wollte ja unbedingt "Geschichten aus der Gosse" lesen.
Kann er haben.
Ich bin nach all den lauten Gedanken, es müsse in Steem investiert werden, wütend genug, um dem Wunsch nachzukommen.
Als ob es DEN Obdachlosen gibt.
Natürlich berichten RTL und Co. zu attraktiven Sendezeiten nicht über Obdachlose, die sich versuchen, n neues Leben aufzubauen. Die arbeiten gehen, aber kein eigenes Dach über dem Kopf haben, weil entweder fast der gesamte Lohn für die Rückzahlungen draufgeht oder weil sich in der Stadt, in der man seit Jahren lebt und jetzt wieder arbeitet, kein Vermieter findet, der auf evtl. ausbleibende Mietzahlungen Rücksicht nimmt. Müssen die Vermieter ja nicht, weil es genug Interessenten gibt, die finanziell flüssiger sind.
Jede große Stadt hat ihre Obdachlosenszene, das Spektrum ist vermutlich überall dasselbe. Wie in der restlichen Gesellschaft auch gibt's die Sorglosen, die Trinker, die Drogenkonsumenten, die Engagierten.
Ein Privatinsolvenzverfahren dauert 6-7 Jahre. Ziemlich lang also.
In der Zwischenzeit ist man unheimlich abhängig. Diejenigen, die dann wieder einen Job finden und ihn halten können, sind die wenigen Gewinner. Bei dem ganzen organisatorischen Kram muß man eigentlich irgendwann den Mut verlieren.
Und trotzdem ist das Thema noch so unbequem, daß keiner darüber redet.
Anstatt, daß man denen, die aus dem Dilemma herausfinden, gesellschaftlich den Rücken stärkt.
Alle Betroffenen haben auf eine bestimmte Art und Weise mit Geld gezockt, bevor sie insolvent wurden. Man muß nicht mal kaufsüchtig sein, ne Steuer- oder Mietschuld oder eine beim Stromversorger oder Telefonanbieter reicht aus.
Ich hoffe, ich hab jetzt klarer gemacht, warum mir die ganzen Investitionsaufrufe stinken. Es gibt keine Risikoanalysen, wie bei manchen anderen Anlageoptionen. Es ist und bleibt Glücksspiel. (Vermutlich steht deshalb, allein wegen der Symbolik, der einzige Bitcoin-Automat Deutschlands in einer Spielhalle abseits der Touristenpfade.)
Niemand hier schreibt ernsthaft was über Versteuerung von Kryptoeinkommen, obwohl es substantiell mehr Gewicht haben sollte als jegliche Investmenttipps - von denen es hier dagegen zuhauf gibt. Stattdessen werden Träume von steuerfreien Verdiensten ausgebreitet - und wer etwas auf sich hält, schimpft auch noch auf die eigene Regierung oder die des Nachbarlandes. Weil man Freiheit ja nur bis zur eigenen Nasenspitze denkt.
Mein Leben besteht zu einem Großteil aus Regeln. Das ist der Autismus bei mir. Kann man jetzt im negativen und im positiven Sinne verstehen. Ich neig ja eher zu einer negativen Interpretation, weil eine ganze Reihe Regeln nicht funktioniert hat und andere nicht formuliert waren, als ich sie gebraucht hätte.
Und mir geht - auch wegen meines fortgeschrittenen Alters - das Verständnis für Flexibilität, (Eigen- sowie Fremd-)Vertrauen und Geduld ab. Weil alles davon, von einem bestimmten Standpunkt gesehen, verletzend für andere ist. Wenn man sich das klarmacht, braucht man eigentlich auch kein Selbstvertrauen und keinen Optimismus mehr.
Ich hab gemacht, was ich gut fand, so als 20- bis 38jährige. Genutzt hat es mir nicht. Wie soll ich davon wegkommen, vor Individualismus, Träumereien und ähnlichem zu warnen? Ich würd gern auch lieber anderes tun, aber die Summe meiner Erfahrungen ist eben nicht, daß mir Freizügigkeit in der Art und Weise, wie ich sie zu leben imstande war, gut getan hat. Und da ich mich schon für n bißchen schlau halte (hey, immerhin hab ich einen Diplomstudiengang einer Technischen Universität abgeschlossen), kann ich mir nicht vorstellen, daß nicht andere noch leichter und umgangreicher reinfallen als ich.
Ich bin einigen gesellschaftlichen Standards zu entrückt, um noch sinnvoll meine eigenen Probleme verständlich zu erklären. Und ich habe nicht den Eindruck, daß sich daran etwas ändern wird - egal, ob mittel- oder langfristig. In meiner Wahrnehmung hängt nicht nur die Außenwahrnehmung meiner Person durch andere, sondern auch meine berufliche Zukunft und bedingt dadurch mein finanzieller Status. Der natürlich auch wieder auf meine seelische Befindlichkeit zurückwirkt. Wie gesagt, Insolvenz tut weh, Krankheit auch.
Man muß weder auf das eine noch das andere sehenden Auges zusteuern.