Florian Fischer, Jahrgang 1986, ledig, hat 2012 sein Ingenieursstudium mit sehr guter Note abgeschlossen. Er bekommt ein attraktives Stellenangebot eines Großkonzerns und zieht nach München um. Er bezieht eine durchschnittliche Mietwohung und stürzt sich mit Fleiß und Ehrgeiz in seine anspruchsvolle Arbeit. Zunächst kauft er ein paar Möbel, stilvolle Bekleidung und einen Gebrauchtwagen, denn schließlich will er ja auch am Leben teilnehmen. Im Jahr 2016 hat er in dieser aufregenden Stadt richtig Fuß gefasst und er hat sogar 30 000 EURO angespart. Man soll ja auch an die Altersvorsorge denken, sagen ihm die Freunde und die Medien, also wäre jetzt allmählich (mit 30 Lebensjahren) ein Immobilienkauf angesagt.
Mit 60 000 Bruttojahreseinkommen zählt er zu den "Besserverdienenden" und zahlt für die letzten 6 000 EUR sogar den beliebten Spitzensteuersatz von 42% plus "Solidaritätszuschlag" in der Königssteuerklasse 1. Er blickt stolz auf seine Nettogehaltsrechnung:
Das sind monatlich fast 3000 EUR und er macht für sich die folgende Ausgabenrechnung auf:
- 1000 EUR Miete
- 1000 EUR Lebenshaltungskosten (Strom, Internet, Handy, GEZ, Versicherungen, Fahrtkosten, Essen, Kleidung, ...)
- 1000 EUR Sparleistung
Statt Miete zu zahlen könnte er die 1000 EUR auch für Kreditzinsen und Wohngeld verwenden. Und die Zinsen sind derzeit günstig wie schon lange nicht mehr! Also geht er sein Immoblienkaufprojekt nun offensiv an.
(Er stammt übrigens aus Baden-Württemberg ...)
Im Internet findet er nach einigem Suchen ein passendes Objekt (2,5 Zimmer, 60 qm, Kaufpreis 299 000 EUR) und einen dazugehörigen Finanzierungsvorschlag:
Die Objektbesichtigung verläuft positiv und mit viel Enthusiasmus geht er gleich am nächsten Tag zu seiner Hausbank. Seine Sachbearbeiterin, die 25-jährige Bankkauffrau Elvira König, prüft seine Unterlagen und schüttelt ablehnend ihren hübschen Kopf: "Leider, lieber Herr Fischer, fehlen Ihnen da 30 000 EUR Eigenkapital. Ich würde Ihnen ja gerne weiterhelfen, abe Sie wissen schon, unsere Vorschriften, und es wird ja alles immer strenger reguliert ..."
Seine beiden Eltern können ihm nach ihrer Scheidung auch nicht die fehlenden 30 000 EUR zur Verfügung stellen. "Aber wir haben dir doch schon das Studium bezahlt und deine Schwester ist noch nicht mit ihrer Ausbildung fertig". Ja, schon gut, er hat verstanden.
Also gut, Florian Fischer beschließt, sein Projekt um zwei Jahre zu verschieben. Er arbeitet weiter an seiner Karriere und treibt seine Ansparleistung konsequent vorwärts.
Im Jahr 2018, also zwei Jahre später, blickt er mit Freude auf seine Einkommensteigerung: Satte 10% mehr als noch im Jahr 2016! 66 000 EUR ist doch schon eine ganze Menge Geld. Er blickt wieder auf die Nettorechung:
Nun erhält er schon 3200 EUR Netto monatlich und tatsächlich hat er es durch eiserne Disziplin geschafft, die 60 000 EUR Eigenkapital nachweisen zu können. Zufällig findet er im Internet wieder eine Eigentumswohnung, die hinsichtlich Lage, Größe und Ausstattung seiner ersten Wunschwohnung aus dem Jahr 2016 fast punktgenau gleicht. Dummerweise haben in den letzten zwei Jahren die Immoblienpreise auch kräftig angezogen. Die Finanzierungsrechnung sieht nun so aus:
Es fehlen ihm immer noch 10 000 EUR Eigenkapital. Zwei lange, arbeitsintensive Jahre sind vergangen und Herr Fischer ist seinem Ziel, mit einem Immobilienkauf etwas für seine Altersvorsorge zu tun, praktisch keinen Schritt näher gekommen.
Ergänzende Bemerkungen zur Geschichte
Die Annahmen und Zahlen zu dieser Geschichte habe ich auf Basis meiner jahrelangen Beobachtung des Arbeits- und Immobilienmarktes so realistisch wie möglich getroffen. Mein Anliegen besteht darin, auf die Problematik der Altervorsorge selbst für "Besserverdienende" mittels Erwerb von Immoblieneigentum hinzuweisen. So lange der Niedrigzins die Preise weiter so treibt wie in den letzten Jahren, ist es kaum noch möglich, sich in diesen Markt "hineinzusparen". Sollte der Preistrend allerding drehen, werden wir es mit ganz anderen Problemen zu tun bekommen. Aber das ist dann ein anderes Thema.