Wer macht es nicht ständig und gerne? Wir sitzen am Abend gemütlich vor dem Fernseher und schauen nebenbei auf unser Smartphone oder unseren Computer. Praktisch – denn so ist uns nie langweilig – wenn das Fernsehprogramm gerade langweilig ist, schauen wir eben auf unser Smartphone und umgekehrt. Neben der Tatsache, dass man während des ,,Multitasken‘‘ kaum in der Lage ist, sich beispielsweise die Handlung eines Filmes zu merken, hat das Multitasking vor allem Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit. Hierbei liefern Tests und Studien eindeutige Ergebnisse.
Wie wirkt sich also Multitasking auf unsere Konzentrationsfähigkeit aus?
Zunächst einmal ist eines festzuhalten. Auch wenn manche Menschen gern von sich behaupten, sie seien ,,multitaskingfähig‘‘, stimmt das in Wirklichkeit nicht. Neurobiologisch gesehen ist das Gehirn nicht in der Lage zwei Dinge zu einer bestimmten Zeit zu erledigen. Der Grund, warum es uns als Multitasking erscheint ist, weil das Gehirn in kurzer Zeit immer wieder zwischen den verschiedenen ,,Tasks‘‘ umschaltet. Wir erledigen die ,,Tasks‘‘ also immer kurz vor oder kurz nach dem nächsten Task. Dies funktioniert allerdings nicht sehr gut, wie beispielsweise das gleichzeitige Fahren und Texten beweist.
Langfristig gesehen leidet unter dem Multitasking vor allem die Konzentrationsfähigkeit. Dies kann man sich so vorstellen, dass der eigene Eingangsfilter für ankommende Reize erweitert wird – wir lassen uns mit der Zeit immer leichter ablenken. Durch das ständige, während dem Multitasking praktizierte, Wechseln der Aufmerksamkeit auf den interessantesten Punkt konditionieren wir unser Gehirn darauf, immer auf neue Reize zu achten, anstatt sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren. In einer Studie der Stanford Universität aus dem Jahr 2009 fand man heraus, dass die Versuchsteilnehmer, die häufig Multitasking mit ihren Geräten betreiben, in Konzentrationstests deutlich schlechter abschnitten und sich viel leichter ablenken ließen als Menschen, die wenig bis gar kein Multitasking betrieben.
Für mich persönlich ist das beste Beispiel für diese Entwicklung das Lesen von klassischen Büchern. Als ich noch ein Kind war waren Smartphones noch unbekannt und die meisten Menschen besaßen maximal ein Tastenhandy. Damals ist es mir relativ leichtgefallen, ein Buch zu lesen. Mittlerweile hat sich dieses Bild verändert und ich muss mich voll auf das Buch konzentrieren, um mit den Gedanken nicht ständig abzuschweifen. Noch schlimmer ist es, wenn sich das Smartphone in Griff- oder zumindest in Sichtweite befindet. In diesem Fall fällt es mir oft schwer mich noch zu konzentrieren und ich muss das Smartphone aus dem Zimmer entfernen, um mich voll konzentrieren zu können.
Alles in allem ist auch beim Multitasking Vorsicht geboten. Mir ist klar, dass es gemütlich ist, fernzusehen und gleichzeitig die Nachrichten zu checken oder durch die Timelines sozialer Netzwerke zu scrollen, allerdings entwickelt sich ein schleichender Prozess, der nur mühsam wieder rückgängig zu machen ist.
Hast du auch schon Situationen erlebt, in denen dir klar geworden ist, dass du dich sehr leicht ablenken lässt oder du dich einfach nicht mehr gut konzentrieren kannst?
Wenn dies der Fall ist, würde ich mich sehr über einen interessanten Kommentar von dir freuen!
Für Interessierte verlinke ich hier noch die Studie der Stanford Universität:
https://news.stanford.edu/2009/08/24/multitask-research-study-082409/
Stay healthy!