Wenn man im Krankenhaus auf einer Station mit wachen Patienten arbeitet, kommt es oft vor, daß von der einen oder anderen gelieferten Mahlzeit nicht alle Patienten Gebrauch machen. Sei es wegen mangelndem Appetit, sei es, weil für den zur Mittagszeit entlassenen Patienten auch noch ein Abendbrot kommt ...
Manchmal stellt man die Tabletts erstmal zur Seite und wartet dann noch die Abendbrotzeit ab, ob die Patienten auf einer Station, auf der die Patienten länger bleiben und regelmäßig essen, doch noch Interesse zeigen.
Bleibt ein warmes Mittagessen übrig, kann es auch sein, daß ein Arzt oder eine Ärztin sich darüber freut. Nicht jeder ißt gern alles und so ist auch die Pflege nicht immer auf das übriggebliebene Essen scharf.
Es gibt auch die eiserne Regel, daß ein Tablett, das beim Patienten war, für uns tabu ist. Hygiene und so ...
Im gestrigen Fall blieben uns vom Abendessen vier Tabletts mit Salat, Käse, Aufschnitt, Brotscheiben und zwei Semmeln, die wir für unser eigenes Abendessen hernahmen. Ich hatte selbst Brot und Aufschnitt mitgebracht, weil ich nicht wußte, wie es sein würde, und habe mich vor allen an jene gehalten.
Durch den Schichtbeginn zur Mittagszeit geht es sich nicht so richtig aus, vorher noch selbst warm zu essen, wir hatten also alle gegen 17 Uhr schon richtig Hunger und hauten rein ...
Eine halbe bis Dreiviertelstunde nach unserer Mahlzeit kam ein Anruf "kommt mal ins Personalcasino, wir haben noch Reste von einer Verabschiedung". Die Kollegin, die den Anruf annahm, war so baff, daß sie nicht mal fragte, wer denn eigentlich verabschiedet worden war. Sie schickte aber mich und den Azubi hinunter mit zwei kuchenplattengroßen Tellern und einer Schüssel.
Es hatte ein Buffet aus Fingerfood gegeben und wir nahmen noch folgendes mit: Scheiben von Lachs-Wraps, Mini-Teriyaki-Spieße mit Glasnudelsalat, Caprese-Spieße, Mini-Putenmedaillons mit Kartoffelsalat, gedämpfte Garnelen auf Bulgursalat, alles auf kleinen Plastiktellerchen, dazu im Glas ein Dessert (Mousse mit Passionsfruchtpüree), auch ein herzhaftes Gericht im Glas, das ich aber, ohne es zu probieren, nicht richtig bestimmen konnte. Wir wollten für die Nachtschwester auch noch was da lassen, also aß ich davon nicht, sondern konzentrierte mich auf meine geliebten Garnelen ...
Und es gab Wassermelone. Der Azubi hatte nur 4 davon auf seinen Teller mit den Desserts gepackt und weil unten aber noch ein ganzer Teller voll gewesen war, wurde ich gleich noch mal runtergeschickt! :-) Wie viele Krankenhäuser heizt sich auch unseres teilweise sehr gut auf, die Wassermelonenscheiben kamen also gerade recht.
Der Teller war auch noch da, ich lud meinen voll, packte noch zwei Dessertgläschen dazu, bedankte mich ein weiteres Mal und ging beschwingt nach oben.
Erst danach haben wir getafelt, aber die Sachen kamen bei den Kolleginnen wie erwartet nicht so gut an. Was der Bauer nicht kennt ...
Nachdem wir unsere Bäuche nun wirklich gut gefüllt hatten, waren wir uns einig, daß gern jeden Tag eine Verabschiedung sein könnte. :D
Tatsächlich verabschieden sich im Herbst bzw. zum Jahresende einige Mitarbeiter von diesem Krankenhaus, um woanders zu arbeiten, soweit ich das in der letzten Woche mitbekommen habe ... einige nach langen Jahren, so daß u. U. Lücken bleiben ... und ich war ja nur über eine Station ein bißchen im Bilde ...