Ägypten, das Land der Pharaonen, war seit meiner Jugendzeit für mich ein Ziel, dieses Land kennen zu lernen.
Als die Reise mit einem Flugzeug erschwinglich geworden war, buchten mein Mann und ich eine Reise für die ganze Familie dorthin. Es wurden die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Ägypten besucht. Beeindruckt von den monumentalen Bauten, dem Museum in Kairo und den wichtigsten Kultstätten, wollten wir eine Extrabesichtigung der berühmten Statuen in Abu Simbel machen und entschlossen uns, von Assuan aus diese Kultstätten zu besichtigen. In Assuan gab es einen kleinen Flughafen, von wo aus kleine Flugzeuge nach Abu Simbel starteten. Da nur zirka 40 Personen in dem Flugzeug Platz fanden und der Andrang sehr groß war, wurde unter uns Passagieren ausgelost, wer beim ersten Flug dabei sein konnte. Mein Mann und unsere Tochter zogen das Los für den zweiten Flug. Ich war bei der ersten Zielgruppe. Ich war sofort bereit, die Tochter mit der ersten Partie fliegen zu lassen, was diese kategorisch mit den Worten ablehnte: „Du bist gezogen worden, also musst du fliegen. Vati und ich folgen mit der zweiten Partie“.
Ich fügte mich und bestieg das kleine Flugzeug. Mein Sitzplatz war unmittelbar hinter dem Cockpit. Der Pilot startete und die Maschine hob vom Boden ab. Ich saß neben dem Fenster und sah unter mir hellbraunen Sand, durch den sich mäanderartig Wässercherchen schlängelten. Meine Nachbarin war der Ausprache nach Spanierin und wir versuchten ein paar Worte zu wechseln, sie auf Spanisch, ich auf Italienisch.
Kaum waren wir einige Minuten in der Höhe, gab es einen schrecklich lauten Knall. Meine Sitznachbarin schaute mich an und ihr starrer Blick und ein Aufschrei ließen auch mich erstarren. In der Maschine war es mucksmäuschen still. Mein erster Gedanke war: Jetzt stürzen wir ab. Gott sei Dank wird meine Tochter nur Halbwaise, da ja mein Mann zurückgeblieben ist.
Da vernahm ich die Stimme des Piloten: „Return to Assuan, return to Assuan!“
Das Flugzeug war noch in der Höhe als es wendete und zurück nach Assuan flog.
Was war geschehen? Der Pilot steuerte das Flugzeug sicher nach Assuan zurück. Als wir uns dem Flughafen näherten, fuhren etliche Feuerwehrautos aus dem Hangar in Richtung Landebahn. Mir wurde etwas schwummelig zumute. Wird es beim Aufsetzen der Maschine zu einer Explosion kommen? Die Passagiere gaben keinen Laut von sich. Irgendwie hatten wir mitbekommen, dass etwas mit dem Motor nicht stimmt. Der Pilot setzte die Maschine sicher auf. Alles schien normal. Als der Pilot das Cockpit verließ, lief ihm der Schweiß über das Gesicht herunter. Ich fragte: „What has happened?“ Darauf seine Antwort: „ Don‘t worry. We are trained in such cases when we have to fly with one motor“.
Ende gut, alles gut.
Als ich in die Wartehalle trat, waren mein Mann und die Tochter ganz erstaunt, mich zu sehen. Sie hatten von dem Zwischenfall nichts mitbekommen und fragten ganz erstaunt: „Du bist noch immer da?“ Als ich sie aufklärte, dass wir beinahe abgestürzt wären, waren beide perplex, aber erleichtert, dass alles so glimpflich verlaufen k
Es wurde ein Flugzeug aus Kairo angefordert, das den Rest der Passagiere, die noch nach Abu Simbel fliegen wollten, dorthin beförderte. Und das ohne weiteren Zwischenfall. Auch wir drei waren bei diesen Unentwegten dabei, die unbedingt nach Abu Simbel wollten. Uns erwartete eine herrliche imposante Tempelanlage mit den Statuen der Pharaonen, die vor einigen Jahren vom ursprünglichen Standort dorthin übertragen wurden. Der Anblick dieser großartigen Tempelanlage entschädigte uns für die ausgestandenen Ängste.
Ägypten ist immer eine Reise wert.
wert.