Die Zukunft ist ungewiss und daher spannend. Besonders für Neugierige. Und für Ungeduldige. Und für Investoren.
Das Wort "Prognose" stammt aus dem Altgriechischen "πρόγνωσις".
Für die wenigen Leser, die des Altgriechischen nicht mächtig sind, kann ich auf das Synonym "Prädiktion" zurückgreifen. Das Latinum hat doch nun aber bestimmt jeder, oder?
Eine Hoch-Zeit für Vorhersagen ist natürlich der Jahreswechsel.
Ich wage hier eine launige Rückschau auf das Phänomen der Vorausschau.
Der Kaiser Franz Beckenbauer meinte einst lapidar: "Schauen wir mal, dann sehen wir schon". Damit behielt er Recht, während andere Prognostiker aller Fachrichtungen zielsicher falsch lagen.
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Prognosen um so sinnloser sind, je weiter ihre Projektion in der Zukunft liegt.
Würde ich hier beispielsweise behaupten, dass am 29.2.2248 um 11.11 Uhr Ortszeit in Lüdenscheid Außerirdische mit ihrem Raumschiff landen, wäre keiner meiner heutigen Wegbegleiter in der Lage, meine Aussage durch Anwendung von Sir Karl Poppers Postulat der Falsifizierbarkeit zu prüfen.
Von der Regierung und den Mainstreammedien herbeizitierte Experten und Wirtschaftsweise haben es da schon schwerer, da sie sich meist bemüßigt fühlen, Vorhersagen für die nächsten ein bis drei Jahre zu tätigen (und dafür aus öffentlichen Mitteln üppig bezahlt werden). Glücklicherweise kommt ihnen die Vergesslichkeit des breiten Auditoriums entgegen. Deswegen wird nie ein Backtest ihrer Prognosemodelle durchgeführt. So können wir in diesen Tagen in SZ, FAZ und anderen Qualitätsmedien erfreulicherweise von einem kräftigen Wirtschaftswachstum lesen, während der Kampf gegen das böse Omikron weiter verbissen geführt werden muss. Glücklicherweise lassen die im Hinterhof aufgestellten Papiertonnen derartige Druckerzeugnisse wöchentlich für immer verschwinden.
Da mein Gedächtnis leicht über dem des gemeinen RTL-Zuschauers liegt, führe ich hier eine kleine Liste von Prognosen an, die marginal daneben gegangen sind.
Jerome Powell: Die Inflation ist "transitory"
Corona-Experten: Mit zwei Stichen ist man sicher und frei.
(An dieser Stelle erspare ich mir weitere bereits falsifizierte Aussagen).Der von mir sehr geschätzte Metereologe Kai Zorn versucht seit einem halben Jahr auf youtube, aus den weltbesten Wettermodellen einen strengen Winter herbeizuanalysieren. Aktuell haben wir heftiges Tauwetter.
Der "Goldexperte" Ronald Stöferle publiziert seit vielen Jahren einen Goldpreis von 2300 USD. Bei langfristigen Preisprognosen, die in USD angegeben sind, wird praktisch niemals die verbliebene Kaufkraft der Leitwährung einbezogen.
Auf goldseiten.de findet man regelmäßig Artikel verschiedenster Autoren, die einen Ausbruch des Silberpreises über 30, 50 und gar 100 USD in Aussicht stellen. Die Frage ist nur, wann? Fakt ist, dass Silber seit 2011 eine grauenhafte Performance hingelegt hat.
Der "Forecaster" Martin Arthur Armstrong hat vor einigen Jahren die globale Zinswende einhergehend mit einem Einbruch der Finanzmärkte angekündigt. Besonders durch sein Modell, das sich angeblich um die ominöse Kreiszahl π rankt, hat er Aufsehen erregt.
Für die noch junge Assetklasse Bitcoin und andere Kryptowährungen kann man aus dem Halving-Zyklus wunderbare Modelle wie z.B. das Stock-to-flow-Modell ableiten, die so lange gut funktionieren, bis sie versagen. Pi-Cycle-Top-Indicator und Hyperbitcoinisation im Superzyklus sind auch wunderbare Theorien, die jeden Hodler begeistern.
Die Klimamodelle des Weltklimarats sagen für das Jahr 2050 einen globalen Temperaturanstieg um bis zu zwei Grad voraus, während sich Kai Zorn wie oben bereits erwähnt schon an der Wetterprognose für das nächste Halbjahr die Zähne ausbeißt. Man sollte dabei bedenken, dass der Weltklimarat den Auftrag hat, einen Temperaturanstieg herbeizurechnen.
Noch weiter in die Zukunft blicken die Propheten. Nostradamus Vorhersagen treffen alle zu, wenn man seine kryptischen Strophen richtig interpretiert. Man möchte den Weissagern fallweise gerne Glauben schenken. Daher schließe ich meine Abhandlung mit einem Zitat von Alois Irlmaier:
"Wenn die ganze Lumperei aufkommt, steht das Volk auf mit den Soldaten. Dann wird jeder, der ein Amt hat, an der nächsten Laterne oder gleich am Fensterkreuz aufgehängt."
Noch haben wir es in der Hand, dass es nicht so weit kommt. Bleiben wir gewaltfrei!