Man kommt ja eigentlich nicht mehr an dem Thema vorbei heutzutage.
Als die R... M... anfing, im TV für ihre vegetarischen Ersatzprodukte zu werben, fand ich das ziemlich furchtbar. Wer sollte das essen?
Getoppt hat dies in Bezug auf Gruselfaktor nur die Werbung für die "Lizza", die mich irgendwann vor 2-3 Jahren via Social Media erreichte. Für diejenigen, die sich nichts unter dem Namen vorstellen können: es geht um vorgebackenen Pizzateig auf Leinsamenbasis. Ja, da hab ich auch sparsam geschaut, besonders, als sich herausstellte, daß sich einige Kochblogger dafür begeisterten. (Gruselig finde ich das Konzept heute noch: wie soll denn ein derartiger Teig an die Eigenschaften eines Hefeteiges herankommen, eine Soße aufnehmen, etwas anderes als übertrieben knusprig sein?)
Inzwischen gibt es auch Nudeln, die ich dann doch mal testen würde.
Aber genug abgeschweift.
Was ich, glaube ich, mit dem Beispiel zum Ausdruck bringen wollte: Geschmäcker können unendlich verschieden sein. Und bei dem vielfältigen und sich immer wieder erweiternden Warenangebot in den Supermärkten findet echt jeder was.
Nur ich immer öfter nicht mehr. Selbst bei der lokalen Tafel ist das Angebot unheimlich divers. Gut, damit sind wir hier eine Ausnahme, das ist mir völlig bewußt - und im Ort selbst ein offenes Geheimnis. Denn davor, daß Senioren zur Tafel gehen, ist selbst das reiche Münchner Umland nicht gefeit. Und manchmal bekommen andere Senioren das mit.
Die vollen Tüten bringen mir also nicht nur Erleichterung, auch wenn mich noch keiner auf selbige angesprochen hat.
Jedenfalls ... hätte ich ohne die Tafel in den letzten eineinhalb Jahren (und vorher einem knappen Jahr Foodsharing) gar nicht soviele Fleischersatzprodukte probiert und Favoriten gefunden.
Der sojabasierten Mischung, die die Grundlage für viele Bratlinge ist, habe ich, ehrlich gesagt, seit der ersten Werbung dafür nicht getraut. Und tatsächlich hat sie nicht gehalten, was sie versprach. Klar mußte ich das Erlebnis damit in meinem früheren Kochblog verbloggen:
Durchgefallen: vegetarische Burger aus der Firma mit der Mühle
Mein damaliges Fazit? Bitte die Produktion der Dinger einstellen!
Aber zum Glück ist die Geschichte hier noch nicht zu Ende. Zugelaufen sind mir desweiteren Pseudo-Fleischbällchen aus Quorn (die seit eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen wurden :( ) und einiges andere mehr. Letzten Mittwoch wanderten ein Hähnchenfilet-Imitat (noch nicht zubereitet, Beitrag folgt) und eine Woche zuvor drei vegane Snackwürstchen in die Einkaufstasche. Von den veganen Snackwürstchen habe ich inzwischen zwei in einer Suppe "verwurstet", Fazit: eßbar, aber die Konsistenz ist eben etwas eigen. Kein Ersatz für Mini-Salamis oder die früher üblichen "Knacker", die man auf Wandertouren mitgenommen hat, wenn man eins davon gewohnt ist.
Ich habe mich in die Quorn-Produkte regelrecht verliebt. Es gab einfach am wenigsten auszusetzen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal aktiv Hackfleisch gegessen habe - gekauft und zubereitet habe ich es schon sehr sehr lange nicht mehr. (Tortellini und/oder Pelmeni könnten eine Ausnahme gewesen sein.) Und das war nicht mal Absicht. Ich esse, wenn ich Jieper auf tierisches Protein habe, eher Hühnchen(flügel) oder mal eine Wurst in die Suppe geschnitten im Winter. Also war es eher die Umstellung, mal wieder etwas Hackfleischähnliches auf dem Teller zu haben.
Ohnehin wandern die meisten Fleischprodukte, die ich bei der Tafel bekomme, erstmal in den Tiefkühler. (Übrigens ist es mir am Mittwoch nicht gelungen, zu einer Leberwurst nein zu sagen. Das war's mit dem vegetarischen August ... irgendwie ist es echt leichter, sich für Fleisch zu entscheiden, als dagegen, echt ätzend! Dabei bin ich gar nicht so der überzeugte Fleischesser - aber eben auch nicht der überzeugte Fleisch-Ablehner - ich mag nur einfach Gemüse sehr.)
Eigentlich bin ich auch der Typ, der zu Fleischersatzprodukten nein sagt. Oder ich war mal dieser Typ. Als ich selber mit 19/20/21 Vegetarierin war, habe ich die indische Küche lieben gelernt (auch wegen eines Imbißwagens im Umkreis meiner Ausbildungsfirma). Noch lange danach, vielleicht bis vor eineinhalb Jahren, war ich überzeugt, ich würde nie den Zugang zu diesen Produkten finden (mögen). Dann kam wie gesagt Quorn daher und da ich eh nicht so aufwendig kochte, paßte das prima.
Ich denke, die indische Küche und viele andere Gemüseküchen haben nach wie vor einen besseren Stand und mehr Bekanntheit verdient. Leider läßt sich mit Hausmannskost und Selberkochen kein Geld verdienen - jedenfalls nicht für die Supermärkte und Lebensmittelhersteller. Mit Produkten, die das Kochen und Essen irgendwie erleichtern, schon eher. Deshalb werden Fertigprodukte wohl nicht mehr aus den Supermärkten verschwinden, sondern ihre Bandbreite weiterhin jährlich zunehmen.
Da hilft es vermutlich nichts, Erbsen und Kichererbsen und Linsen in ihrer Ursprungsform lieber zu mögen.
Ich kann Molkereiersatzprodukte aus diesem Artikel nicht ausklammern, weil sie meines Erachtens eine ähnliche Modeerscheinung sind wie Fleischersatzprodukte. Auch hier sind einige näher am Original, was Konsistenz und Einsatzfähigkeit angeht, als andere. Lupine hat sich zu einem meiner Favoriten entwickelt (nachzulesen hier). Aromatisierter Soja-Joghurt geht auch. Auf Kuhmilch möchte ich leider nicht verzichten - zu lieb ist mir der gelegentliche Kakao und auch Kaffee trinke ich nicht ohne Milch.
Aber wie gesagt: die Lebensmittelindustrie wird einen Teufel tun, sich in ihrer Kreativität Grenzen zu setzen ...
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