Isabella Klais / Aufbruch - Wir für Deutschland!
Der Sprache kommt elementare Bedeutung zu. Sie transponiert unsere Gedanken in Worte, die für andere zumindest vernehmbar sind, wenn sie auch nicht immer verstanden werden - sei es akustisch oder kognitiv. Die Worte führen, bewußt oder unbewußt, zu Reaktionen. Diese Reaktionen werden offen oder klandestin-manipulativ hervorgerufen.
Der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, bezeichnete in seiner neuen Eigenschaft als Exponent der „Werteunion“ innerhalb der CDU Bemühungen von Gender-Aktivisten um eine neutrale Sprache als deutliche Einschränkung der Denk~ und Meinungsfreiheit.
Leider liefert er keine Begründung für seinen Standpunkt, der aus sich heraus nicht nachvollziehbar ist. Über die auch ansonsten stattfindende Manipulation mit sprachlichen Mitteln gehen die Gender-Vertreter jedenfalls nicht hinaus.
Das Anliegen einer gendergerechten Sprache stellt die Inklusion aller dar. Das kann man nur als verdienstvoll bezeichnen. Es bleibt daneben immer auch die Option, bewußt nur eine Teilmenge anzusprechen, wenn dies geboten erscheint oder intendiert ist.
Zunächst einmal muß man feststellen, daß die deutsche Sprache im Hinblick auf Absurdität nicht an der Spitze steht.
Das Japanische kennt wohl völlig unterschiedliche Ausdrucksweisen für eine inhaltlich identische Aussage, je nachdem, ob sie von einer Frau oder einem Mann getroffen wird.
Im Hebräischen haben die Verben unterschiedliche Suffixe für Sprecherin und Sprecher. Feminine Personalpronomina und Zahlen werden maskulinen Nomen zugeordnet und umgekehrt.
Im Französischen führt die Anwesenheit auch nur einer einzigen maskulinen Person in einer Gruppe von einer Million Frauen zum Gebrauch der maskulinen Personalpronomina und Verbformen.
Im Deutschen beschränkt sich das Problem auf belebte Nomen.
Es stellt sich die grundsätzliche Frage, welcher Sinn einer Unterscheidung überhaupt zukommt. Warum differenziert man gerade nach feminin und maskulin - und nicht nach Augenfarben oder Haarfarbe oder Hautfarbe? Auch nach eingehender Überlegung erschließt sich für jegliche Unterscheidung kein vernünftiger Grund. Das Englische folgt am konsequentesten dem Prinzip sprachlicher Neutralität.
Ist es diskriminierend, wenn jemand mich fragt: „Sind Sie hier der Chef?“ Früher hätte ich dies vehement bejaht, weil kein maskulines Monopol auf Führung existiert. Heute würde ich selbst sagen „Ich bin hier der Chef.“, weil ich keine Veranlassung erkenne, warum ich betonen sollte, daß ich eine Frau bin. Allein die Frage erkennt ja bereits meine Führungsrolle an.
Die heute verpflichtend an Frauen und Männer gerichtete Stellenausschreibung präkludiert doch nicht die Möglichkeit der letztlich erfolgenden Wahl aus nur einer der Gruppen. So lassen sich gleiche Chancen nicht erzwingen. Andererseits kann auch ein Vertreter einer nicht genannten Gruppe sich initiativ bewerben. Erst wenn das zurückgewiesen würde, erfüllte dies den Fall der Benachteiligung.
Nur die feminine Sprachvariante allein bringt den Frauen keinerlei Vorteil. Sie müssen sich selbst ins Spiel bringen durch Leistung und Durchsetzungsvermögen. Dann kommt es auf die Bezeichnung nicht an. Daher findet diese gesamte Diskussion auf einem Nebenschauplatz statt und zeigt, daß ihre Exponenten schon verloren haben, weil sie die falschen Prioritäten setzen und nicht wissen, wo der Zug abfährt. Die Bezeichnung ist eine Hülse ohne Inhalt, wenn sie nicht entsprechend ausgefüllt wird. Schlimmstenfalls dient die unterschiedliche Benennung als Einstieg für die Forderung nach Sonderrechten; das wäre dann schon das Ende der noch nicht einmal begonnenen Karriere, oder EdeKa, wie es so schön heißt.
Sprache muß den Regeln folgend korrekt sein, sich aber auch im Alltag bewähren. Ist eine Variante nicht praktikabel, wird sie in der Praxis nicht angenommen werden und sich sprachlich nicht durchsetzen. Die immer wieder anzutreffende „Förderin“, die versucht, die Fördererin zu verdrängen, ist übrigens der Sprachfaulheit - und nicht dem Genderismus - zu verdanken. Hier siegt Sprachökonomie (wie man Trägheit euphemistisch umschreiben kann) über Logik. Das darf nicht zur Regel werden - weder in der Sprache, noch im sonstigen Leben.
Weniger Denk~ und Meinungsfreiheit sind durch bemühte Gendersprache tangiert, als vielmehr Denkweise und Mentalität, die in die falsche Richtung weisen.
Die richtige Einstellung wäre die Haltung: „Ich gebe mich nicht zufrieden, bis dort, wo ich bin, der Chef ist. Dann ist es gleichgültig, wie man mich bezeichnet. Hauptsache, ich gebe die Richtung vor.“
Auf dem Würfel fiele meine Präferenz auf die neutrale Option.
https://deutschlernerblog.de/zauberin-oder-zaubererin-gute-frage/
https://www.welt.de/politik/deutschland/article190124215/Hans-Georg-Maassen-Ex-Verfassungsschutzpraesident-beklagt-Hetzjagd-gegen-sich.html