Bisher war ich nie ein besonders geselliger Mensch und als solcher hat man es gar nicht so leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Klar, im Job laufen mir häufig andere über den Weg – Kollegen, andere Mitarbeiter usw. Aber sind das meine Freunde? Nein, das sind Leute, mit denen ich mehr oder weniger zusammenarbeite und die ansonsten wenig Anteil an meinem Leben nehmen und ich an ihrem auch nicht. Einige meiner Kollegen sind tatsächlich befreundet, unternehmen in der Freizeit etwas zusammen, fahren gemeinsam in den Urlaub. Warum ich nicht? Weil ich irgendwie ein Eigenbrötler bin und ich bei Firmenfesten usw. eher blöd herumstehe oder mich in Gespräche zu integrieren versuche, was aber immer etwas Gezwungenes hat. Wahrscheinlich strahlt man dieses Ungesellige auch irgendwie aus. Wie auch immer, aus Kollegen sind bei mir noch nie Freunde geworden.
Was ist mit Kontakten von früher? Diejenigen, mit denen ich studiert habe, sind mehrheitlich aus meinem Kontaktumfeld verschwunden. Es ist genau eine einzige Person – eine Freundschaft – aus meiner Studienzeit übrig, obwohl diese noch gar nicht so lange her ist. Aber auch im Studium war ich nicht die personifizierte Geselligkeit und während meine damaligen Mit-Studenten auf Partys etc. herumhingen und „Socialising“ betrieben, war es mir meistens lieber, in Ruhe daheim zu bleiben. Das fördert auch nicht unbedingt soziale Kontakte, aber andersherum – bewusst wegzugehen, obwohl ich keine Lust dazu habe – hatte bei mir auch eher zu Frustration gesorgt. Mir ist natürlich klar, dass es sinnvoll wäre, auch mal wegzugehen, sich einem Verein anzuschließen, Gruppenaktivitäten zu besuchen, um neue Leute kennenzulernen. Aber das macht mir alles nicht so richtig Spaß und etwas tun, woran ich kein Interesse habe, nur um andere kennenzulernen, geht mir auch irgendwie gegen den Strich. Zudem würde man doch auf einer Party auch eher andere Partywütige kennenlernen und keine ruhigen Stubenhocker, die aber meine eigentliche Zielgruppe darstellen.
Obwohl ich also nicht von Natur aus mit vielen Kontakten gesegnet bin, zwar durchaus viele kennenlerne, auch berufsbedingt, aber daraus nie mehr als oberflächliche Bussi-Bussi-Bekanntschaften werden, möchte ich dennoch eines nicht: anderen hinterherlaufen. Den Eindruck, genau das zu tun, hatte ich schon öfters…
- Wenn immer ich diejenige bin, die nach einem Treffen fragt
- wenn es von der anderen Seite immer nur unverbindlich heißt „wir könnten das und das machen“, aber mehr als solche unverbindlichen Aussagen nicht kommt
- wenn bei der Kommunikation per Mail der Gegenpart den Ball vielfach nicht zurückspielt, sondern ich mich immer wieder neu melden muss, damit eine Kommunikation wieder in Gang kommt
Gerade bei der schriftlichen Kommunikation fällt es mir besonders auf. Man schickt ein paar WhatsApp-Nachrichten hin und her, achtet darauf, nicht zu oft zu schreiben, Fragen zu stellen, witzig zu sein, sodass eben eine Kommunikation entsteht. Nach zwei oder drei Nachrichten kommt aber nichts mehr. Dann ist eine Weile Sendepause. Wenn ich mich dann nicht mehr melden würde, käme auch nichts mehr. Dann ergreife ich die Initiative, schreibe was, man unternimmt vielleicht auch was zusammen, bis alles wieder im Sande verläuft. Aber immer wieder die Kommunikation anfachen zu müssen, erscheint mit als Hinterherlaufen. Und irgendwie ist das nicht das, was ich wollte. Ich wünsche mir echtes Interesse. Das muss nicht bedeuten, dass man andauernd schreibt, aber zumindest dass Kontakte nicht nur deswegen am Leben bleiben, weil ich sie einseitig erhalte. Was ist das? Ein Nähe-Distanz-Problem? Oder erwarte ich zu viel?