Hallo Freunde
Es erstaunt mich immer wieder, was eine so kleine Gemeinde wie Lobo so alles auf die Beine stellen kann. Immerhin gibt es hier nur 10.000 Haushalte in 27 Barangays auf einer Fläche, die der Größe Rostocks entspricht und die Hälfte davon liegt tief in den Bergen im Dschungel.
In der Townhall ist eigentlich jeden Tag etwas los. Meist sind es Veranstaltungen, wie Zumba oder Tanzkurse, aber auch jede Schule nutzt dies für Proben und Veranstaltungen.
In der vergangenen Woche gab es zum Anihan Festival, also zum Erntedankfest nicht nur jeden Abend Veranstaltungen, sondern tagsüber auch Umzüge, die die gesamte Stadt befeierten.
Wenn ich hier von Stadt spreche, ist das eigentlcich nicht ganz richtig. Ein City ist Lobo nicht , sondern selbst nur eine zusammengewachsene Ansiedlung von Barangays, was man mit Geminde übersetzen kann. Jede Gemeinde hat ihre eigene Polizei und ihre eigene Verwaltung incl Bürgermeister. Daneben ist Lobo auch der Sitz der Municipality Lobo, Batangas, was am ehesten einer Amtgemeinde entspricht. Eine City
ist eine Verwaltungsebene auf dem selben Level, eine City hat auch Barangays, hier würde man das mit Stadtteilen übersetzen, aber ein City hat kein Umland, für das sie verantwortlich ist.
Darüber gibt es dann die Provinz und über dieser steht die Region, welche zwar einen Namen hat, aber auch ganz ordinär durchnummeriert ist.
Ich wohne in Poblacion, Lobo Batangas, Provinz Batangas in der Region CALABARZON oder Region IV-A.
CALABARZON ist kein Name sondern eine Abkürzung für Cavite, Laguna, Batangas, Rizal und Quezon, die einzelnen Provinzen in dieser Region.
Wenn ihr euch fragt, warum man das wissen muss; das ist tatsächlich meine Adresse, das muss ich neben dem Zipcode und dem Straßennamen oder Gebäudekomplex bei Versandhändlern angeben.
Zurück zum Anihan Festival
genauer gesagt zur ersten Abendveranstaltung. Das war eine Liveadaption der Show " the biggest loser". Funfact oder auch ein wenig traurig dabei ist, dass der Teilnehmer, der den größten Abnehmerfolg erreicht hat, zwei Wochen vorher gestorben ist. Man munkelt, es war zu viel Alkohol im Spiel. Aber das tat der Veranstaltung keinen Abbruch, die Leute feierten die Teilnehmer wie Rockstars.
Der Sieger gewann übrigens eine Reise nach Japan.
MotoCroos im Flussbett
Ich hatte mich schon Wochen vorher gewundert, warum die Baufirma, die das Flussbett als Kiesgrube nutzt, diese kleinen Hügel aufschüttet. Normalerweise legt sie viel größere Berge an, damit das Material abtrocknen kann. Jetzt weiß ich es, für einen temporären Parcours für ein Motocross-Spektakel. Ist eben sehr praktisch, wenn alle wichtigen Firmen der Stadt in einer Familie gehalten werden.
Wie alle anderen Veranstaltungen ist auch diese eintritt frei, aber der Zugang gestaltete sich doch etwas schwieriger als normal. Diese auch als Waschstraße für die Baufahrfahrzeuge genutzte Pfütze ist der einzige Zugang zum Areal. Wohl deshalb war es doch schlecht besucht, denn für Mopeds und Tricaycles ist es da zu tief.
Man hätte auch die Brücke halbseitig sperren können, von der ich diese Fotos gemacht habe. Aber die Brücke gehört zur Nationalstraße und somit nicht mehr zum Einflussbereich der Gemeinde. Im Gegenteil, die Straßenverwaltung hat extra 17 Polizisten samt Sonnenschutz und Getränkelager auf der Brücke aufgebaut, um zuverlässig zu verhindern, dass da Fahrzeuge anhalten oder gar Fußgänger stehen bleiben.
Und auch ich hatte keine Lust, einen Umweg bis zur nächsten Treppe auf dem Damm zu machen und durch den Fluss zu waten, um direkt zum Gelände zu kommen.
Kein Alkohol, kein Lärm durch Boomboxen an den Ständen, nur freundliche Leute
Auch das überrascht mich jedes Mal bei solchen Aktivitäten. Alkohol ist hier in der Gegend wirklich eine private Angelegenheit, die man zu Hause mit Freunden betreibt. Und die Leute trinken eigentlich gerne, wenn sie feiern.
Es gibt hier auch 2 Kneipen oder Bars oder wie man das auch nennen will, aber das eigentliche Zentrum für die wenigen Nachtschwärmer ist der Seven/Eleven. Falls ich mal Appetit auf ein Bier habe, gehe ich dorthin und trinke ein Bier. Das ist zwar eigentlich nicht gestattet, aber man weiß, ich bin Deutscher und für mich ist das ein Grundnahrungsmittel. Unterhaltsam ist es immer.
Anihan Festival Queen 2023
Hier habe ich ein Bild von Facebook genommen. Wir waren zwar erst eine halbe Stunde nach Beginn dort, es sollte aber noch eine Stunde dauern, bis die Misswahl startete und es startete mit Vorstellung der Sponsoren, von Hinz und Kunz. etc. Ich kann das verstehen, denn viele Leute engagieren sich hier, von der Gemeinde wird nur die Logistik gestellt. Das gesamte Festival wird von einem Fond finanziert, der dieses Erntedankfest zum 153 Mal organisiert. Die Preise kommen alle von privaten Sponsoren und die möchten natürlich wenigstens erwähnt werden.
Aber so fit bin ich noch nicht, ich versuche gerade wieder die ersten Gehversuche trotz anhaltender Schwellung und das Herumstehen macht noch keinen Spaß.
Die übrigen Zuschauer hat es nicht gestört, die hielten die vollen 3 Stunden durch, mit Fanclubs, Sprechchören, frenetischem Jubel. Misswahlen sind hier Volksvergnügen. Ich glaube, es gibt hier in jeder Familie eine Miss sowieso von irgendwann.
Wir haben uns das gesamte Spektakel dann im Facebookstream zu Hause angesehen, aber wenn ihr wissen wollt, wer gewonnen hat, müsst ihr euch den Stream anschauen.
Die Dame in Gelb ist die Schirmherrin dieser Misswahl und gleichzeitig auch die Gattin des Bürgermeisters.
bis zum nächsten Mal, ich hoffe, ich war unterhaltend.