Ich mache wieder einmal die Nacht zum Tage, denn Schlaf ist mir nicht vergönnt.
Also kann ich auch ein bißchen bloggen.
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Um den Monatswechsel herum war ich eineinhalb Wochen krankgeschrieben. Eine Mischung aus Erkältung und Panikreaktion. Danach wären nur noch eine Woche und zwei Tage Maßnahme übrig gewesen.
Ab Mitte der 2. Woche Krankheit fiel mir dann wieder die Decke auf den Kopf, gleichzeitig fing alles an, mir egal zu werden. Ich hatte das Gefühl, alles erlebt zu haben was mir wichtig und möglich war. Also: nicht unbedingt das, was ich mit 20 geplant hatte; aber ich hätte es mir nicht anders gewünscht, als es gekommen ist. Ich habe Dinge geschafft und andere Dinge nicht. War es jetzt noch wichtig, weiterhin an diesem Ort zu bleiben und zu hoffen, daß sich etwas bessert? Nein, in dem Moment irgendwie nicht. Ich hatte auch kein Bedürfnis mehr, irgendwo hinzureisen. Es wäre ein Plus, wenn es doch noch mal klappen würde, dafür das Geld aufzubringen, aber mit den Augen einer 24jährigen oder 30jährigen sehe ich die Welt eh nicht mehr. Aktivitäten, die mir damals etwas bedeutet hätten, sind sie heute noch wichtig? Muß ich wirklich Flugreisen machen, um mich vollständig zu fühlen?
(Jetzt beim Schreiben geht mir auf, wie altklug das klingt, aber diese Gedanken gingen mir wirklich durch den Kopf.)
Naja, das mit dem "tot umfallen" klappt selbst dann nicht, wenn ich es (unabsichtlich) darauf anlege. So wie gestern vormittag, als ich fast von einem Auto erfaßt worden wäre. Ich fahre ohne Helm und rede mich vor mir selbst damit heraus: wenn etwas passiert, ist es um mich nicht schade.
Sorry an diejenigen, die das triggert, aber diese Gedanken habe ich seit über 10 Jahren. Ich bin einfach, wer ich bin, und nicht, wer ich nicht bin. Keine Diskussionen über das Thema Selbstwert bitte ...
In den Wochen vor und während der Krankschreibung geschriebene Mails an die Kursleiterin führten dann jedenfalls dazu, daß diese mich, als ich wieder da war, zum Gespräch bat und meinte, sie hat kein gutes Gefühl dabei, mich aus dem Kurs zu entlassen. Ob ich nicht bis zu einem Klinikaufenthalt (den ich eigentlich im vergangenen halben Jahr hätte organisieren müssen ...) verlängern wolle? Ich hatte keine Kraft, um nein zu sagen, also sagte ich zu. Und erfuhr dann am letzten Dienstag - dem offiziellen letzten Tag -, daß die Verlängerung genehmigt wurde.
In den Krankheitswochen ging mir auch auf, wie viel Zeit und Kraft mir für Projekte, die ich für dieses Jahr geplant hatte, gefehlt hatte. Hatte es nicht sollen sein, diese mit mehr Nachdruck verfolgen zu können? Was war mir überhaupt noch wichtig?
Zu einer gewissen Erleichterung, nicht aus einer (seltsamerweise letztlich doch funktionierenden) Tagesstruktur gerissen zu werden, kam dann die Ernüchterung, daß mir weiter Zeit für Dinge fehlen würde, die vielleicht wichtig wären. Und die geplanten Tage Freizeit in dieser Woche gab es dann natürlich auch nicht.
Ich bin also nicht ohne Grund schlaflos. Aber jetzt ist die Zeit, die ich für diesen Beitrag habe, schon wieder herum, denn das Ehrenamt ruft. Immerhin: ich habe durchaus etwas erreicht dieses Jahr. Und alles andere wird sich schon irgendwie fügen.