Es gibt Dinge die fühlen sich so unglaublich richtig an, obwohl man weiß das sie falsch sind.
Es war wieder mal so ein Abend den man einfach genießen wollte. Abschalten bei ein paar Bier mit Freunden. Ganz ungezwungen und vorallem mal ohne Uhr. Hin und wieder muss ich einfach dem Alltagsstress entgehen.
Und so ging der Abend dann auch ganz gemütlich an der Theke los. Zwei, drei Bier unter Freunden lockerte die Stimmung während der Saal sich füllte. Das versprach ein sehr guter abend zu werden.
Mein Blick ging über die Gesichter der prall gefüllten Halle. Ich sah glückliche, ausgelassene Mienen und reichlich Alkohol. Es ging schon recht ausgelassen zur Sache. Was sollte also jetzt noch schief gehen?
Doch dann sah ich Sie.
Ihre zarten, hübschen Züge gepaart mit den wunderschönen Augen und sicher zehn Jahre jünger. Eingerahmt war ihr Gesicht von phantastischen langen Haaren. Ein Engel im Teufelskostüm. Minutenlang starrte ich sie an und konnte mich nicht los reißen. Dann trafen sich unsere Blicke und sie schenkte mir ein Lächeln. "Wow!" war das erste das ich dachte. Im Bruchteil von Sekunden schossen mir mehrere Gedanken durch den Kopf. "Schnell weggucken und nicht auffallen. Zurück lächeln. Bloß nicht wie blöde glotzen."
Ich entschloss mich zu einem Mix aus allem. Also kurz zurück gelächelt und dann weggeguckt, mit der Hoffnung nicht allzu blöde dabei ausgesehen zu haben.
Immer wieder suchten meine Augen sehnsüchtig diese eine Frau. Teuflisch! Es war wie der Reflex zu atmen. Ich musste sie immer wieder anschauen.
Und auch sie ließ mich nicht mehr aus den Augen. Dabei versuchte sie nicht einmal es nach Zufall aussehen zu lassen. Vielleicht war es der Alkohol der ihr den Mut dazu gab.
Je länger der Abend dauerte, desto intensiver wurden unsere Blicke. Die Temperatur in der Festhalle schien zu steigen. Oder war das nur meine Aufregung?
Dann stand sie plötzlich neben mir.
"Was mach ich hier für Sachen", dachte ich. "Du bist verdammt nochmal kein Single. Und jetzt steht Sie hier. Dieser hübsche Teufel." Ich war verunsichert und ärgerte mich, versehentlich falsche Signale gesendet zu haben. Oder hatte ich das mit voller Absicht getan? Meine Gefühle ritten einen Rodeo. Wie sollte ich nun aus dieser Situation wieder heraus kommen? Und wollte ich das Überhaupt? Normalerweise hatte ich immer die Kontrolle in solchen Situationen. Aber hier schien sie mir zu entgleiten. Was hatte diese Frau nur an sich, dass ich nicht mehr wusste wo mir der Kopf stand?
Der Wein hatte ihr eine Menge Mut eingeflösst und dementsprechend frech trat sie auf. Das war schon ziemlich imponierend und machte Eindruck. Sie konnte also nicht nur mit ihrem Aussehen trumpfen.
Irgendwie musste ich Herr der Situation werden und versuchte es mit Ehrlichkeit. Und so wurde schnell klar, daß der Ring an meinem Finger eine klare Botschaft hatte. Doch auch das schien ihr gleichgültig zu sein. Sie suchte immer wieder meine Nähe. Und wenn ich ehrlich zu mir bin, genoss ich es auch. Nur mit wenig Widerstand versuchte ich sie auf Abstand zu halten und hoffte doch, dass sie sich nicht von meinem Vorhaben abbringen ließ.
Schließlich zog ich sie in meine Arme, um Ihre Hände unter Kontrolle zu bringen, die suchend über meinen Körper glitten. Als ich sie näher an mich heranzog spürte ich ihren warmen Körper. Sie fühlte sich gut an. Wollte ich sie überhaupt wieder los lassen? So hätte ich stundenlang, aneinandergeschmiegt mit ihr stehen bleiben können. Einfach Zeit und Raum vergessen. Doch ich wusste, dass dies hier und jetzt nicht ging. Zaghaft und unauffällig roch ich an ihren Haaren.
Ich merkte zu spät, daß es keine gute Idee war, sie so nah an mich heran zu lassen. Ihre Lippen suchten meinen Hals und meine Wangen. Ich spürte diese Versuchung den Kopf zu drehen und ihr meine Lippen anzubieten. "Küss Sie!" hämmerte es in meinem Kopf. Immer und immer wieder. Ich wusste aber auch, daß dann die Schwelle überschritten sei und es kein Zurück mehr gab. Der Zweikampf zwischen Engel auf meiner Schulter und Teufel in meinen Armen ging in die Entscheidede Phase. Wären wir alleine gewesen und nicht von so vielen Blicken beobachtet, hätte ich ihr nicht mehr widerstehen können. Ich fühlte mich wie Wachs in ihren Händen. Der Wunsch sie zu küssen war das einzig präsente in diesem einen, unglaublich schönen Moment.
Ich war hin und her gerissen. Dieses Abenteuer oder der sichere Hafen. Immer wieder sagte ich mir, dass ich noch niemals fremd gegangen war und ich das auch so lassen wollte. Es gab viele Argumente die dafür sprachen sie einfach stehen zu lassen. Aber es gab in diesem Augenblick mindestens genau so viele dagegen. Mein Herz zeriss mir in der Brust. Was sollte ich jetzt tun? Es gibt Dinge die fühlen sich so unglaublich richtig an, obwohl man weiß das sie falsch sind.
Nach langem, intensivem Kampf mit mir selbst hatte ich mich entschlossen das ganze jetzt zu beenden und ihr zu sagen dass es hier nicht weiter ging. Bevor ich jedoch ein Wort sagen konnte fragte sie mich:
"Bringst du mich nach Hause?"