Fröhlich summend trat Senta in die Pedalen. Es ist der perfekte Tag. Sonne und Picknick! Was will man mehr? Überall waren Menschen unterwegs, das Wetter war zu einladend, um drinnen zu hocken.
Nicht nur das Wetter hatte Senta aus dem Haus gelockt. Sie fuhr zu einer Verabredung, der sie nun 3 Tage hatte entgegenfiebern müssen. Die berühmte Ewigkeit, die sich einstellt, wenn man sich besonders auf etwas freut. Sein Anruf war überraschend gewesen, die Einladung zu einem Treffen dann aber folgerichtig. Er hatte sich für sie entschieden! Wenn das kein Grund zum Feiern ist! So hatte sie auch eine Flasche Rotwein eingepackt, der wunderbar zu ihrer selbstgebackenen Porreequiche schmecken würde.
Inzwischen hatte sie den Baum erreicht. Er lag etwas abseits des Weges, so dass sie nahezu ungestört picknicken könnten. Gemütlich auf der Decke sitzend - den Rücken am Baum angelehnt, wartete sie auf ihren Angebeteten. Dann kam sein Anruf. Er sei in der Stadt aufgehalten worden und es sei besser, sich dort im Stadtcafé zu treffen.
Schlagartig war ihr klar, dass er sich in der Öffentlichkeit mit ihr treffen wollte, damit sie ihm keine Szene machen könnte. Das war es dann wohl. Erst kamen Tränen und dann die Wut. All der Frust der letzten Wochen kam hoch. Das ewige Warten, das Vertröstetwerden, die geplatzten Treffen... Er war auch nicht besser als die anderen!
Sie schnappte sich den Rotwein und begann Pläne zu schmieden. Er war sowieso verloren für sie, sie hatte also nichts zu verlieren. Der Geist in der Flasche inspirierte sie und sie malte sich unterschiedlichste Situationen aus, bei denen sie ihn öffentlich bloß stellen würde. Alle sollten es mitbekommen, was er für ein A.... sei! Mit einem kleinen Rest in der Flasche begab sich sich zum Stadtcafè. Das Fahrrad fuhr quasi wie von selbst und sie musste sogar lachen. Sein Gesicht würde die Sache wert sein. Dieser Mistkerl! Endlich könnte sie ihm die Meinung sagen. Oder würde sie laut werden? Egal, jedenfalls musste alles raus, die Wut musste Worte finden... Das war ihre Rache.
Sie erreichte den großen Vorplatz des Cafés und stellte ihr Rad ab, was gar nicht so einfach war bei dem unebenen Untergrund. Sie angelte sich die Weinflasche aus dem Fahrradkorb, kam leicht ins Straucheln und saß plötzlich auf den Steinen. Gott sei Dank, die Flasche war heil geblieben und sie leerte den Rest in einem Zug. Jetzt war sie gewappnet und sie machte sich noch einmal alles bewusst, was sie sich in den letzten 10 Monaten alles hatte gefallen lassen. Als Senta ihre Wut wieder deutlich spüren konnte, startete sie in Richtung Stadtcafé...
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