Die weiße Farbe hat gereicht und so konnte unser Bürgermeisterpaar alles in einem Abwasch erledigen, die Eröffnung der neuen Amtsstube der Amtsgemeinde und die Eröffnung der Weihnachtsfeierlichkeiten, pünktlich am 7. Dezember
Dazu wurden die Straßen ums Karree abgesperrt, eine riesige Bühne aufgebaut und viele chinesische LEDs verbaut.
Eine Fressmeile durfte natürlich auch nicht fehlen, auf dem Filetstück im Herzen des Städtchens, welches natürlich auch unserem Major gehört. Hier standen mal genauso solche Hütten wie noch links und rechts. Aber hoffentlich bald wird hier sicher was ganz Fantastisches entstehen. Vielleicht ein Kaufhaus oder ein Hotel oder beides.
Ringsherum ums Karree, an jeder Ecke gab es materialisierte Bibelgeschichten, manchmal mit, manchmal ohne Regionalbezug. Aufgestellt wurden diese von Vereinen der Gemeinde, wie fast alles in Eigenregie der Einwohner gemacht wird.
Zugegeben, manchmal ist der Regionalbezug etwas sehr weit hergeholt
Aber auf dem Bild hinter der Stallszene erfahre ich endlich den Grund, warum der ausladende Balkon keinen Zugang über die Seitenflügel hat. Das Hauptgebäude wird erst noch gebaut und der Balkon gehört dann zu den Gemächern des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin, je nachdem, wer gerade die Krone aufhat und wer der Vize ist. Man darf nur dreimal hintereinander demokratisch gewählt werden, dann muss die Ehefrau gewählt werden, bis er wieder darf.
Es bleibt auf jeden Fall in der Familie.
Falls es sich so anhört, als würde ich die Bürgermeisterfamilie kritisieren, dem ist nicht so. Sie gehören zu den Politikern, die neben ihren eigenen Interessen auch das Wohlergehen ihrer Wähler nie vergessen. Schuldenfreie Gemeindekasse, eine anständige Wohlfahrt für die , die das brauchen und wirklich sehr umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur. Das kennt man aus vielen Ländern anders.
Die Fressmeile werde ich in einem anderen Post mal etwas näher beschreiben, das wird hier zuviel.
Zur Weihnachtsdekoration gehören auch die vielen sternartigen Gebilde, die an der Verkabelung aufgehängt wurden. Jedes hat eine Nummer, von 1-27 und wurde von einer Schulklasse gebaut. Insgesamt gab es 27, genauso viele wie Klassen in den Highschools.
Die besten wurden prämiert, auch nach regionalen Bezügen. Ich habe mir das erklären lassen, was die einzelnen Symbole bedeuten. Es sind im wesentlichen Wappen von den zugehörigen Dörfern, Gilden und sowas.
Diese Dekoration vorm Vorvorgänger der neuen Amtsstube leuchtet so wie es soll, tatsächlich hatte man am ersten Tag etwas Schwierigkeiten genügend Strom zu bekommen. Erst ein zweiter Generator konnte am nächsten Tag das Problem lösen.
Falls sich jemand fragt, was ein Leuchtturm auf einer Weihnachtsdekoration zu suchen hat: Eines der Dörfer hat tatsächlich einen Leuchtturm, der zu Zeiten der spanischen Kolonie sehr wichtig war. Außer steht dieser Glitzerleuchtturm vor dem besten Café und einzigen Souvenirgeschäft der Stadt, welches der Bürgermeisterfamilie gehört.
Der Vorplatz füllt sich, man wartet gespannt auf die Eröffnung. Übrigens, es gibt keinerlei Alkohol, bis auf das normale Angebot im Seven Eleven. Es trinkt auch niemand auf der Straße. Und irgendwie scheint sich niemand dran zu stören, es ist trotz der Massen ein friedliches Familienfest. Mir gefällt das wirklich. Ich trinke manchmal spätabends ein Bier vorm Seven Eleven, in Ermangelung eines Straßencafes, vor allem, um Leute zu gucken und Leute zu treffen. Aber an solchen Tagen würde ich sowas nie tun, es gehört sich einfach nicht.
Ein Weihnachtsbaum durfte natürlich nicht fehlen und dieser hatte sicher genauso viele LEDs wie andere Bäume Nadeln.
Die Bürgermeisterin bei der Eröffnungsrede und das Volk feiert sie.
Die nächsten 2 Stunden sind schwer erträglich für jemanden, der keine Schulkinder hat. Denn das Programm wird ausschließlich von diesen gestaltet. Dabei ist die Kombination von enthusiastischem Vortrag und übergroßer Baschallungstechnik sehr gewöhnungsbedürftig.
Aber man muss ja nicht zuhören.
Im Ganzen war ich wiedermal sehr überrascht, wie viel diese Gemeinde auf die Beine stellt, welchen Aufwand sie betreiben, um miteinander zu feiern. Man darf dabei nicht vergessen, es ist nur eine kleine Amtsgemeinde mit 10000 Haushalten und 40000 Einwohner, verteilt auf 23 Dörfer auf einer Fläche, so groß wie Dresden. Und als wäre das noch nicht genug, sind diese getrennt von Bergen und Dschungel und oft nur über eine einzige Stichstraße zu erreichen.
Ich freue mich über eure Kommentare, falls ich etwas unterhalten konnte.