Hallo liebe Steemians, lasst euch von mir wieder nach Thailand entführen und erlebt, wie es weitergeht, mit meinen Abenteuern.
Fast 3 Monate waren vergangen, als ich das erste Mal in meinem Leben nach Thailand gekommen bin. In dieser Zeit habe ich dort meine Trauminsel gefunden und mich entschieden zukünftig dort zu leben. Zudem habe ich eine nette Thailänderin kennengelernt, in die ich mich im Laufe der Zeit verliebt habe.
Mittlerweile kannten wir auf der Insel viele Leute. Ich hatte einen gewissen Überblick bekommen, wie hoch die Mieten für Grundstücke waren und wusste auch, dass ich in Thailand als Ausländer kein Land in meinem Namen kaufen konnte, wohl aber mieten. Was ich jedoch noch nicht wusste, war, was ich dort machen sollte, um mich in Zukunft dauerhaft zu finanzieren. Wahrscheinlich irgendetwas für Touristen, aber darum wollte ich mich später kümmern, wenn ich wieder zurück war.
Zunächst ein Mal musste ich zurück nach Deutschland, um dort meine Zelte endgültig abzubrechen. Und so kam der Tag, an dem es hieß, Abschied nehmen, von der Insel, von meiner Partnerin und von Thailand.
Bei meiner Rückkehr in Deutschland war die Freude groß gewesen. Meine Eltern, Familienmitglieder und Freunde, ja sogar ein paar der Geschäftspartner, mit denen ich nach Thailand gereist bin, alle waren sie zum Flughafen gekommen, um mich zu begrüßen. Die Stimmung kippte erst, als ich meinen Eltern von meinen Plänen erzählte. Klar, dass sie davon nicht begeistert waren, aber es war mein Leben und das wollte ich mir so gestalten, wie es mir gefällt.
Ich löste also meine Wohnung auf, überwies Geld auf mein thailändisches Bankkonto, regelte alles Amtliche und stand nach 2 Monaten mit einem Koffer und einer Reisetasche, in denen sich alles befand, was ich noch hatte, wieder in Bangkok auf dem Flughafen. Auch dort herrschte große Freude bei meiner Ankunft. Meine Partnerin empfing mich mit einem Blumenstrauss und einer heftigen Umarmung.
Nun beging ich einen folgenschweren Fehler. Wir fuhren nicht direkt zurück auf die Elefanteninsel, sondern zuerst wieder nach Pattaya, wo ich den Beginn meines neuen Lebens ein wenig feiern wollte. Wir mieteten uns ein Zimmer, schlenderten tagsüber durch die Stadt, gingen abends schick essen und danach auf die Piste. Während dieser Tage erzählte mir meine Partnerin von einer Nahestenden Familienangehörigen, die in ihrem Heimatdorf verstorben sei und dass dort eine Totenfeier anstehen würde.
Sie fragte mich im gewohnten Mix aus Thai und schlechtem Englisch, ob wir, bevor wir auf die Elefanteninsel zurückkehren, dort hinfahren wollen. Sehr gerne würde sie mich ihrer Familie vorstellen und ich könne dabei auch gleich das Land besser kennenlernen. Die Idee fand ich gut und ich willigte ein. Einen Tag, bevor wir am frühen Morgen mit dem Bus in Richtung Nordosten aufbrechen wollten, ging ich abends noch zum Geldautomaten, damit ich für die Fahrt genug Bargeld in der Tasche hatte.
Hätte ich mich danach gleich wieder zurück zu meiner Partnerin in unser Zimmer begeben, wäre auch gar nichts passiert. Aber ich war bester Laune und bin noch ein Bier trinken gegangen. Das eben gezogene Geld in der rechten Gesäßtasche meiner Jeans und die ATM-Karte in der Linken. Ich ging in eine Bar mit Livemusik, in der ich schon vorher mit meiner Partnerin gewesen bin. Es wurden ein paar Biere mehr, die Stimmung war gut und es wurde immer voller.
Gegen Mitternacht machte ich mich auf den Weg. Kurz vor unserer Unterkunft stellte ich fest, dass zwar das Geld noch in meiner Hosentasche war, aber die ATM-Karte war verschwunden. Im Zimmer angekommen, durchsuchte ich die Bankunterlagen vergeblich nach einer Servicetelefonnummer, über die ich die Karte sperren lassen konnte. Ich beruhigte mich damit, dass ja nur ich den 4-stelligen PIN-Code der Karte kannte. Obendrein hatten die Banken wegen Feiertage in den kommenden drei Tagen geschlossen und somit gab es für mich nichts weiter, was ich hätte tun können.
Also brachen wir auf zu einer äußerst strapaziösen Tour von Pattaya in den weit entfernten Nordosten des Landes. Einer Gegend, die man als Thailands Reiskammer bezeichnet, die aber normalerweise kein Reiseziel für Ausländer ist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir früh morgens in der Provinzhauptstadt ankamen und mit einem Tuk Tuk raus aufs Land in das Dorf gefahren sind. Auf einer holperigen Piste ging es durch endlose Reisfelder, aus denen der Morgennebel aufstieg.
Dort angekommen sah man sofort, dass die mehrtägige Totenfeier bereits in vollem Gange war. Der größte Teil der Männer war betrunken und auch viele Frauen kamen mir nicht mehr ganz nüchtern vor. Wohlbemerkt es war immer noch morgens. Sofort wussten alle im Dorf, dass der Ausländer angekommen ist. Dem Anstand halber erwies ich zuerst der mir unbekannten toten Frau meine Aufwartung, die aufgebart in ihrem Haus lag. Danach wollte mir jeder Dorfbewohner die Hand schütteln, mich umarmen und die ganz betrunkenen wollten mich sogar küssen.
Weil die Mutter meiner Partnerin und ihre Brüder, nur in einer einfachen kleinen Holzhütte wohnten, quartierte man uns in das Steinhaus einer ihrer Tanten ein. Dort wurde dann erst ein Mal ein scharfes Frosch-Curry gekocht und ich machte Bekanntschaft mit dem allseits beliebten lokalen Reisschnaps. Nach einem weiteren Tag, an dem wieder alle von morgens bis abends feierten, hatte ich genug von diesem verrückten Dorf. Ich wollte zurück nach Pattaya, um bei der Bank den Verlust meiner ATM-Karte zu melden.
Unmittelbar nach unserer Ankunft machte ich mich, in Begleitung meiner Partnerin auf den Weg zur Bank. In Thailand bekam man damals für sein Bankkonto ein Art Sparbuch und auf Wunsch eben auch eine ATM-Karte. Zunächst reichte ich der Dame am Schalter mein Buch hin, damit sie meine letzte Abhebung nachtragen konnte. Mir kam schon komisch vor, dass der Drucker so lange brauchte. Als ich das Büchlein wieder entgegennahm und auf den Kontostand schaute, blieb mir fast das Herz stehen.
Von einem Betrag, der gereicht hätte, um erst ein Mal mit einem Geschäft zu beginnen und die erste Zeit über die Runden zu kommen, war jetzt nur noch etwa ein Viertel übrig. Wie ich den gerade gemachten Einträgen entnehmen konnte, wurde der Rest meines Geldes innerhalb der letzten drei Tage, in mehreren Schritten, per ATM-Karte vom Konto abgehoben. Ich fragte mich, wie das sein kann, wo es doch einen PIN-Code gab, den nur ich kannte?
Die Bank konnte mir nicht weiterhelfen, denn ich konnte ja nicht beweisen, dass ich das Geld nicht selber abgehoben habe. Sie konnten mir lediglich eine Liste ausdrucken, auf der detailliert zu sehen war, an welchen Geldautomaten, zu welcher Uhrzeit meine Karte verwendet wurde.
Eine Kundin, die an einem Schalter wartete und meine Misere mitbekam, sagt zu meiner Partnerin, dass ihr bereits das gleiche Wiederfahren sei. Ihre Karte wurde gestohlen und wie durch Zauberhand war es den Dieben damit auch bei ihr möglich gewesen, das Konto leer zu räumen. Hierzu sei noch gesagt, dass es in Thailand zu dieser Zeit noch keine maximale Auszahlungsgrenze an Geldautomaten gab.
Dies war zwar ein herber Verlust, der meine Abenteuerlust für kurze Zeit ein wenig bremste. Aber es war noch nicht alles verloren und so schnell würde ich auch nicht aufgeben. Wir sind dann trotzdem zurück auf die Elefanteninsel "Koh Chang" gefahren, um dort ein Grundstück zu mieten und ein Geschäft zu eröffnen.
Im 5. Teil von "19 Jahre Südostasien" werdet ihr miterleben, was es bedeutet, wenn man in Thailand etwas bauen lassen will. Und auch die Natur hält noch so einige Überraschungen für mich bereit ... aber dazu mehr hier in Kürze.