Hast du schon mal Lebensmittel gerettet?
Als vor ein paar Tagen die App TooGoodToGo vorstellte, habe ich mich wieder daran erinnert, dass ich die App ja schon auf dem Handy installiert habe und auch mal testen wollte. Also fix registriert und mich umgeschaut, welche Geschäfte in meiner Nähe denn so mitmachen. Und yeah, zwei Läden, wo ich mehr oder weniger regelmäßig einkaufe und die zusätzlich auch nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt sind, machen mit. Darüberhinaus gibt es auch noch einige andere Partner der App in meiner Umgebung. Denn es nützt ja irgendwie auch nichts, wenn ich dafür erst wieder sonstwohin muss. Meine Erfahrungen möchte ich heute mit euch teilen.
Laut Verbraucherzentrale landen in Deutschland jährlich 11 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittel im Müll (im Wert von 25 Milliarden Euro). Was für eine krasse Menge, oder? Und wenn man sich vorstellt, wie viel Geld da mal so einfach in der Tonne landet und was man stattdessen damit machen könnte...
Wenn man weiter bedenkt, welche Auswirkungen diese Verschwendung weltweit hat...
- hoher Energie- und Wasserbrauch sowie Verbrauch anderer Rohstoffe → ein Bsp.: für den Anbau von 1 kg Avocados (das sind ca. 3 Avocados!!) werden ca. 1000 Liter Wasser benötigt Quelle
- unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln in vielen Produktionsländern, weil hauptsächlich für den Export produziert wird oder Anbauflächen für Futtermittel und Biokraftstoff verwendet werden
- aufgrund der Überproduktion steigt die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln und somit auch deren Preis, wovon arme Länder besonders betroffen sind
- durch die Verbrennung des Mülls wird klimaschädliches CO2 produziert
(Quelle)
Man kann schon zuhause viel tun, um möglichst wenige Lebensmittel wegzuschmeißen. Ich versuche auch immer mehr und bewusster darauf zu achten. Obst und Gemüse kaufe ich inzwischen weitestgehend 2x/Woche auf dem Wochenmarkt ein. Dort erhalte ich fast alles auch lose und in der entsprechenden Menge, die ich tatsächlich brauche - und ich kann sogar noch den Händler aussuchen, der regionale Produkte anbietet. Wenn ich also nur ein paar Kartoffeln brauche, muss ich mir keinen 2,5 kg Sack im Supermarkt kaufen, der dann wochenlang im Schrank liegt, weil ich recht selten Kartoffeln esse.
Es sind also schon die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen können.
Nun werden aber in der Gastronomie, bei Bäckereien, in Supermärkten usw. viele Lebensmittel nach Ladenschluss einfach entsorgt, weil sie am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden können. Heutzutage muss es ja bis 18 Uhr frische Brötchen beim Bäcker geben... Und nun kommt die TooGoodToGo App ins Spiel. Teilnehmende Händler können dort tagesaktuelle Angebote reinstellen. Wenn du etwas findest, was dich interessiert, kaufst du dir eine Portion (oder z.B. zwei Portionen, wenn ihr zu zweit seid) und kannst direkt per PayPal, Visa oder Sofortüberweisung bezahlen, anschließend erhälst du einen Kaufbeleg. Zum angegebenen Zeitpunkt gehst du nun ins Geschäft und holst deine Portion ab. Der Kaufbeleg wird direkt in der App vom Personal entwertet. Et voila, du hast etwas Leckeres bekommen. Was genau du bekommst, kann ganz unterschiedlich sein. Entweder erhälst du eine Wundertüte oder du kannst dir selbst aussuchen, was du haben möchtest. Außerdem sparst du auch noch ein bisschen Geld, da du die geretteten Lebensmittel günstiger bekommst.
Erste Erfahrungen
Aufgrund meiner Arbeitszeit ist es für mich leider etwas schwierig, die meisten Angebote in Anspruch zu nehmen, da die Abholzeit in der Regel in den Abendstunden (kurz vor Geschäftsschluss) liegt. So muss ich mich auf's Wochenende beschränken. Und auch nicht jeden Tag ist ein Angebot der einzelnen Teilnehmer drin oder ich verpasse das Angebot auch einfach mal, weil andere schneller waren. Während meines Urlaubs vor kurzem habe ich die App das erste Mal getestet und heute habe ich sie zum zweiten Mal genutzt.
Vollkornbäckerei Brotgarten
Das ist "mein" Bäcker, bei dem ich eh regelmäßig mein Brot kaufe. Dort habe ich für 3,50€ eine Wundertüte erworben. Drin waren ein Brot (ich glaube, es war das Mischbrot mit 600g), 2 verschiedene Brötchen, eine Laugenecke und eine Heiße Wecke. Alleine das Brot kostet schon um die 3,50€. Ich habe also lediglich das Brot bezahlt und zusätzlich 4 Extras bekommen. Nicht schlecht, oder?
El Paso - Bar und Restaurant
Das El Paso bietet sonntags ein American Brunch an. Für 4,50€ (statt 15,90€) darf man quasi das Buffet plündern ;) Ich habe das heute einfach mal getestet und war ganz gespannt, was es zur Auswahl gibt. Die Auswahl war wirklich gut - von Brötchen über Aufschnitt, Salaten, Süßspeisen, Obst und Gemüse und warmen Gerichten wie Rührei gab es auch Müsli und Salate. Das Gute am Buffet ist, dass man sich aussuchen kann, was man mitnehmen möchte. Ich hatte zwei kleine Dosen eingepackt, einmal für Herzhaftes und einmal für die Süßspeisen. Was in meinen Dosen gelandet ist? An Herzhaftem habe ich mitgenommen: ein paar Wedges, Chicken Nuggets, Käse, etwas Mett, Rührei, Bacon, Ofengemüse, Feta, überbackene Tomate und Honigmelone mit Schinken umwickelt, dazu zwei Brötchen. Von den Süßspeisen landeten zwei kleine Pancakes, etwas Tiramisu und etwas Erdbeermouse in der anderen Dose. Alles in allem für den Preis echt in Ordnung, finde ich. Man muss natürlich bedenken, dass die Lebensmittel trotz Kühlung oder Warmhaltung auch schon eine Weile dort standen und daher nicht mehr super mega warm waren usw. Nichtsdestotrotz - so werden sie wenigstens nicht weggeschmissen und ein paar Leute sind auch noch satt davon geworden. Mir kam das auch ganz gelegen - ich hatte so noch etwas zu Essen bevor ich anschließend in die Ostseehalle zum Handballspiel des THW gegangen bin. ;)
Fazit
Ich finde die App eine total super Sache und werde sie mit Sicherheit weiterhin ab und zu in Anspruch nehmen. Sobald es sich ergibt, möchte ich zwei weitere Läden bei mir um die Ecke testen. Das ist einmal das Restez, eine Bäckerei mit französischen Spezialitäten, und zum Anderen Mareike & the Cake, ein britisch-amerikanischer Cakeshop.
Witzig finde ich darüberhinaus bei den Kaufbelegen auch immer die Info, wie viel CO2 man durch den Kauf eingespart hat.
Für Allergiker und Vegetarier / Veganer könnte es teilweise vielleicht ein wenig schwierig sein - wenn nicht gerade ein Laden spezielle vegane Lebensmittel anbietet - vor allem bei den Wundertüten in einigen Geschäften. Dort, wo man sich aussuchen kann, was man mitnehmen möchte, wie eben z.B. bei einem Buffett hat man doch eher noch etwas die Wahl.
Auch für unterwegs ist das sicherlich mal eine gute Sache. Man schaut einfach, welches Geschäft in der Nähe etwas anbietet und holt sich dort dann einen kleinen Snack, z.B. für die Rückfahrt im Zug. Werde ich mit Sicherheit auch mal ausprobieren, wenn ich mal wieder in Hamburg bin.
Ich kann euch die App wirklich nur ans Herz legen. Probiert sie aus und schaut, ob es teilnehmende Geschäfte in eurer Umgebung gibt. In Großstädten ist es sicherlich noch ein wenig einfacher als in kleineren Städten aber auch da gibt es sicher den ein oder anderen Anbieter.