Der Anfang der Geschichte zum Nachlesen:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Der Barbier schloß seine Arbeit ab.
"Wann werdet Ihr denn die werte Gräfin das erste Mal treffen? Habt Ihr etwas vereinbart?"
"Ich fahre morgen los, mein lieber Johann. Nein, eine Vereinbarung gibt es nicht. Sie weiß nichts von ihrem Glück."
Selig tagträumte unser Recke von seiner Ankunft auf dem fremden Schlosse.
Johann mußte sich beherrschen, nicht die Stirn zu runzeln.
"Nun, lieber Graf, es wird bestimmt wunderbar sein.", sagte er, obwohl er sich da ganz und gar nicht sicher war. Was wohl passieren würde, wenn der Graf vor Ort die Wahrheit herausfand? Wahrscheinlich wäre er, Johann, seinen Job und Hauptverdienst los. Was sollte dann mit den jüngeren Kindern geschehen?
Nein, er mußte einfach eingreifen, soviel wurde ihm immer klarer. Aber davon durfte der Graf nichts merken!
Er nahm dem Grafen, welcher sich gerade begeistert im Spiegel betrachtete, den Frisierumhang ab.
"Wunderbare Arbeit mal wieder, mein lieber Johann. Was täte ich nur ohne Dich?"
Der Graf fuhr mit der Hand über die frisch rasierte Haut.
"Und nun brauche ich noch etwas gegen den Haarwuchs auf der Reise. Hast Du da ein Mittelchen?"
Johann war vorbereitet. Er holte ein Töpfchen aus der Tasche. Gegen den Bartwuchs würde die Creme nicht helfen, aber die Haut ein bißchen pflegen und dezent für einen guten Geruch sorgen.
Mit geübten Händen rieb er die Creme in die Haut des Grafen ein.
"Wunderbar.", sagte der Graf noch einmal und erhob sich. Er zückte seinen Geldbeutel und streckte Johann ein vorher abgezähltes dickes Bündel Scheine entgegen.
"Ach, das ist zuviel des Guten, mein lieber Graf."
"Laß nur, mein lieber Johann. Du hast wieder eine vorzügliche Arbeit geleistet. Und ich bin in wirklich guter Stimmung gerade."
Johann steckte das Geld weg, kam aber nicht von dem Gedanken los, daß dies das letzte Mal sein könnte, daß er von dem Grafen so fürstlich entlohnt wurde - ja, daß ihn dieser überhaupt bezahlte.
Aber er hatte auch gelernt, sich nichts anmerken zu lassen.
Am Eingang des Schlosses verabschiedeten sich die beiden Herren.
"Ich wünsche Ihnen eine gute Reise, mein lieber Graf, und eine angenehme Zeit im Burgenland. Auf Wiedersehen."
"Auf Wiedersehen, mein lieber Johann. Ich denke, es wird eine wunderbare Zeit werden."
Dann ritt der Barbier von dannen und widmete sich weiter den Reisevorbereitungen.
Unterdessen hatten die Gräfinnen von Feuerstein nach langer Zankerei soweit zusammengerauft, daß ein Plan feststand.
- Ida sollte den Besucher begrüßen und Margarete und Leopoldine als Cousinen vorstellen. Auf diese Weise würde es möglich sein, die Zwillinge auch mal aus der Schußlinie zu nehmen.
- Ein abendlicher Empfang war obligatorisch. Ida hatte zwei Schloßherren der Umgebung mit viel Geld bestechen können, die zwei würden ihnen einen Abend und den darauffolgenden Tag Gesellschaft leisten.
- Am Tag danach sollte ein Ausritt stattfinden, evtl. mit einer Jagd, wie es dem Besucher gefiele. Selbstverständlich würde der Ritt nicht auf die eigentlichen Güter des Schlosses Walshausen beschränkt sein. Auch das war alles abgesprochen.
- Der Bote, der den Brief manipuliert hatte, wurde nicht gefunden, auf sein Erscheinen auf oder in der Nähe des Schlosses wurde aber ein Kopfgeld ausgesetzt.
Damit war alles sicher geklärt, fand die Gräfin Ida.
Denn das war es doch, oder?
Fortsetzung folgt!