Wir alle kennen folgende Situation: Nach einer harten Woche lockt es uns am Wochenende in das Kaufhaus. Wie ferngesteuert wandeln wir durch die einzelnen Geschäfte und unsere Einkaufstaschen füllen sich allmählich. Zuhause leeren wir die Taschen und stellen fest, dass wir die gekauften Dinge in Wahrheit gar nicht benötigt hätten. Wir verstauen sie in Kästen, um sie nie wieder anzusehen. Nach einigen Jahren werfen wir sie dann weg, weil wir Platz für wieder neue Dinge benötigen.
Mit dieser kurzen Geschichte möchte ich dich herzlich zu meinem heutigen Blog-Beitrag zum Thema nachhaltigen Konsum willkommen heißen. In den nachfolgenden Zeilen werde ich die Gründe aufzeigen, warum wir überhaupt konsumieren und wie beeinflussbar wir Menschen tatsächlich sind. Die im vorherigen Absatz dargestellte Geschichte ist eine perfekte Einleitung für die Frage: "Warum konsumieren wir?"
Der Konsum war vor einigen Jahrhunderten längst nicht so ausgeprägt, wie er es heute ist. Konsumgüter konnten sich nur die Adeligen und sehr reichen Könige leisten. Im 13. Jahrhundert hatte die Mittelschicht so wenig Einkommen, dass es gerade für das Überleben ausreichte. Außerdem galt damals, so wenig wie möglich zu konsumieren, da man durch das Anhäufen von Gütern die Seele verkaufte. Dieser stark von der Kirche geprägte Glaubenssatz änderte sich im 15. und 16. Jahrhundert dramatisch, wodurch Konsum erstmals als etwas Positives definiert wurde.
Später verdiente auch die höhere Mittelschicht mehr, sodass sich nun auch Rechtsanwälte, Zahnärzte und Händler vereinzelt Konsumgüter leisten konnten. Erst während der industriellen Revolution wurden Konsumgüter der breiten Masse zugänglich, da die Industrialisierung zum einen für ein höheres Einkommen auch bei der niedrigeren Bevölkerungsschichten sorgte und zum anderen Konsumgüter in Serie produziert werden konnten.
Heutzutage ist man es gewohnt, am Vormittag shoppen zu gehen, sich dabei in drei unterschiedlichen Kaffeehäusern mit Freunden zu treffen, zu Mittag fein in einem Restaurant zu essen, am Nachmittag zu Kollegen aufs Land zu fahren, danach noch schnell sein Kind wohinzubringen und am Abend noch den nächsten Urlaub zu buchen. In unserer hektischen Zeit befinden wir uns wahrlich in einem Konsumrausch. Kein Wunder, dass der ökologische Fußabdruck eines durchschnittlichen Europäers alles andere als eine rosige Zukunft verspricht.
Zunächst konsumieren wir, damit wir unsere täglichen Grundbedürfnisse befriedigen können. Der Mensch ist praktisch dazu gezwungen, zu konsumieren. Täglich müssen wir verschiedenste Nahrungsmittel zu uns nehmen, genug drinken, duschen und die Toilette besuchen. Dies sind aber nur die elementarsten Bedürfnisse, die ein Mensch haben kann. Daneben gibt es zick tausende andere kleine Bedürfnisse, die jeden Tag vom freien Markt gestillt werden müssen und dazu zähle ich noch nicht einmal das neue Iphone.
Unsere Vorfahren waren stark von einem Mangeldenken geprägt. Bei den Jägern und Sammlern hieß es, so viel zu horten, wie nur irgendwie möglich. Gewissermaßen hat sich dieses Verhalten bis heute durchgeschlagen. Es wird immer mehr gekauft und immer weniger das Gekaufte konsumiert. Besonders stark fällt dies bei "Fast-Clothing" auf. Einige große Kleidungsproduzenten stellen ihre Kleidung nunmehr mit dem Bewusstsein her, dass sie einmal getragen und dann nach Jahren in den Müll geworfen wird.
Einige wollen der geplanten Obsoleszenz die Schuld in die Schuhe schieben. Dies allerdings erfolglos: Die Produkte werden in so kurzen Zeitabständen ausgetauscht, dass die fehlerhaften Teilchen, die nach 2 Jahren zu einem geplanten Versagen des Gerätes führen sollen, gar nicht mehr zum Zug kommen. Die Schuld trägt damit wieder der Konsument.
Andere widerrum bezeichnen die Marketingfirmen und deren Kampagnen als größte Umweltsünder, da diese ja die ahnungslosen Konsumenten zum Kauf von solcher Produkte verleiten, die sie eigentlich gar nicht benötigen. Nur wenige erkennen, dass die Konsumenten hier wieder nur einen Sündenbock suchen wollen, ohne dabei sich selbst in Betracht zu ziehen. Die freie Konsumentscheidung ist demnach nur eine Illusion.
Viele Menschen versuchen durch ihren unaufhaltbaren Konsum Glück im Leben zu finden, Ängste und Sorgen zu überdecken, aber scheinbar erfolglos. Das Stadium des Glücklichseins hält dabei nur kurz an, bis ein nächstes Konsumgut gekauft werden muss, um wieder einen kurzen Dopamin-Kick zu erhalten. Wir Menschen konsumieren unaufhörlich, ohne das uns die Folgen davon wirklich bewusst sind. Wollen wir weiterhin diesen Planeten am Leben erhalten, müssen wir unseren Konsumgürtel erheblich enger schnallen, auch wenn es in Zukunft damit etwas ungemütlich wird.
Sagt mir ruhig mal in die Kommentare, was ihr dazu denkt! ;-)
euer @infinitelearning