Diese Tage stehen im Zeichen der Novemberrevolution von 1918, die sich nun zum 100. Male jährt. Aber inbesondere der heutige Tag steht im Zeichen des Kieler Matrosenaufstandes, der den Beginn der Novemberrevolution maßgeblich kennzeichnet.
Was war geschehen?
Die Ursachen für die Revolution sind vielseitig: die Belastung der Bevölkerung durch den bereits vier Jahre andauernden Ersten Weltkrieg, die bevorstehende Kriegsniederlage aber auch in der Unwilligkeit der Elite zu Reformen und den damit einhergehenden sozialen Spannungen.
Die deutsche Regierung hatte bereits Anfang Oktober 1918 ein Waffenstillstandsgesuch eingereicht. Jedoch wollte sich die Marineführung nicht damit zufrieden geben, kampflos ihre Flotte den Alliierten zu überlassen. So wurde für Ende Oktober eine letzte Entscheidungsschlacht gegen die stärkere Royal Navy geplant. Man war überzeugt, dass man tatsächlich Siegchancen hätte. Andererseits war es für die Admiräle eine Frage der Ehre. Die Matrosen jedoch waren kriegsmüde, wollten das Waffenstillstandsgesuch nicht gefährden und sahen es nicht ein, ihr Leben in einer sinnlosen letzten Schlacht zu opfern. Es kam am Vorabend des geplanten Auslaufens zu ersten Meutereien und Befehlsverweigerungen - vor allem auf den Schiffen des III. Geschwaders aus Kiel, welches daraufhin zurückgeschickt wurde. Während der Fahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal wurden die ersten Aufständigen verhaftet.
Aufgrund der Tatsache, dass Kiel durch Kaiser Wilhem II. zum Reichskriegshafen aufgewertet wurde und der damit einhergehenden Ansiedlung von Werften und Rüstungsbetrieben, wuchs die Stadt extrem schnell und es lebten viele Arbeiter hier.
Zurück in Kiel suchten die Matrosen und Heizer Unterstützung für die Befreiung der Inhaftierten bei den Arbeitern (Gewerkschaften), der USPD und der SPD. In den nächsten Tagen nahm die Revolution ihren Lauf.
Sonntag, 3. November 1918 - die Ereignisse überschlagen sich
Zunächst treffen sich vormittags die Spitzen der Marine und beschließen, nachmittags einen Stadtalarm auszurufen, mit welchem die Versammlung auf dem Großen Exerzierplatz unterbunden werden soll.
Mittags treffen sich 5000 Menschen zu einer Veranstaltung im Gewerkschaftshaus, dabei werden kleine Handzettel verteilt, um auf die geplante Versammlung am Nachmittag aufmerksam zu machen.
Um 15:30 wird der Stadtalarm ausgelöst. Die Militärangehörigen werden aufgefordert, auf ihre Schiffe und in ihre Kasernen zurückzukehren. Der Befehl wurde jedoch von Vielen ignoriert, andere wurden erst dadurch auf die geplante Versammlung aufmerksam.
Gegen 17:30 hatten sich etwa 5000 - 6000 Arbeiter und Soldaten im Vieburger Gehölz gesammelt, darunter auch einige Frauen. Unter der Losung "Frieden und Brot" forderten sie die Befreiung der Matrosen aber auch, den Krieg endlich zu beenden und die Lebensmittelversorgung zu verbessern. Anschließend brachen sie zu einem Demonstrationszug durch die Stadt hin zur Arrestanstalt auf. In der Feldstraße trafen sie auf mehrere Straßensperren, es kam zu Schießereien und Kämpfen.
Dieses Aufeinandertreffen gilt als Beginn des Matrosenaufstandes und der anschließenden Novemberrevolution, die sich schnell über das ganze Land ausbreitete und in der Abdankung des Kaisers als auch in der Ausrufung der Republik am 9. November gipfelte und somit den Beginn der Demokratie einläutete.
Gedenken in Kiel
Lange Zeit hat die Stadt mit den Ereignissen gehandert, die auch immer wieder in Vergessenheit gerieten - waren die Aufständigen Helden oder Meuterer? Die Stadt kann jedoch stolz auf diese Menschen sein, auf den Mut, den sie aufgebracht haben, sich gegen die militärische Obrigkeit aufzulehnen und somit den Weg in eine neue Zeit ebneten.
Erst 1982 wurde im Ratsdienergarten ein Denkmal zur Erinnerung an den Matrosenaufstand errichtet - die Plastik "Wik" des Künstlers Hans-Jürgen Breuste.
Denkmal zur Erinnerung an den Matrosenaufstand von Hans-Jürgen Breuste
Eine ständige Ausstellung zum Thema findet man im Schifffahrtsmuseum. Davor befinden sich momentan 2 Container (siehe oberstes Bild), die sehr informativ und anschaulich über die damaligen Ereignisse berichten.
Des Weiteren wurde im Jahr 2011 der Bahnhofsvorplatz in "Platz der Kieler Matrosen" umbenannt. Dort findet man auch eine Infotafel, auf welcher man über die damaligen Geschehnisse nachlesen kann. Eine weitere Infotafel befindet sich auf dem Gelände des heutigen Universitätsklinikums, wo sich damals die Marinearrestanstalt befand.
Gedenktafeln befinden sich am Gewerkschaftshaus in der Legienstraße, auf dem Eichhoffriedhof und an der Ecke Feldstraße / Langer Segen.
Inzwischen gibt es auch geführte Stadtrundgänge (was sicherlich mal interessant wäre, daran teilzunehmen) sowie einen virtuellen Stadtrundgang zum Thema.
Neben den Infocontainern am Schifffahtsmuseum ist die Stadt derzeit mit weißen Flaggen geschmückt, die die Aufschrift "An alle!" tragen - in Anlehnung an die 1919 erschienene Broschüre "An alle Künstler!". Weiterhin fanden heute mehrere Kundgebungen und Demonstrationen statt aber natürlich auch ein Festakt im Gewerkschaftshaus.
Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig an den Mut der Menschen von damals zu erinnern, sich dessen bewusst zu werden, wofür sie gekämpft haben.
Diesen Menschen haben wir es zu verdanken, dass wir heute in einer Demokratie leben können!
Quellen:
Wikipedia - Kieler Matrosenaufstand
Wikipedia - Novemberrevolution
Wikipedia - Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918