Ich will jetzt auch mal etwas jammern und das arme Opfer der gesellschaftlichen Umstände sein. Als Libertärer habe ich es nämlich echt nicht leicht in der politischen Gegenwart. Bis auf den kleinen bestenfalls belächelten Haufen Libertärer und Klassisch Liberaler auf der Welt, glaubt jeder, dass es eine gute Idee sei, Menschen ungeheure Macht über Menschen zu geben, unter immer neuen Begründungen.
Wie das Schicksal es so will, sind einige - zum Teil langjährige - persönliche Bekannte aus der anarchokapitalistischen und minarchistischen deutschen Szene in recht einflussreichen wenn auch nicht immer hoch-prominenten Positionen bei der AfD aktiv geworden. Ich hatte seit 20 Jahren nicht mehr gewählt, weil ich es als eine Unverschämtheit empfinde, was ich da in der Vergangenheit meinen Mitmenschen an den Hals wählen sollte, aber ich dachte mir, dass ein Peter Boehringer im Bundestag z.B. einfach großartig wäre.
Da ich kein Autist bin, habe ich mitbekommen, dass die überwältigende Mehrheit der medialen Öffentlichkeit ausgerechnet die AfD für eine Nachgeburt der NSDAP zu halten scheint. Ich habe persönliche Bekannte und Freunde, die die ernsthaft mit den Nazis vergleichen und fassunglos sind, dass ich die gewählt habe und auch verteidige. Natürlich sind mir Personen wie Höcke auch bekannt, aber ich persönlich würde den "schlimmstenfalls" als National-Konservativ mit unapettitlichen Ausflügen in linkspopulistische Sozialstaatsromatik einordnen und ich bin erstaunt, dass es so wenige Nationale Sozialisten (nämlich Null) an die Spitze der Partei geschafft haben, wo die medialen Stalinorgeln eigentlich doch den hinterletzten Nazi in die Partei hätten treiben müssen, während der starke klassisch-liberal-konservativ-rechtstaatliche Einfluss völlig totgeschrien wurde. Jedes Mal wenn ich den entsetzten Freunden dann erzählt habe, dass meine Bekannten sich beschweren, dass die Medien ihnen diese Deppen erst in die Partei treiben, durfte ich mir zig mal das gehässige stereotype Gefasel von der "Opferrolle der AfD" anhören. Wie vom Band. Aber ich war der Gehirngewaschene.
Aber über die AfD können sich auch Libertäre herzlich streiten und ich verstehe jeden Libertären, der immernoch lieber garkeine Partei wählen würde. Auch die AfD ist ein unerträglich interventionistischer Haufen, aber es sind dank ihnen immerhin mehr echte klassische Liberale im Bundestag als wahrscheinliche jemals zuvor.
Es wäre wirklich schön, wenn die staatlichen Medien sich mal im Sinne ihres von mir zwar nicht persönlich erteilten Bildungsauftrages bequemen könnten, etwas ausgewogener und deeskalierender über die AfD zu berichten und die Hetze dem SPIEGEL und den privaten Zeitungen zu überlassen, die kann man wenigstens durch Abo-Kündigungen bestrafen.
Danke.