Isabella Klais / Aufbruch - Wir für Deutschland!
Dem Phänomen der Verachtung, als der vernichtendsten Reaktion auf etwas oder jemanden, wird viel weniger Beachtung geschenkt, als ihm zukommt.
Im täglichen Diskurs wird irrigerweise viel zu oft auf „Haß“ fokussiert, obwohl es sich tatsächlich nur selten um Haß handelt. Haß als starke Emotion setzt intensives Engagement und starke eigene Betroffenheit voraus. Das aber liegt nicht oft vor.
Wird jemand gehaßt, oder fühlt sich zumindest so, sollte er dem sogar etwas Positives abgewinnen können, denn dem Haß geht intensive Beschäftigung mit der Person voraus, die dann in Form des Hasses noch weiter anhält. Dabei wird die Person als solche immerhin und notwendigerweise sehr bewußt wahrgenommen, denn die Empfindung von Haß begleitet den Hassenden unterschwellig permanent, sodaß er irgendwie immer mit dem Objekt seiner Einstellung lebt, was ihm mal mehr, mal weniger präsent ist.
Ganz anders die Verachtung, bei der die Gegenseite keiner Form der Wahrnehmung mehr würdig befunden und schlicht ausgeblendet wird. Ihre Existenz wird quasi negiert. Damit einher geht eine ständige Kontaktsperre.
Haß mündet im Endstadium nicht selten in Verachtung, wenn das Engagement abgeklungen und die innere Distanz hergestellt ist. Die sublime Verachtung stellt die weitaus stärkere Waffe dar. Auf Haß kann man reagieren, auf Verachtung nicht. Sie kann man nur als unabänderlich konstatieren und muß gezwungenerweise mit ihr als Faktum leben. Der Verachtende führt die Regie. Der Verachtete wird zum handlungsunfähigen Gegenstand degradiert, der irgendwo abgestellt wurde. Er kann darauf allenfalls seinerseits mit Rückzug antworten. Während Haß in der Regel die Konfrontation sucht, errichtet die Verachtung eine unüberwindliche Mauer.
Viele Gefechte der politischen Auseinandersetzung gewännen durch den Einsatz dieses scharfen Schwertes an Wirksamkeit.
Wenn die USA sich auf - tatsächlich nicht existente - Werte berufen, für die sie stünden, wäre die Verachtung derer, die sie nicht teilen, eigentlich das probate Mittel der Reaktion. Werte muß man (vor)leben. Dann werden sie, wenn es überzeugend geschieht, sich als begehrtes Gut verbreiten. Man kann sie nicht als „Heilsbringer“ zwangsweise verteilen, selbst wenn man sich in ihrem Besitz befände.
Was man im Parlament dagegen beobachtet, sind einfach nur Kaspereien der stillosen und dummen Art. Hier hat man es weder mit Haß, noch mit Verachtung zu tun, sondern mit dem Ausdruck intellektueller Hilflosigkeit, die in Kindereien ausartet. Dazu zählen Verweigerung der Erwiderung des entbotenen Grußes ebenso wie der dem Redner zugedrehte Rücken oder das wiederholte und abgesprochene Durchfallenlassen von Kandidaten bei formalen Postenbesetzungen.