Offizierskorps der Louveterie, nur noch als Berater für das Jagdwesen und die Landwirtschaft.
Nach der Ankunft der weißen Siedler in Nordamerika, begann die grausamste und effektivste Vernichtung der Wölfe. Durch das millionenfache Töten von Bisons, war kurzzeitig ein Überangebot an Nahrung da, dass den Wolfsbestand stark anwachsen lies. Nachdem der Bison-Bestand drastisch reduziert war und die Siedler ihre eigenen Tiere hielten, begann der Krieg gegen den Wolf. Man begann die Kadaver der Bisons mit Strychnin zu versetzen und tötete auf diese Weise zigtausend Wölfe. Hat man eine Wolfshöhle gefunden, wurden alle Welpen, bis auf einen, getötet. Der übrig gebliebene Welpe wurde neben der Höhle angebunden und die versteckten Wolfsjäger, erschossen jeden Wolf der durch das Winseln angelockt wurde.
Nach 1920 gab es nur noch wenige, vereinzelte Wölfe in Nordamerika. Dennoch entwickelten sich eine Art Wettbewerb unter den Trappern und wer einen Wolf fing, wurde berühmt. Doch meist wurden die Wölfe nicht sofort getötet, sondern wurden mit verbundenem Maul, an einer Kette in die Stadt geführt und starben schließlich an Erschöpfung oder verhungerten.
Viele Märchen wie z.B. „Der Wolf und die sieben Geißlein“ oder „Rotkäppchen“, prägten zusätzlich das Bild der bösen, blutrünstigen Bestie. Oftmals, wenn man sich es nicht anders erklären konnte, wurde der Wolf zum Sündenbock gemacht wenn irgendwo Menschen verschwunden sind oder ermordet wurden. So entstand unter Anderem die Legende vom Werwolf. Auch dieser Umstand trug dazu bei, dass der Wolf systematisch vernichtete werden musste. Heute weiß man allerdings, dass die meisten Todesfälle nur von Menschenhand gemacht werden konnten. (3;4)
Mögliche Koexistenz
In Deutschland gibt es seit der Jahrtausendwende wieder freilebende Wölfe. Sie ernähren sich größtenteils von Wildschweinen, Rehen, Mäusen, Hirschen und anderen Wildtieren. Man konnte oft beobachten, dass die Wölfe nicht willkürlich jedes Tier erlegen, sondern die bevorzugte Beute waren alte oder kranke Tiere. Durch diese natürliche Selektion hält der Wolf, als Polizei des Waldes, die Natur im Gleichgewicht.
Durch die sich wieder ansiedelnden Wölfe, fühlen sich viele Jäger in ihrer Existenz bedroht. In persönlichen Gesprächen kam immer wieder das Standardargument: „Bis die Wölfe das erste Kind angreifen…“ Für mich persönlich hört sich das eher nach Rotkäppchen-Syndrom an.
Obwohl, laut Schätzungen, inzwischen ca. 650 Wölfe in Deutschland leben, werden wohl die wenigsten Waldspaziergänger jemals einen Wolf in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen. Der Wolf ist in der Regel ein sehr scheues Tier. Normalerweise versucht er Menschen aus dem Weg zu gehen. Problematisch wird es dann, wenn Menschen versuchen die Wölfe anzufüttern. Der Wolf lernt schnell wo er leicht an Futter kommt und beginnt die Scheu vor dem Menschen zu verlieren. Das betreten einer besetzten Wolfshöhle stellt eine weitere Gefahrenquelle dar.
Das größte Problem mit der steigenden Population der Wölfe in Deutschland, haben die Schäfer. Immer wieder kommt es vor, dass Schafe von Wölfen gerissen werden. Dadurch entsteht ein immenser Schaden für die Schafzüchter. Hier wäre es nicht wichtig den Wolf auszurotten, sondern mehr Schutz für die Schafe zu erreichen. Inzwischen gibt es spezielle Weidezäune um den Wolf zu hindern an die Herde zu gelangen und der wirksamste Schutz, sind sogenannte Herdenschutzhunde. Herdenschutzhunde wachsen als Teil der Herde unter den Schafen auf. Die dadurch entstehende Familiäre-Bindung sorgt dafür, dass die Hunde ihre Herde vor allem und jeden beschützen. Am effektivsten ist der Schutz wenn es zwei oder mehr Herdenschutzhunde pro Herde gibt.
Trotz der 285 Übergriffe auf Nutztiere im Jahr 2017 in Deutschland, bei denen ca. 1000 Tiere gestorben sind, erwies sich die Angst vor Angriffen auf den Menschen als unbegründet. Der Abschuss von Wölfen würde das Problem nicht wirklich lösen. Eine dezimierte Anzahl an Wölfen, bedeutet nicht weniger Gefahr für die Nutztierhaltung sagt Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). (2;4)
Fazit
Ein Tier, das jahrelang aus seiner natürlichen Umgebung vertrieben und fast die gesamte Spezies ausgerottet wurde, findet allmählich den Weg in seine Heimat zurück. Wenn wir, als Menschen, anfangen die Natur zu respektieren und gute Aufklärungsarbeit über den Wolf leisten, wäre ein friedliches nebenher Leben durchaus denkbar. Unabdingbar dabei ist allerdings der Herdenschutz. Und da müssen die Länder (die sind dafür verantwortlich) unbedingt nachbessern.
Hier findet Ihr nochmal den Link zum ersten Teil dieser Artikel-Reihe: Anatomie und Verhaltensweisen des Wolfes.
Vielen Dank für das Lesen meines Beitrages. Wenn Ihr zukünftig keine Artikel mehr verpassen wollt, dann folgt mir einfach.
Quellenverzeichnis:
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf#Germanische_Mythologie gesichtet am 16.02.2018
(2) http://www.sueddeutsche.de/wissen/artenschutz-wenn-der-wolf-zum-problem-wird-1.3761820 gesichtet am 16.02.2018
(3)“Faszination Wolf“ von Barbara und Christoph Promberger und Jean C.Roché ISBN:3-440-09187-2 Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.
(4) „Der Wolf – wild und faszinierend“ von Shaun Ellis und Monty Sloan ISBN: 978-1-4454-8426-6 Parragon Books Ltd
Weitere Inspirationen: „Der Wolf“ von Erik Ziemen ISBN:3-440-09742-0 Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.
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