Das Buch "Explaining Postmodernism" von Stephen Hicks setzt sich kritisch mit dem Postmodernismus auseinander und liefert eine Erklärung für dessen Funktionsweise. Als Leitkultur westlicher Kulturen wird der Postmodernismus von vielen Intellektuellen, Akademikern, Künstlern und Politikern vehement unterstützt. Gleichzeitig zeigen sich aber auch in Deutschland immer mehr die negativen Auswirkungen dieses Systems philosophischer - oder sich philosophisch gebender - Axiome, weshalb es von größter Bedeutung ist, den Postmodernismus in seinen Eigenschaften und in seiner Tragweite zu verstehen. Die Vorlage ist das Buch "Explaining Postmodernism" von Stephen Hicks, die Übersetzung ein Eigenprodukt.
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Aufstieg und Fall des linken Terrorismus
Bis Ende der 1950er und Anfang der 1960er traten fünf zentrale Aspekte zugleich auf, was Teile der dogmatischen Linken zu einer Bewegung werden ließ, die revolutionäre Gewalt als ihr Mittel ansah.
Epistemologisch war das vorherrschende Klima in Wissenschaft und Intellektuellenwelt gegen die Vernunft gerichtet, da die Vernunft entweder nicht verteidigt werden konnte, oder aber die Vernunft als irrelevant für die Praxis erachtet wurde. Nietzsche, Heidegger und Kuhn zeigten den Weg für die neue Sprache des Denkens. Die Vernunuft ist überholt, so lehrten es die Intellektuellen, und was mehr zählt als alles andere ist der Wille, eine authentische Leidenschaft und irrationale Hingabe.
Praktisch erreichte die Ungeduld nach einem Jahrhundert des Wartens auf die Revolution ihren Höhepunkt. Vor allem in der jüngeren Generation gab es eine deutliche Neigung zum Aktivismus und ein Abwenden vom wissenschaftlichen Theoretisieren. Die Theoretiker fanden zwar noch immer ein Publikum, allerdings führte die Theorie bislang nicht zu allzu viel - was es daher jetzt brauchte, waren entschiedene Aktionen.
Moralisch gab es eine extreme Enttäuschung über das Versagen des klassichen sozialistischen Ideals. Die große Idee des Marxismus wurde nicht Realität. Die Reinheit der marxistischen Theorie wurde notwendigen, aber auch beschädigenden Abänderungen unterzogen. Das noble Experiment in der Sowjet Union hat sich als ein furchtbarer Betrug und Verbrechen entpuppt. Aufgrund dieser niederschmetternden und furchtbaren Enttäuschungen war die Wut über das Versagen und den Verrat an diesem utopischen Traum weitverbreitet.
Psychologisch bestand die größtmögliche Beleidigung darin, dass der verhasste Feind aufblühte, was zur Wut und zur Enttäuschung noch hinzukam. Der Kapitalismus war sich selbst genug, er blühte und grinste dazu hämisch über die Mängel und die Orientierungslosigkeit des Sozialismus. Angesichts solcher Beleidigungen entstand die Sehnsucht danach, es diesem Feind richtig heimzuzahlen, ihm Schmerzen zuzufügen, ihn bluten zu lassen und ihn zu zerstören.
Politisch gab es in den Theorien der Frankfurter Schule wie sie von Marcuse ausgelegt wurden eine Rechtfertigung für irrationale Gewalt. Der rechtschaffene Revolutionär weis, wie sehr die Massen unterdrückt und vom falschen Bewusstseinsschleier des Kapitalismus gefangen gehalten werden. Der Revolutionär weis, dass es besondere Persönlichkeiten braucht, die spezielle Einsichten haben, besondere Persönlichkeiten, die immun gegenüber der Korruption des Kapitalismus sind, besondere Persönlichkeiten, die in der Lage sind, das Richtige durch den Schleier der repressiven Toleranz zu erblicken, die jegliche Kompromisse ablehnen und willens sind, alles dafür zu tun, um diesen Schleier herunter zu reißen und den darunter verborgenen siedenden Horror zu entblößen.
Eine Konsequenz daraus war der Aufstieg des Linksterrorismus in den 1960er Jahren.