Isabella Klais / Aufbruch - Wir für Deutschland!
Die gendermainstream-Bewegung wendet viel Kreativität auf zur nicht-diskriminierenden sprachlichen Berücksichtigung aller.
Das reicht von der expliziten Nennung aller (Studentinnen und Studenten), über neutrale Formulierungen (Studierende) und Schrägstrich-Varianten (Student/inn/en) bis zu sprachlich fragwürdigen Konstrukten mit großem Binnen-I oder Binnen-Stern (StudentInnen oder Student*innen).
Das generische Maskulinum und Femininum (Lehrer, Hebamme), das den jeweils anderen Teil impliziert, wird abgelehnt. Dabei stellt sich durchaus im Sinne des Anliegens der gender-Bewegung die Frage, ob es nicht sekundär ist, ob es sich um eine weibliche oder männliche Person handelt. Warum soll dies immer deklariert werden? Niemand käme auf die Idee, stets auf die Augenfarbe zu verweisen. Man könnte durchaus argumentieren, daß Frauen einen Begriff teilusurpieren und ihn auch für sich beanspruchen.
Ein Phänomen läßt die gender-Bewegung dabei bisher erstaunlicherweise außer Acht: Jeder Sack ist ein Herr, aber jede Dame nur eine Frau.
Diese Frage war immer wieder schon mal Gegenstand von Gerichtsentscheidungen, die jedoch allesamt befanden, daß aus sprachhistorischen Gründen* keine Diskriminierung damit einhergehe.
Ob dies heute noch ohne weiteres so entschieden würde, ist höchst fraglich, denn wer kennt schon die sprachhistorische Entwicklung*? „Frau“ wird im heutigen Sprachgebrauch als Gattungsbegriff und Entsprechung zu „Mann“ empfunden. Dem „Herrn“ entspricht die „Dame“. Nur das Niederländische kennt eine vergleichbare Asymmetrie mit „mijnheer“ und „mevrouw“. In anderen Sprachen dagegen entsprechen einander beide Anredeformen (Mister / Mistress, Monsieur / Madame, Señor / Señora, Signore / Signora, Senhor / Senhora).
Das Auswärtige Amt scheut derzeit keine Mühe, alle seine Auslandsvertretungen auf gendergerechte Sprache einzuschwören. Da wäre es schon interessant zu erfahren, was Mann Minister Maas, von seiner Mitarbeiterin Dame X darauf angesprochen, zu der Anrede-Frage meint. Immerhin ist Dame X schon keine Männin mehr (früher: Amtsmännin!!!).
*“Das Wort Frau war über viele Jahrhunderte hinweg das stilistisch gehobenere Wort; es trug die Bedeutung ›Herrin‹ und war damit dem Wort Herr ebenbürtig. Das ist bis heute in der Anrede erhalten geblieben und fest in der Sprache verankert.
In Wörterbüchern finden sich dafür eindeutige Belege: So war Frau (mittelhochdeutsch vrouwe, althochdeutsch frouwe = ›Herrin, Dame‹) die weibliche Form zu einem untergegangenen Substantiv mit der Bedeutung ›Herr‹, zum Beispiel im Altsächsischen froio = ›Herr‹ und (mit anderer Bildung) im Althochdeutschen fro ›Fron‹ (vgl. »Duden ‒ Das große Wörterbuch der deutschen Sprache«, 4. Aufl. Mannheim 2012).
Im »Etymologischen Wörterbuch« von Kluge (23. Aufl. Berlin 1995) wird dies bestätigt. Der Ausdruck Frau existiert demnach mindestens seit dem 9. Jahrhundert, als Bedeutung wird wiederum ‒ ›Herrin‹ angegeben. Zum von Ihnen favorisierten Ausdruck Dame ist dort zu lesen, dass er seit dem 16. Jahrhundert und früher verwendet wird und heute die Bedeutung ›vornehme Dame‹ trägt. Entlehnt wurde er aus it. dama, span. dama, franz. dame und geht ursprünglich auf das Wort domina = ›die Hausherrin‹ zurück.“
https://gfds.de/anrede-herr-und-frau-statt-herr-und-dame/
*“Die Bezeichnung 'Dame' ist seit 1622 im deutschen Sprachgebrauch bekannt. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts sank 'Dame' in der Volkssprache auf die Bedeutung 'Hofmätresse' und 'Dirne' ab. Erst seit dem 18. Jahrhunderts hat sich 'Dame' in der bürgerlichen Gesellschaft als 'Ehrentitel' eingebürgert.“
https://german.stackexchange.com/questions/32568/warum-ist-der-ausdruck-nicht-sehr-geehrte-frauen-und-herren/32573#32573
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache#Schwedisch
Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 20.07.1981 (BVerfG, NJW 1981, 2178); Urteil des OVG Lüneburg vom 20.10.1994; Urteil des LG Bonn vom 02.11.1994; Az.: 5 S 123/94