Bahnhof Grevesmühlen. Ich erwartete das bekannte vernagelte Gebäude, welches nach Ammoniak duftend schimmelnd auf seinen Zerfall wartete.
Quelle
Nicht dass ich etwas in diesem Gebäude wollte, ich musste nur dahin, weil Züge nur dort halten.
Es war eine angenehme Überraschung, ein innen wie aussen saniertes Gebäude vorzufinden,
die Fassade sandgestrahlt, die Fenster passend zum Alter und aus dem überdachten Bahnsteig wurde ein Wintergarten, der ein Cafe beherbergt.
Die Briefkästen suggerierten mir, dass in den oberen Etagen Wohnungen entstanden sind.
Da saß ich nun auf der Bank auf dem Bahnsteig, freute mich über das sanierte Gebäude und grübelte darüber, wie der Bauherr hier seinen Profit zieht und darüber, dass der treffendste Name für das Cafe wohl "Cafe Melancholie" wäre.
Und ob der neue Eigentümer wohl den ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Wasserturm gegenüber zu seiner bizarren Ferienwohnung umbaut.
Hat ja nicht jeder, so einen unverbaubaren Blick auf seine Fehlinvestition.
Ich kam zu keinem Ergebnis, also fragen gehen und noch ein paar Bilder machen.
Man hier sogar noch Fahrkarten kaufen, ganz ohne Automaten, die es aber auch gibt.
Bei der Toilette wurde meine Vermutung Gewissheit, dass das Privatbesitz ist.
Die sah aus und roch auch so wie in jedem besseren Cafe.
Aber weit gefehlt!
Das Gebäude gehört weiterhin der Stadt Grevesmühlen, die es auch sanierte und jetzt betreibt.
Im Obergeschoss sind keine Wohnungen, sondern das erste Obergeschoss beherbergt einen Jugendclub, darüber sind Schulungsräume des DRK. Und aus dem Wartesaal im Erdgeschoss wurde ein Versammlungs- oder Kulturraum für jedermann.
gute Politik, das alles
und deshalb einen Post wert.
Mir zeigt es allerdings auch, dass ich schon zu zynisch bezüglich Politik (geworden) bin, denn ich hätte so etwas nicht (mehr) für möglich gehalten.